Trump bläst Angriff auf Iran ab – warum er erneut einen Rückzieher hinlegt
Neue Kehrtwende im Iran-Krieg: Donald Trump hat einen neuen Angriff abgesagt, mit dem er das Regime in Teheran zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bewegen wollte. Vier Fragen zu den neusten Entwicklungen.
Was hat Trump entschieden?
Eigentlich war alles schon vorbereitet. Am Dienstag wollte der amerikanische Präsident seine wichtigsten Sicherheitsberater im Situation Room treffen und den Befehl für einen neuen Angriff gegen den Iran geben. Mit dieser neuen Attacke hätte Donald Trump dem Regime in Teheran signalisiert, dass er die Geduld verloren hat.
So jedenfalls erzählte es der amerikanische Präsident am Montag. Doch in letzter Minute intervenierten – angeblich – die arabischen Nachbarn des Irans. Mit Verweis auf «die ernsthaften Verhandlungen», die nun stattfänden, baten Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate um eine Verschiebung der neuen Angriffswelle. Weil eine friedliche Einigung mit dem Iran eine «sehr positive Entwicklung» wäre, willigte Trump ein. Er wolle der Diplomatie in den nächsten «zwei, drei Tagen» noch einmal eine Chance geben, sagte er. Trump verwies auch darauf, dass Chinas Präsident Xi Jinping ihm angeblich zugesichert habe, dass er Teheran keine neuen Waffen liefern werde.
Stimmt diese Geschichte?
Trump hat in den vergangenen Tagen immer wieder angetönt, dass er den Waffenstillstand mit dem Iran – der Anfang April begann – jederzeit beenden könnte. Er sprach darüber, wie unzufrieden er mit den Verhandlungsangeboten Teherans sei und dass er den Druck auf das Regime erhöhen wolle. Und angeblich stand am Dienstag wirklich eine Sitzung mit seinen Sicherheitsberatern im Weissen Haus auf dem Programm. Diplomaten aus dem arabischen Raum allerdings sagten dem «Wall Street Journal», dass sie keine Kenntnisse über eine unmittelbar bevorstehende amerikanische Attacke gegen den Iran hätten.
Wahr ist aber, dass unter Vermittlung von Pakistan immer noch Gespräche über eine friedliche Beilegung des Krieges laufen. An diesen Verhandlungen sind auch die Golfstaaten beteiligt. Die Nachbarn des Irans haben ein grosses Interesse an einer Friedenslösung – auch weil der wirtschaftliche Schaden des Krieges bereits sehr gross ist und bei einer Fortsetzung noch anwachsen könnte.
Wie reagiert der Iran auf die neuste Finte Trumps?
Ein Vertreter des Regimes in Teheran kommentierte die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten mit einer spöttischen Stellungnahme. Trump glaube, dass er mit seinen Manövern die iranische Regierung einschüchtern könne, sagte ein hochrangiger Militärberater. Das Gegenteil aber treffe zu.
In Teheran scheint die Überzeugung zu herrschen, dass Trump aus politischen Gründen kein Interesse an der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen hat. Wenn der amerikanische Präsident Drohungen ausstosse, dann tue er dies nur, damit er in den Augen des heimischen Publikums nicht als Schwächling dastehe. Deshalb befinde sich der Iran in einer besseren Verhandlungsposition als Washington – und müsse keine umfassenden Zugeständnisse machen. Stattdessen verlangt Teheran einen Abzug der amerikanischen Truppen aus den iranischen Nachbarländern und die Bezahlung von Reparationen für die Kriegsschäden.
Wie geht es nun weiter?
Trump sagt, das wichtigste Ziel des Iran-Kriegs sei es, eine iranische Atombombe zu verhindern. In diesem Punkt lasse er nicht mit sich verhandeln. «Deshalb kämpfen wir so hart», sagte der amerikanische Präsident am Dienstag. Teheran wiederum beteuert, kein Interesse am Bau einer Nuklearwaffe zu haben. In der letzten Verhandlungsrunde allerdings sah die iranische Regierung davon ab, auf das bereits angereicherte Uran zu verzichten, das für eine Atomwaffe verwendet werden könnte.
Der zweite Knackpunkt in den Verhandlungen betrifft die Strasse von Hormus. Die für die Weltwirtschaft wichtige Passage ist immer noch blockiert, zum grossen Verdruss von Energieproduzenten und -konsumenten. Daran ändern auch die Drohgebärden des amerikanischen Präsidenten nichts.
Trump wiederum sagt, ihm sei es egal, ob die amerikanische Bevölkerung den Iran-Krieg unterstütze oder nicht. Er habe keine andere Wahl, sagte er am Dienstag erneut. Das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Die Zustimmungswerte für den Präsidenten sind seit Beginn der Kampfhandlungen in Nahost massiv eingebrochen – auch weil er im Wahlkampf 2024 versprochen hatte, keinen neuen Krieg zu starten. (aargauerzeitung.ch)

