Wirtschaft

Der Präsident und sein Direktor: Markus Ritter (links) sieht dank Donald Trump eine neue Ära. Bild: KEYSTONE

Schweizer Bauern sehen mehr Chancen für Nachhaltigkeit – dank Trump

Der US-Präsident hält wenig von multilateralen Handelsverträgen. Damit sinkt der Liberalisierungsdruck auf die Schweizer Landwirtschaft. Bauern-Präsident Markus Ritter spricht von einer «neuen Ära».

29.01.17, 04:53 29.01.17, 14:31

Lorenz Honegger / schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Für die Schweizer Bauern ist der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump ein Segen. Nicht etwa, weil der New Yorker ein Liebhaber von Emmentaler Käse wäre, sondern wegen seines Flairs für Protektionismus. Anders als sein Vorgänger Barack Obama setzt Trump lieber auf Strafzölle als auf weltumspannende Freihandelszonen.

Sein designierter Botschafter für die EU, Theodore Malloch, gab dem von Obama aufgegleisten Handelsabkommen TTIP mit Brüssel diese Woche den Gnadenstoss. Es sei «buchstäblich tot», sagte Malloch der BBC. Worte wie diese stimmen den Präsidenten des Schweizer Bauernverbandes optimistisch: «Donald Trump hat eine neue Ära eingeläutet: Ich gehe davon aus, dass man den ganzen Freihandel neu beurteilt und künftig mit mehr Nachhaltigkeit angeht», sagt CVP-Nationalrat Markus Ritter (SG).

Handelskammer-Chef Martin Naville. Bild: PHOTOPRESS

Nur eine Verschnaufpause?

Der Bauern-Präsident hat allen Grund zum Optimismus: Für den Fall, dass sich Brüssel und Washington auf den Freihandelsvertrag geeinigt hätten, erwägte auch der Bundesrat, bei TTIP «anzudocken». Für die Bauern wäre es in diesem Szenario ungemütlich geworden: «Die Schweiz wäre unter Zugzwang gestanden, ihren Agrarmarkt zu liberalisieren», sagt Martin Naville, Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer und Freihandelsbefürworter. Denn Liberalisierung heisst: keine Subventionen für die einheimischen Bauern. Keine Quoten und Zölle auf ausländischen Landwirtschaftsprodukten.

Wie lange die Bauernlobby dem Öffnungsdruck hätte widerstehen können, ist unklar. Tatsache ist: Die USA sind nach der EU der zweitwichtigste Handelspartner für die Schweiz. Naville sieht im Ende von TTIP denn auch eher eine Verschnaufpause als eine längerfristige Tendenz.

«Die USA werden auch unter Trump auf einem Zugang zum Schweizer Agrarmarkt beharren. US-Regierungsvertreter haben sowohl unter Bush als auch unter Obama betont, dass erneute Gespräche nur stattfinden können, wenn sich die Schweiz für amerikanische Produzenten öffnet.»

Martin Naville, Schweizerisch-Amerikanische Handelskammer

US-Präsident Trump will künftig laut ersten Ankündigungen primär auf bilaterale statt auf multilaterale Handelsverträge setzen. Aussenminister Didier Burkhalter sagte dem «Tages-Anzeiger» vor kurzem, vielleicht sei nun ein guter Zeitpunkt, um elf Jahre nach den letzten bilateralen Freihandelsgesprächen mit Washington einen neuen Anlauf zu starten. Damals zog sich die Schweiz nach ersten exploratorischen Treffen mit den Amerikanern auf Druck der Agrarlobby selber zurück. Als Beispiel für einen geglückten Vertrag nannte Burkhalter das Freihandelsabkommen mit China.

Parallelen zum Bankgeheimnis

Handelskammer-Chef Naville hält einen neuen schweizerisch-amerikanischen Freihandelsvertrag ohne Liberalisierung der Landwirtschaft wie im Fall der Chinesen jedoch für illusorisch. «Die USA werden auch unter Trump auf einem Zugang zum Schweizer Agrarmarkt beharren. US-Regierungsvertreter haben sowohl unter Bush als auch unter Obama betont, dass erneute Gespräche nur stattfinden können, wenn sich die Schweiz für amerikanische Produzenten öffnet.» Er sei überzeugt, dass die Schweiz den privilegierten Status der Bauern nicht ewig aufrechterhalten könne. «Wir sind mit der Landwirtschaft an dem Punkt, an dem wir im Jahr 2000 mit dem Bankgeheimnis waren.»

