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«Das Great Barrier Reef ist gestorben»: Wie ein Nachruf die australischen Behörden ärgert

Publiziert: 17.10.16, 08:47

«Das Great Barrier Reef ist 2016 nach langer Krankheit gestorben. Es war 25 Millionen Jahre alt»: Mit drastischen Worten schrieb Journalist Rowan Jacobsen letzte Woche in einem vielbeachteten Artikel einen Nachruf auf das grösste Korallenriff der Welt, das Great Barrier Reef in Australien. Der Artikel machte im Internet schnell die Runde, wurde tausendfach geteilt. Andere Medien nahmen die Geschichte auf.

Behördenchef Russell Reichelt reagierte am Sonntag verärgert auf den viel zitierten «Nachruf». Das Riff sei durch die Korallenbleiche vergangener Monate zwar angegriffen, aber nicht tot, erklärte Reichelt. Das Riff erstreckt sich über 2300 Kilometer entlang der Ostküste Australiens und ist eine der grössten Touristenattraktionen des Kontinents.

Vorher-nachher-Foto einer von der Korallenbleiche betroffenen Koralle bei Lizard Island im Great Barrier Reef. Bild: XL Catlin Seaview Survey

Jacobsens Artikel wurde auf dem Portal «globalreseach.ca» veröffentlicht, das nach Angaben der Website eine unabhängige Forschungs- und Medienorganisation in Kanada betreibt. «Niemand weiss, ob ernste Anstrengungen das Riff hätten retten können, aber es ist klar, dass solche Anstrengungen nicht unternommen wurden.»

«Fatalistisch»

«Unverantwortlich und unwahr», konterte Reichelt. Solche Schlagzeilen seien fatalistisch und trügen nicht zum Schutz des Riffs bei. Insgesamt seien fast ein Viertel der Korallen, 22 Prozent, in den vergangenen Monaten abgestorben, räumte er ein.

42 Vorher-nachher-Bilder, die zeigen, wie krass sich die Erde verändert hat

Grund sei die schlimmste Korallenbleiche gewesen, die das Riff je erlebt habe. Sie gehe auf das Wetterphänomen El Niño zurück und den Anstieg der Meerestemperaturen durch den Klimawandel.

Die 22 Prozent sind ein Durchschnittswert, wie Reichelt einräumt. Im nördlichen Teil des Riffs ist die Lage viel dramatischer: Dort sind nach Angaben von Meeresbiologen der James Cook-Universität mehr als 90 Prozent der Korallenstöcke betroffen.

Auch diese Koralle wurde angegriffen. Bild: XL Catlin Seaview Survey

Vielerorts seien mehr als ein Drittel der Korallen abgestorben. Südlich von Port Douglas und Cairns, wo viele Touristenboote zu dem Weltnaturwunder aufbrechen, waren die Schäden deutlich geringer.

Milliarden für Schutz

Nach Angaben von Reichelt war die Korallendecke in den drei Jahren vor der jüngsten Bleiche insgesamt um 19 Prozent gewachsen. Die Regierung habe für die nächsten zehn Jahre zwei Milliarden australische Dollar (etwa 1.5 Milliarden Franken) für Schutzmassnahmen bereitgestellt.

Meeresschützer klagen, dass die Regierung mit dem Ausbau der Kohleindustrie zum Klimawandel, der das Riff bedroht, beiträgt. Der Ausbau der Kohlehäfen an der Ostküste bringe noch mehr Schiffe in die Region, die das Riff weiter belasten. (meg/sda/dpa)

