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Astrazeneca-Studie «veraltet und irreführend» – neue Daten sollen bald kommen

23.03.2021, 09:3323.03.2021, 15:24
Astrazenecas neuste Studie ist umstritten
Astrazenecas neuste Studie ist umstritten
Bild: keystone

AstraZeneca droht im Zusammenhang mit seinem Covid-19-Impfstoff neues Ungemach. Nachdem der Pharmakonzern gerade erst positive Wirksamkeitsdaten aus seiner grossen US-Studie mit dem Vakzin veröffentlicht hat, äusserte eine wichtige US-Behörde Bedenken.

Das vom US-Seuchenexperten Anthony Fauci geführte Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) erklärte, die Zusammenfassung der Wirksamkeitsangaben sei womöglich nicht vollständig. Darauf habe ein unabhängiges Gremium zur Überwachung der Studie hingewiesen. Das Unternehmen müsse nun mit dem Gremium zusammenarbeiten und die Daten überprüfen.

«Das ist wahrscheinlich ein sehr guter Impfstoff», sagte Fauci dem US-Sender «ABC News» am Dienstag. Das Kontrollgremium sei aber besorgt, dass die Daten von AstraZeneca «etwas veraltet und tatsächlich etwas irreführend sein könnten.»

Das NIAID hatte erklärt, es müsse sichergestellt werden, so schnell wie möglich den präzisesten und aktuellsten Datensatz zur Wirksamkeit zu erhalten. AstraZeneca kündigte eine sofortige Zusammenarbeit mit dem zuständigen Kontrollgremium an.

Man wolle innerhalb von 48 Stunden eine erste Analyse der jüngsten Daten vorlegen, erklärte das Unternehmen. Die am Montag veröffentlichten Daten stammten aus einer Zwischenanalyse, die die bis zum 17. Februar vorliegenden Daten berücksichtigt habe.

Studie: Kein höheres Thrombose-Risiko

Laut den Ergebnissen aus der US-Studie, die auch Daten aus Chile und Peru umfasst, weist der Impfstoff eine deutlich höhere Wirksamkeit auf als bisher ermittelt und führt nicht zu einem erhöhten Thrombose-Risiko. Demnach bietet das Vakzin eine Wirksamkeit von 79 Prozent bei der Verhinderung von symptomatischen Covid-19-Infektionen und hundertprozentige Wirkung gegen schwerer Krankheitsverläufe und Krankenhauseinweisungen.

«Wenn man es sich ansieht, sind die Daten wirklich ziemlich gut», sagte Fauci. In der Pressemitteilung seien sie aber «nicht ganz akkurat» wiedergegeben worden. Fauci fügte hinzu, das Hin und Her sei «bedauerlich» und verstärke nur die öffentlichen Zweifel an Impfstoffen.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA werde für eine Zulassung des Impfstoffs in den USA alle Daten unabhängig voneinander prüfen und sich nicht auf eine einzige Interpretation stützen, einschliesslich der von AstraZeneca.

Der deutsche Infektiologe Peter Kremsner sprach von einem «aussergewöhnlichen Akt». «Die negativen Berichte über diesen Impfstoff hören nicht auf, wobei meine Einschätzung ist, dass er ordentlich verträglich und sicher ist, aber eben ganz klar schlechter wirksam als die beiden mRNA-Impfstoffe», sagte er mit Blick auf die Covid-19-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna.

Notfallzulassung in USA geplant

AstraZeneca plant, in den kommenden Wochen einen Antrag auf Notfallzulassung für das Vakzin in den USA zu stellen. Das Mittel hat bislang in weltweit mehr als 70 Ländern Zulassungen erhalten. In Deutschland und anderen europäischen Ländern waren die Impfungen mit AstraZeneca in der vergangenen Woche nach Berichten über Fälle von sehr seltenen Blutgerinnseln vorübergehend gestoppt worden.

Inzwischen wurden sie aber wieder aufgenommen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA wie auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprachen sich für ein Festhalten an dem Impfstoff aus.

EMA-Chefin Emer Cooke sagte am Dienstag vor dem Europäischen Parlament, die Behörde werde von AstraZeneca die Daten aus der US-Studie erhalten. «Wir werden unsere Bewertung anpassen, wenn neue Informationen berücksichtigt werden müssen.»

Die EMA hatte dem Impfstoff im Januar eine bedingte Markzulassung erteilt, die auf Studiendaten aus dem Vereinigten Königreich, Brasilien und Südafrika basierte. Demnach zeigte sich eine Wirksamkeit von rund 60 Prozent nach zwei Dosen. Der Covid-19-Impfstoff von Biontech hat Studien zufolge eine Wirksamkeit von 95 Prozent, der von Moderna gut 94 Prozent. Im Januar war es ausserdem zum Streit zwischen der EU-Kommission und dem Unternehmen um die vereinbarten Liefermengen gekommen. (aeg/awp/sda/reu)

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