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Massie-Niederlage: Trump könnte Partei-Säuberung bald bereuen

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Trump siegt sich zu Tode – er wird die Partei-Säuberung bald bereuen

Der amerikanische Präsident wird den republikanischen Abgeordneten Thomas Massie los, ein harscher Kritiker des Iran-Kriegs. Doch dieser scheint bereits auf die nächste Wahl zu schielen.
20.05.2026, 06:5520.05.2026, 07:05
renzo ruf, washington

Der Rachefeldzug von Donald Trump geht unaufhaltsam weiter. Dem amerikanischen Präsidenten ist es in der Nacht auf Mittwoch gelungen, einen seiner hartnäckigsten innerparteilichen Kritiker in Washington loszuwerden. Der Abgeordnete Thomas Massie verlor die Vorwahl der Republikaner in seinem Heimatstaat Kentucky – die dank rekordverdächtigen Ausgaben von rund 33 Millionen Dollar in die Geschichtsbücher eingehen werden. Im Zweikampf gegen seinen Herausforderer Ed Gallrein, für den Trump aggressiv die Werbetrommel rührte, erzielte Massie nur 45 Prozent der Stimmen.

Rep. Thomas Massie, R-Ky., speaks during an election night watch party after losing the Republican party's nomination at the Marriott Cincinnati Airport, Tuesday, May 19, 2026, in Hebron, Ky. (AP ...
Thomas Massie an seiner Wahl-Party in Hebron (Kentucky). Der republikanische Abgeordnete, 2012 erstmals gewählt, wurde am Dienstag nicht für eine weitere Amtsperiode nominiert.Bild: keystone

Massie hatte sich in den vergangenen Monaten im Repräsentantenhaus als scharfzüngiger und mediengewandter Kritiker des Präsidenten einen Namen gemacht. Im Gegensatz zu seinen republikanischen Parteifreunden attackierte der 55-Jährige die Wirtschafts- und Aussenpolitik Trumps in scharfen Worten – weil Trump mit seiner Schuldenwirtschaft und dem Krieg gegen den Iran vom rechten Weg abgekommen sei und Wahlversprochen gebrochen habe. Auch forderte er eine vollständige Veröffentlichung der Epstein-Akten, gegen den Widerstand der Regierung Trump.

Im Wahlkampf provozierte Massie auch mit antisemitischen Sprüchen. Zuletzt behauptete er, dass sein Kontrahent in erster Linie von jüdischen Gönnern unterstützt worden sei und dass Israel versucht habe, «eine Wahl in Kentucky zu kaufen». Und als er am Dienstagabend vor seinen Anhängern seine Niederlage eingestehen musste, da sagte Massie: Das Telefonat mit seinem Kontrahenten habe länger gedauert als geplant, weil er Gallrein zuerst «in Tel Aviv» habe finden müssen. Dabei wohnt der ehemalige Berufsmilitär im gleichen Wahlbezirk wie Massie.

Nun sind die Massie-Wähler heimatlos

Und obwohl der langjährige Abgeordnete es sorgsam vermied, den Präsidenten persönlich zu attackieren, machte Trump es sich zu seiner Aufgabe, die politische Karriere seines Widersachers zu zerstören. So wie er am vorigen Wochenende auch die Re-Nomination von Senator Bill Cassidy in Lousiana verhindert hatte, einem anderen, sanftmütigeren Widersacher.

Sen. Bill Cassidy, R-La., speaks to supporters during an election night watch party Saturday, May 16, 2026, in Baton Rouge, La. (AP Photo/Gerald Herbert)
Bill Cassidy
Auch Bill Cassidy wurde von Trump abgesägt – prompt stimmte er danach mit den Demokraten.Bild: keystone

Trump wird also in der Nacht auf Mittwoch gejubelt haben, dass Ed Gallrein das Duell gegen Massie gewonnen hat. Aber allzu stark sollte sich der Präsident über seinen Sieg nun nicht freuen. Denn Massie verkörperte einen wichtigen Teil der republikanischen Koalition, die Trump den Weg zurück ins Weisse Haus ermöglicht hatte. Auf diesen Teil ist er eigentlich angewiesen, will er auch künftig in der Hauptstadt durchregieren.

Denn Massie war die Stimme der Rappenspalter und Isolationen, die dem Regierungsapparat in Washington kritisch gegenüberstehen. Auch sprach er viele junge Menschen an, die seine Kritik am Iran-Krieg teilen – auch wenn sie vielleicht die faulen Sprüche, die Massie zuletzt über Israel riss, überhaupt nicht lustig finden.

Nun sind diese Wähler heimatlos, weil Trump in aller Deutlichkeit gesagt hat, dass er ein Aushängeschild wie Massie nicht mehr in seiner Partei sehen will. Einige werden vielleicht, aus Protest, für die Opposition stimmen. Andere werden im November, wenn das ganze Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu bestimmt werden, zu Hause bleiben. Und dort Pläne für die Zeit nach Trump schmieden, wenn der bald 80 Jahre alte Präsident seine Partei vielleicht nicht mehr kontrolliert.

An der Wahl-Party von Massie jedenfalls war die Stimmung überraschend gut. Obwohl der Abgeordnete spätestens Anfang Januar 2027 in den Ruhestand treten muss, jubelten ihm seine Anhänger zu. Massie wiederum sprach von «einer Bewegung» hochmotivierter Aktivisten, die sich im Zuge der Vorwahlen gebildet habe und an deren Spitze er nun stehe. Dann begannen einige Anhänger, den Schlachtruf «2028, 2028» zu rufen.

In zwei Jahren steht in den USA die nächste Präsidentenwahl an. Massie grinste bloss, und sagte, er brauche nun erst einmal einen Drink.

«Wir können dann später darüber reden.»

(aargauerzeitung.ch)

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43 Kommentare
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dega
20.05.2026 08:26registriert Mai 2021
Wenn man bedenkt, wie viele Millionen bzw. eher Milliarden für Wahlkampf verlocht wird da drüben, wird einem anders. Was man mit dem Geld alles tun könnte für die Bevölkerung!

Aber die gierigen, reichen Säcke spenden es lieber für Wahlkampf, als wirklich Leuten zu helfen.
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Eiche
20.05.2026 07:19registriert März 2023
Die Kampagne des Herausforderers war überwiegend von ausserhalb des Gliedstaates finanziert. Es war offenbar die teuerste Vorwahl dieser Art, die es je gegeben hat. Die Herkunft der Gelder ist entscheidend. Es ist nicht Trump, der den unbequemen Massie aus dem Amt drängt. Es sind die Leute, die Trump aufgestellt haben.
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Bullhorn
20.05.2026 07:35registriert November 2025
Die „Maga“-Republikanische Partei wird hoffentlich bei den kommenden Wahlen zerstört werden. Dann hoffentlich die Absetzung von Trump. Nur so kann sich die Partei langfristig wieder „normalisieren“.
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