Bauern-Präsident Ritter hingegen bleibt betont gelassen. «Zurzeit sehe ich aus der Perspektive der Schweiz keinen Druck auf weitere multilaterale Abkommen. Weder vonseiten der Welthandelsorganisation WTO noch in Sachen TTIP.»

So sehen erzürnte Bauern aus!

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • Skip Bo 29.01.2017 10:37
    Highlight Wenn die Konsumenten ausschliesslich Produkte konsumieren würden, welche nach schweizerischen Produktionsrichtlinien produziert werden, bräuchte es weniger DZ und weniger Schutzzölle.
    Der Selbsversorgungsgrad ist so tief, dass durchaus noch Produkte aus nachhaltiger importiert würden.
    Aber der durchschnitts Konsument orientiert sich vor allem am Preis. Dafür sind nachhaltig produzierte Güter nicht geeignet.
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  • rodolofo 29.01.2017 10:33
    Highlight ...
    Da die meisten KonsumentInnen kurzsichtig Billigprodukte kaufen, bedürfen die besonderen Qualitäten der CH-Landwirtschaft, wie Landschaftspflege, Selbstversorgung, oder Erhaltung sinnvoller Arbeitsplätze in Randregionen, besondere Schutzmassnahmen, wie Zölle, Einfuhrbeschränkungen und Direktzahlungen für Ökologische Leistungen!
    Diese Schutzmassnahmen führen leider zu einem schwerfälligen, Bürokratischen Apparat, und einzelne Bauern versuchen dann, Ausgleichszahlungen zu ergattern, ohne dass sie z.B wirklich davon überzeugt sind, dass Hochstämme wichtig sind.
    Aber:US-Gentech geht gar nicht!
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  • rodolofo 29.01.2017 10:24
    Highlight Ritter hat völlig recht!
    Das TTIP-Abkommen wäre für unsere Landwirtschaft und insbesondere für unsere Bio-Landwirtschaft verheerend!
    Warum das?
    Weil die Topographischen und Klimatischen Bedingungen, sowie die Kleinräumigen Strukturen eine Agro-Industielle Produktion wie in den USA, auf weitem, topfebenem Gelände, mit Monokulturen, die sich bis an den Horizont ausdehnen und die von gigantischen Maschinen bearbeitet werden, (Gott sei Dank!) nicht zulassen.
    ...
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  • SemperFi 29.01.2017 10:06
    Highlight Ich sehe schon, wie unser Bauernpräsident im Auftrag von JSA mit dem US-Präsidenten ein knallhartes bilaterales Abkommen aushandelt.
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  • Sandro Lightwood 29.01.2017 09:49
    Highlight Ritter ist ja bekannt dafür, den Zeitgeist jeweils frühzeitig zu erkennen.
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  • Aged 29.01.2017 08:23
    Highlight Verstehe ich Bauern-Präsident Ritter richtig, können wir die Landwirtschafts-Subventionen per sofort stoppen?! Dank Trump.
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    • Richu 29.01.2017 09:56
      Highlight Aged: Über 30% der EU-Ausgaben gehen an die Landwirtschaft, welche in den meisten EU-Ländern nicht einmal "so" umweltfreundlich produzieren. Leider schreiben die "Linken" nie über die hohen Milliarden-Subventionen, welche unsere EU-Nachbarländer aus "Brüssel" erhalten..
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    • Gigle 29.01.2017 10:34
      Highlight @Richu Zusammenhang?
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    • Aged 29.01.2017 11:38
      Highlight @richu: Herr Ritters Kommentar betraf die Schweiz. Richtig ist schon, dass EU Subventionen zahlt. Falsch ist allerdings, dass "Linke" nicht darüber berichten, wer sonst tut es dann?
      (Selber bin ich Parteilos 😑).
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