14 Kommentare anzeigen
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  • Baccara 17.10.2016 10:21
    Highlight Interessant ist beim zweiten eingestellten Bild - auf der linken Bildseite scheint die Sonne glitzernd ins Meer. Auf dem rechtne Bild nicht. Mh. Honi soit qui mal y pense.
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  • Ludwig von Mises 17.10.2016 09:40
    Highlight Was hat das für Konsequenzen wenn das Riff stirbt?
    5 7 Melden
    • Joshi 17.10.2016 11:20
      Highlight Welche ökologischen Konsequenzen das ganze haben wird, weiss ich auch nicht. Mir reicht jedoch die Tatsache, dass eines unser schönsten Naturphänomene einfach so verblasst. Ich war diesen Sommer da. Obwohl ich natürlich keinen Vergleich habe, haben die ganzen Korallen schon nicht mehr so farbenfroh gewirkt. Die Locals bestätigten mir die Veränderung auch. Trotzdem war der Anblick grandios. Noch mehr darf dieses System einfach nicht zerstört werden.
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    • Taliscaolila 17.10.2016 11:43
      Highlight Ich hoffe, dir ist bewusst, dass der Tourismus zum Absterben des Barrier Reef beiträgt?
      12 1 Melden
    • stoeffeli 17.10.2016 12:02
      Highlight Die direkteste Konsequenz ist ein dramatischer Rückgang der Fischbestände. Dies und der Ausfall diverser anderer Nahrungsquellen reisst ein gewaltiges Loch in die Nahrungskette der Weltmeere. Insofern betrifft es auch den Menschen direkt, da eine unserer wichtigsten Nahrungsquelle betroffen ist. Umso frustierender ist es, dass gerade Regionen die vom Fischfang und Tourismus leben sich oft so wenig einsetzen.
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    • Joshi 17.10.2016 18:16
      Highlight @Taliscaolila Ja, genauso wie das Auto, welches wir täglich fahren, die Heizungen an denen wir uns wärmen, die Kleider, die wir tragen. Nur wenige Leute, sind bereit komplett auf ihren momentanen Lebensstandard zu verzichten. Ich persönlich bin der Meinung, dass sich in der Politik etwas änderen muss, technologische Fortschritte müssen her etc. Klar liegt die Verantwortung auch beim kleinen Bürger und damit auch bei mir. Deshalb steige ich auch ab und zu aufs Velo und konsumiere nicht wie ein wahnsinniger. Natürlich hast du Recht mit deiner Aussage. Nur aufs Reisen will ich nicht verzichten. ☺
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  • Delay Lama 17.10.2016 09:21
    Highlight Man muss heutzutage bei Umweltthemen leider immer ein wenig übertreiben, sonst interessieret es ja noch weniger Leute als sonst! Was mich nervt, ist diese Scheinheiligkeit... dieser Reichelt hat wahrscheinlich Angst die Tourismuseinnahmen zu verlieren. Wirklich verändern wollen die Industrienationen ihr Verhalten ja nicht.
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    • deleted_200316475 17.10.2016 13:31
      Highlight Die Heuchelei ist doch das einzige was uns Menschen heute noch verbindet.

      Wir alle wollen unser Verhalten doch nicht wirklich verändern, oder dann nur da, wo es für uns am bequemsten ist.
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  • solani 17.10.2016 08:57
    Highlight Das macht mich traurig. Ich hoffe wir schaffen es irgendwie, die Erde nicht kaputt zu machen...
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    • IMW 17.10.2016 10:11
      Highlight Ist schon lange im Gang ,weil jeder denkt das alles nicht so schlimm ist und kein einziges Land ,kein einzige Regierung mut hat um gegen alle Lobbys zu kämpfen die denken wie der sonnenkönig: nach mir die sintflut
      15 1 Melden
    • EvilBetty 17.10.2016 10:13
      Highlight Wir machen vor allem uns selbst kaputt.
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    • Töfflifahrer 17.10.2016 11:15
      Highlight Die Natur wird sich früher oder später Erholen oder sich mal wieder neu erfinden. Da mache ich mir keine Gedanken, aber wir vernichten unsere ureigene Lebensgrundlage, da mache ich mir dann doch Gedanken. Wir müssen nicht von der Zerstörung der Natur reden, wir müssen von der Zerstörung von uns selbst reden! Dann wird einigen evtl. klar, dass es doch ernster ist als es sich mal so anhört.
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    • PabloEscobar 17.10.2016 12:30
      Highlight Die einzige Möglichkeit, dass es sogar die dümmsten unter den Menschen verstehen würden wären drastische Strafen für jedes noch so kleine Umweltvergehen. So in der Richtung: Wenn man eine Dose ins Meer wirft, 1 Monat Knast. Nur so würde sich ganz sicher niemand getrauen es zu machen.
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    • deleted_200316475 17.10.2016 13:35
      Highlight @ Pablo Escobar

      Dann könnte aber so gut wie jeder Grosskonzern dicht machen und die Führungsetage in den Knast schicken. Die Weltwirtschaft würde zusammenbrechen und die Schweiz beispielsweise wäre in nullkommanichts bettelarm.

      Mir würde das gefallen, aber ich habe auch eine sehr spezielle Gesinnung. Dir auch?
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