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Interview

Buckelwal Timmy ist tot: Tierschützer rechnet gnadenlos mit Helfern ab

Buckelwal Timmy wurde von der Ostsee in die Nordsee verfrachtet.
Buckelwal Timmy wurde vor wenigen Wochen abtransportiert – nun hat es seinen Kadaver an die Küste Dänemarks gespült. bild: keystone/watson
Interview

«Absolut widerwärtig»: Tierschützer rechnet nach Tod von Timmy mit Helfern ab

Peter V. Kunz ist Präsident des Schweizer Tierschutzes und hat mit Timmy gelitten. Nach dessen Tod spart er nicht mit Kritik und sagt, wie sich Einzelpersonen für Meeressäuger einsetzen können.
16.05.2026, 17:3516.05.2026, 17:35

Herr Kunz, der Verdacht hat sich bestätigt, der tote Wal vor der dänischen Küste ist Timmy. Sind Sie erleichtert, dass die Wal-Saga endet?
Ich bin in erster Linie froh für das Tier, dessen Leiden nun ein Ende hat. Am Ende war es grösser als nötig. Wegen des grossen Hypes und der daraus resultierenden Rettungsaktion, die keine war. Timmys Geschichte ist leider das beste Beispiel dafür, dass das Gegenteil von gut, gut gemeint ist.

Es wäre besser gewesen, der Natur ihren Lauf zu lassen. Richtig?
Absolut. Alle Personen mit wirklicher Sachkenntnis, Meeresbiologen und Walforscher, haben schon vor Wochen geraten, diesen Buckelwal in Frieden sterben zu lassen. Die vermeintliche Rettung mit dem Transport in die Nordsee hatte mit Tierschutz absolut nichts am Hut. Bei den Teilnehmern dieser Aktion ging es um Geld und Eigeninteressen, um Selbstinszenierung auf Kosten eines sterbenden Tieres. Wenn Sie mich fragen, wie ich das finde: Es ist absolut widerwärtig.

Zur Person
Eigentlich war Peter V. Kunz Wirtschaftsjurist. Dann aber kam es zur Scheidung von seiner Frau – und zum Streit um die drei gemeinsamen Katzen. Seitdem hat Kunz seine juristische Expertise um das Tierrecht erweitert. 2023 hat er das 800 Seiten dicke Standardwerk «Tierrecht in der Schweiz» vorgelegt. Seit März 2025 ist er zudem Präsident des Schweizer Tierschutz STS. Weiterhin ist er geschäftsführender Direktor am Institut für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern, wo er seit 2005 ordentlicher Professor ist. Seine Ex-Frau hat Kunz in der Zwischenzeit erneut geheiratet. (her)
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Bild: zvg

Hätte es lautere Proteste von Tierschützern und Wissenschaftlern gegen den Umgang mit dem Buckelwal gebraucht?
Es gab Warnrufe. Die sind aber in der Emotionalität rund um Timmy schlicht untergegangen. Da haben auch die Medien einen Anteil daran. Ihr Interesse war es, diese Geschichte am Laufen zu halten, weshalb sie den Fokus auch auf suspekte Rettungsorganisationen und Influencer richteten. Ich halte die Arbeit der Medien grundsätzlich für wichtig – aber hier müssen sie ihre Berichterstattung hinterfragen.

Das Interesse am Thema war enorm. Warum hat diese Geschichte so bewegt?
Timmy ist kein Einzelfall. Den Hype um Tiere gibt es immer wieder, in der Schweiz wie im Ausland. Denken Sie an das Eisbärbaby Knut. Die Emotionen bei Tieren sind immer dann gross, wenn sie herzig sind oder Probleme haben. Und wenn sie dann noch einen Namen haben, kommt es schnell zu einer Vermenschlichung. Das schafft noch mehr Nähe. Zu Nutz- und Wildtieren haben wir ansonsten kaum einen Bezug.

Ist Vermenschlichung von Tieren per se schlecht? Ihre Katzen haben auch Namen.
Nein, aber Vermenschlichung ist heimtückisch. Wenn ein Tier zum Menschen wird, kann man ignorieren, dass es in Wahrheit andere Bedürfnisse hat. Das hat sich bei Timmy gezeigt. Darum finde ich es auch fragwürdig, wenn Zoos ihren Tieren einen Namen geben.

Hier schwimmt Timmy in den Frachter

Video: watson

Was sagt Timmys Geschichte über uns Menschen aus?
Dass Menschen wankelmütig sind. In wenigen Wochen mag sich niemand mehr an Timmy erinnern. Eigentlich weist die Geschichte darauf hin, dass es besseren Schutz für Wale braucht. Ich bezweifle aber, dass das Wohl von Walen und anderen Tieren in der breiten Bevölkerung nun eine grössere Rolle spielen wird.

Was kann eine Einzelperson machen, die sich wider Ihre Prognose für Wale einsetzen will?
Sich generell für Tierwohl einzusetzen – das kommt allen Tieren zugute. Im Kleinen hilft es schon, kein Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen. In Bezug auf Wale hilft politisches Engagement gegen bestimmte Fischereitechniken und die Praktiken gewisser Walfangnationen. Und wenn das nächste Mal ein Wal strandet, soll man das akzeptieren. Meistens sind gestrandete Wale kaum zu retten.

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