Die Met-Gala kann man vielleicht kaufen, aber Stil nicht
«Entweder Manhattan oder nöd.» Das sang Bligg in einem seiner grössten Hits. «Manhattan» wird natürlich Züridütsch ausgesprochen, «män hätten oder nöd», und gemeint ist nicht der New Yorker Stadtteil, sondern: Stil.
Von Bligg kann man jetzt halten, was man will, aber mit dem Song hat er Recht. Man kann Stil nicht kaufen. Und es gibt keinen und keine, die das vorzüglicher aufzeigen, als Jeff Bezos und seine Frau Lauren.
Jeff Bezos ist Unternehmensgründer und hat mit Amazon ein Milliarden-Reichtum angehäuft – gemeinsam mit seiner Ex-Frau, muss man immer wieder betonen. Während MacKenzie Scott (ehemals Bezos) als bekannte Philanthropin bis Ende 2025 über 26 Milliarden Dollar an verschiedene Organisationen gespendet hat, gibt es für Ex-Mann Jeff nichts, was er nicht sein Eigen nennen will.
Der (phasenweise) reichste Mensch der Welt besitzt heute nur noch Teile Amazons, dafür haben sich das Raumfahrtunternehmen Blue Origin, die Zeitung «The Washington Post», die 500-Millionen-Dollar-Superjacht «Koru», mehrere Luxusimmobilien und eine Flugzeugflotte hinzugesellt. Er sass bei Trumps Inauguration in der vordersten Reihe und darf jetzt, am Montag, die berühmte Met-Gala, – die «Oscars der Mode» – eine exklusive Benefizgala im Metropolitan Museum of Art in New York, mitausrichten.
Grösster Wunsch: Zur Elite der feinen Kunst gehören
Es ist jedoch, sagen wir mal, spannend, wie reiche Männer das «Haben wollen» nicht mehr loslässt, sobald sie alles haben, was Geld hergibt. Denn irgendwann sind Geld, Autos, Häuser und Jachten nicht mehr genug. Es muss mehr sein, als das, was andere Milliardäre ja auch haben – die Konkurrenz schläft schliesslich nicht und wird immer zahlreicher.
Im völlig von der Realität abgekoppelten Parallel-Universum der Superreichen zählen darum andere Dinge. Für den einen ist es Macht, zum Beispiel in Form eines politischen Amtes, für den anderen ist es das Ziel der Unsterblichkeit, für einen dritten ist es das «Geschenk» an die nächsten Generationen, seinen Genpool in Form von ganz vielen Kindern so umfangreich wie möglich weiterzugeben.
Dabei ist es manchmal fast erbärmlich mit anzuschauen, wie verzweifelt die Männer versuchen, zu kriegen, was sie nicht kriegen können, aber was doch eigentlich ihnen gehören würde. Donald Trump, zum Beispiel, will nicht nur ums Verrecken den Friedensnobelpreis, er will Anerkennung einer intellektuellen Elite, der er nie angehört hat und auch nie angehören wird. Deshalb hasst er die Clooneys oder die Obamas auch so abgrundtief.
Und Jeff Bezos und seine Frau Lauren Sanchez wollen eben zur Elite der feinen Kunst dazugehören.
Das zeigte nicht nur seine Dreimaster-Riesenjacht – bewusst ein «eleganter» Segler, und keine gewöhnliche Motorjacht –, die Jeff in Anlehnung an seine Gattin mit einer, nun ja, gewöhnungsbedürftigen Galionsfigur versah.
Es war vor allem auch die riesige Bezos-Hochzeit in Venedig (so «classy»), die damals viele mehr oder weniger offen als «Kitsch» bezeichneten. Für mehrere zehn Millionen Euro gab es einen Maskenball, die Insel San Giorgio Maggiore als exklusiven Trauungsort und ein Bocelli-Sohn gab einen Elvis-Klassiker zum Besten. Die Braut trug ein von Sophia Loren inspiriertes Kleid von Dolce & Gabbana und wurde von «Vogue» abgelichtet.
Die Bezos bemühten sich sichtlich um die perfekteste, teuerste und stilvollste Hochzeit aller Zeiten. Doch es verrieten sie die Details. Zum Beispiel die kitschige Hochzeitseinladung:
Frau Sanchez-Bezos überraschte zwar für einmal mit einem Kleid ohne riesigen Ausschnitt, doch es blieb nicht unbemerkt, wie unnatürlich schlecht sie sich darin bewegen konnte.
Verschmäht wurden Herr und Frau Bezos auch wegen des grau-melierten Teppichs, auf dem die beiden in die gemeinsame Zukunft liefen. Er erinnerte eher an den Aufenthaltsraum eines längst sanierungsbedürftigen Flughafens aus dem letzten Jahrhundert.
Und nun dürfen die beiden die grosse Pre-Party vor der Met-Gala ausrichten, zudem sind sie in diesem Jahr Ehrenvorsitzende und Hauptsponsoren. Etwas überraschend kam es schon, hatte doch Anna Wintour, Queen des Stils und langjährigste Leiterin der Met-Gala, eine Einladung zur Bezos-Hochzeit damals freundlich abgelehnt. Nun sagte sie aber: «Ich glaube, Lauren wird eine wunderbare Bereicherung für das Museum und die Veranstaltung sein. Wir sind sehr dankbar für ihre unglaubliche Grosszügigkeit. Und sie liebt Kostüme und natürlich Mode. Deshalb freuen wir uns riesig, dass sie Teil dieses Abends ist.»
Es ist kein Geheimnis, dass das Ehepaar Bezos seit Längerem in die höchste Mode-Liga aufsteigen will. Es zeigt sich in den Front-Rows der wichtigsten Modeschauen, wird von «Vogue» abgelichtet und zeigt sich auf Instagram bewusst topgestylt.
Doch es nützt nichts, denn ihnen fehlt, was Stil in Realität wirklich ausmacht: die Mühelosigkeit. Die Bezos' wollen es zu fest, wirken dabei trotzdem immer «irgendwie verkleidet» (so eine Stilexpertin kürzlich in der NZZ).
Die Met-Gala ist ein weiterer Versuch der Bezos', sich mit dem Adel der Mode zu umgeben, in der Hoffnung, dass deren Stil-Aura auf sie abfärben wird. Sie und offenbar sogar Anna Wintour sind ebenso wie Jachten, Macht und der Zugang ins All leider käuflich. Doch die Met-Gala wird für die Bezos nichts ändern können, weil: Entweder män hätten oder nöd.
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