Unvergessen

Stolz zeigt Ariella Kaeslin beim Empfang in ihrem Heimatdorf Meggen die Silbermedaille. Bild: KEYSTONE

Der Tag, an dem Ariella Kaeslin Sportgeschichte schrieb

17. Oktober 2009: Die 22-jährige Ariella Kaeslin feiert in London den wertvollsten Erfolg ihrer Karriere. Am Sprung gewinnt sie Silber – es ist bis heute die einzige WM-Medaille einer Schweizer Kunstturnerin.

17.10.16, 00:01 17.10.16, 07:29

Das Jahr 2009 ist das beste ihrer Karriere. Im Frühling gewinnt Ariella Kaeslin an der EM zunächst Bronze im Mehrkampf – die erste einer Schweizerin in dieser Disziplin – und anschliessend gar Gold im Sprung. Auch das ist eine Première, Kaeslin ist die erste Schweizer Turn-Europameisterin.

Eine Woche nach ihrem 22. Geburtstag gehört die Innerschweizerin aus Meggen deshalb auch an den Weltmeisterschaften zum Favoritenkreis. Wenn alles gelingt, dann kann Kaeslin am Sprung erneut eine Medaille gewinnen. Doch der Wettkampf wird zur Zitterpartie.

Die beiden Sprünge zur WM-Silbermedaille. Video: YouTube/ciciginastica

«Es lief mir kalt und warm über den Rücken»

Die Pause zwischen ihren beiden Sprüngen ist ungewöhnlich lang. Das Kampfgericht ist sich nicht einig, ob Kaeslins erster Sprung, der Tschussowitina, gestreckt oder gebückt ausgeführt war. Nach einer Videoanalyse kommt die Jury zum Schluss, dass er gestreckt war – das andere Urteil hätte Kaeslin 0,4 Punkte gekostet. Kaeslin lässt sich durch die Diskussion nicht aus dem Konzept bringen: «Ich hatte halt einfach eine längere Pause.»

Sie behält einen kühlen Kopf und steht auch den Jurtschenko, ihren zweiten Sprung, sicher. Hinter der überlegenen Amerikanerin Kayla Williams gewinnt Kaeslin die Silbermedaille – auch weil die haushohe Favoritin Hong Un Jong aus Nordkorea zwei Mal stürzt.

Auf dem Podest habe sie Hühnerhaut gehabt, schildert Ariella Kaeslin anschliessend: «Es lief mir kalt und warm über den Rücken. Nach EM-Gold nun WM-Silber, das ist genial, einfach sensationell!»

An den Sport Awards 2009 setzt sich Ariella Kaeslin gegen Skirennfahrerin Lara Gut durch. Bild: KEYSTONE

Der Vergleich mit Messi und der verlorene Killerinstinkt

Trainer Zoltan Jordanov vergleicht seine Turnerin gar mit Lionel Messi. «Sie besitzt die Eigenschaft, sich sehr stark auf ein Ziel zu fokussieren und hat das, was man einen Killerinstinkt nennt. So wie Fussballstar Messi vom FC Barcelona», sagt er der «Luzerner Zeitung».

Dieser kommt Kaeslin jedoch rascher abhanden, als ihr lieb ist. Im Sommer 2011, nachdem die dreifache Schweizer Sportlerin des Jahres (2008, 2009 und 2010 in Serie) noch einmal EM-Bronze im Sprung gewonnen hat, erklärt sie mit noch nicht einmal 24 Jahren ihren Rücktritt vom Spitzensport.

Unter Tränen gibt die erfolgreichste Schweizer Kunstturnerin der Geschichte ihren Rücktritt bekannt. Video: YouTube/Blick

«Es ist mir nicht leichtgefallen, aber ich habe auf meinen Körper und mein Herz gehört», erklärt die Turnerin, die die vielen Entbehrungen und das harte Training nicht mehr auf sich nehmen will. Die Olympischen Spiele von 2012 in der Londoner O2-Arena, dem Ort ihres grössten Erfolgs, erlebt Kaeslin nicht mehr als Aktive.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Die Nachfolgerin: Giulia Steingruber an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro

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Galghamon, 3.12.2016
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