3 deutsche Lieder, 3 Flops: Das steckt dahinter
Ein regelrechtes Null-Punkte-Fest gab es am diesjährigen Eurovision Song Contest in Wien für deutschsprachige und deutsche Lieder. Die Auftritte aus Deutschland, Österreich und Grossbritannien (dieser ist zumindest in Teilen und im Titel auf Deutsch) nehmen in der Schlussrangliste die abgeschlagenen letzten Plätze ein.
Die jeweilige Lokalpresse weiss auch gleich, woran es gelegen hat:
Deutschland: Rang 23
Einmal mehr hiess es am Samstagabend: Germany – Zero Points! Popstar Sarah Engels konnte zwar die Jury so weit bezaubern, dass ihr insgesamt zwölf Punkte gewährt wurden, beim Publikum stiess ihr Song «Fire» jedoch auf taube Ohren.
Dabei habe sie doch eine sichtbar teure und professionell geplante Show geboten und stabil gesungen, schreibt das Focus-Magazin am Sonntag – und findet trotzdem die Erklärung für den Flop. So sei «Fire» der Inbegriff des zeitgenössisch allemannischen ESC-Denkens: nicht zu schräg, nicht zu riskant, nicht zu peinlich. Der Song habe einen warm in den Abend hineingespült und sei genauso schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwunden.
Man dürfe allerdings auch nicht ausser Acht lassen, dass Deutschland mit Position zwei den «denkbar schlechtesten Startplatz» des Abends hatte – dieser gelte unter Fans als «Death Slot», weil bis zum Voting noch viel Zeit verginge, in der spektakulärere Auftritte kommen könnten.
Nichtsdestotrotz ist das Fazit des Focus: «Fire» sei nicht gescheitert, weil Europa Deutschland nicht möge, sondern weil der Song niemanden berührte.
Österreich: Rang 24
Ähnlich klingt es aus dem Gastgeberland Österreich. Cosmós «Tanzschein» konnte zwar dem Publikum stolze fünf Punkte entlocken, die Jury steuerte zum Endergebnis jedoch genau einen Punkt bei.
Schon vor dem grossen Finale hätte Cosmó zu kämpfen gehabt, schreibt das weekend-Magazin, und zwar nicht nur mit dem «klassischen Gastgeber-Malus». So hätten die Buchmacher «Tanzschein» schon früh auf den letzten Platz vorausgesagt. Und tatsächlich – gerade einmal für Platz 24 reichte es schlussendlich.
Die Raison: Während die Gewinnerin aus Bulgarien mit einem klaren Konzept und starken Botschaften auffiel, sei «Tanzschein» vergleichsweise blass geblieben. Cosmós Performance habe im Halbfinal in der kleineren Halle gut funktioniert, im Wettbewerb um die Punkte sei das Konzept dann nicht mehr aufgegangen.
UK: Rang 25
Abgeschlagen, und zwar wirklich abgeschlagen, findet sich der britische Synth-Pop-Banger «Eins, Zwei, Drei» von Look Mum No Computer, bürgerlich Sam Battle. Lediglich die ukrainische Jury konnte sich um einen einzigen Punkt erbarmen. Der Rest Europas schien derart abgeturnt von LMNCs durchaus speziellem Auftritt, dass es bis zum bitteren Ende bei diesem einen Punkt blieb.
Woran hat et jelegen? Die BBC hat eine ausgedehnte Analyse parat. Zunächst sei Battles Performance ein frischer Wind für den britischen ESC-Spirit; man sei in den letzten Jahren mit «zu sicheren Songs» angetreten. Dies könne man vom diesjährigen Auftritt sicherlich nicht sagen:
Man habe etwas gewagt, und es habe nun einmal nicht funktioniert. Doch das sei nicht alles: Im Vereinigten Königreich gebe es ein Stigma, dass der ESC ein vergifteter Kelch für eine Musikerkarriere sei. Kein etablierter Künstler getraue sich noch, am Wettbewerb teilzunehmen, aus Angst vor den negativen Rezensionen.
Daher setzt die BBC, die als öffentliche Rundfunkbehörde zuständig für das nationale Auswahlverfahren ist, seit längerem auf weniger etablierte Künstler, die keine (grössere) Plattenfirma hinter sich haben. Und eben darum gibt es dann Auftritte wie den von Look Mum No Computer.
