Zürich
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mutmasslicher Mörder war in der Zelle in Pöschwies fleissig auf Facebook



Blick in die Zelle eines Haeftlings im Haus Laegern, wo Verwahrte untergebracht sind in der Strafanstalt Poeschwies in Regensdorf am Freitag, 28. Juli 2006.  (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Bild: KEYSTONE

Der viertägige Prozess am Bezirksgericht Zürich um eine tödliche Männerfeindschaft hat mit zusätzlichen Beweisanträgen begonnen. Der amtliche Verteidiger des knapp 36-jährigen Hauptbeschuldigten brachte einen alternativen Todesschützen ins Spiel. Zudem wurde bekannt, dass der mutmassliche Mörder im Gefängnis fleissig auf Facebook war.

Der Schweizer befindet sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug. Beim Prozess zeigte sich, dass er offenbar in seiner Gefängniszelle mit seinem Handy ein Video aufnahm und auf Facebook postete.

Er singe und tanze darauf zu einem Rap-Song, in dem Gewalt verherrlicht werde. Zudem habe er Bekannten Neujahrsgrüsse geschickt, sagte einer der Vertreter der Privatkläger.

Damit zeige er, dass er nach wie vor nicht gewillt sei, sich an Regeln zu halten. In der Strafanstalt Pöschwies, wo der Besitz von elektronischen Aufnahmegräten verboten ist, sei eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet worden. Der Anwalt verlangte einen aktuellen Führungsbericht über den Mann.

Reihenweise Beweisanträge

Der Hauptbeschuldigte war mit zwei Verteidigern erschienen, einem amtlichen und einem erbetenen. Der amtliche Verteidiger disqualifizierte die Ermittlungen als «oberflächlich und streckenweise schludrig» – verantwortlich sei allerdings nicht der aktuelle Staatsanwalt, vor ihm sei ein anderer zuständig gewesen. Dieser sei «anscheinend überfordert gewesen mit diesem Fall».

Er stellte deshalb eine ganze Reihe von ergänzenden Beweisanträgen. So sei der Tatablauf dreidimensional zu rekonstruieren. Es sei nämlich gar nicht erwiesen, dass sein Mandant den tödlichen Schuss auf seinen davonrennenden Kontrahenten abgegeben habe.

Möglich sei auch, dass einer von dessen Kumpels im Rennen unabsichtlich den Schuss ausgelöst habe. Es sei unabdingbar, dass das Gericht «dafür sorgt, dass dieser Sachverhalt untersucht wird». Weiter sei das psychiatrische Gutachten zurückzuweisen und ein neues zu erstellen, da der Psychiater voreingenommen gewesen sei.

Der Verteidiger beantragte zudem, mit einem konkreten Versuch die Auswirkungen von Pfefferspray auf den Beschuldigten zu testen und wissenschaftlich auszuwerten – die beiden Gruppen hatten sich damals gegenseitig mit Pfefferspray besprüht.

Es könne gut sein, dass der Mann gar nicht mehr in der Lage gewesen sei, gezielte Schüsse abzugeben. Und schliesslich seien weitere Zeugen zu befragen, insbesondere die Kumpels des Getöteten. Nur so könne sich das Gericht ein Bild von deren Glaubwürdigkeit machen.

«Faires, würdiges Verfahren»

Der erbetene Verteidiger unterstützte die Anträge seines Kollegen. «Es geht um ein faires, ausgewogenes, würdiges Verfahren», auf das jeder Beschuldigte Anrecht habe, sagte er. Eine Ablehnung würde das Menschenrecht auf ein faires Verfahren verletzen.

Am Nachmittag wird das Gericht bekanntgeben, wie es mit den Anträgen verfahren will. Sollte es ihnen stattgeben, würde die auf vier Tage angelegte Hauptverhandlung unterbrochen und erst wieder aufgenommen, wenn die offenen Fragen beantwortet wären.

Lehnt es sie ab, folgen die Befragungen der drei Beschuldigten. Neben dem 36-Jährigen sind dies ein 25-jähriger Türke und ein 35-jähriger Tschetschene. Ihnen wird Gehilfenschaft vorgeworfen.

Abrechnung in Zürich-Affoltern

Zur Tat gekommen war es am frühen Morgen des 1. März 2015 in Zürich-Affoltern. Die drei Beschuldigten trafen damals mit dem späteren Opfer und drei seiner Kollegen zusammen, um die jahrelange Feindschaft zwischen den beiden Hauptpersonen zu klären.

Nach einem Handgemenge soll der heute 25-jährige Türke in die Luft geschossen haben, die Gegner rannten davon. Laut Ankläger soll der Hauptbeschuldigte daraufhin die Waffe an sich genommen und gezielt auf seinen Kontrahenten geschossen haben. Dieser wurde tödlich in den Rücken getroffen. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Ein Tag im Gefängnis

Zu viele Häftlinge. Gefängnisse in der Westschweiz überfüllt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Booker 16.01.2020 22:34
    Highlight Highlight In einer Gefängniszelle haben weder ein handy noch Internet oder Computer etwas zu suchen. Im besten Falle einige Bücher.
  • RaggeteGlace 16.01.2020 22:10
    Highlight Highlight Das ist aber nicht normal, oder? Eine Zelle mit Kuehlschrank?
  • MartinZH 15.01.2020 19:47
    Highlight Highlight Frau Fehr, handeln! Ihre Person ist jetzt gefragt.
    • atorator 15.01.2020 20:38
      Highlight Highlight Was soll eine Politikerin in einem laufenden Gerichtsverfahren tun? Eimgreifen und die Gewaltenteilung ignorieren?
    • MartinZH 15.01.2020 21:44
      Highlight Highlight @atorator: Es geht nicht um den Prozess, sondern um die Zustände in den Haftanstalten (JVA) des Kantons Zürich! Eine Sauerei ist das!
  • Bulwark 15.01.2020 19:15
    Highlight Highlight Achön zu sehen, wie der Täter hier unerwähnt bleibt.Bei euren "Kollegen" auf Blick sieht und liest sich das ganz anders.
  • Kanischti 15.01.2020 16:35
    Highlight Highlight Und ich war immer der Überzeugung ein amtlicher Verteidiger erhält nur, wer sich einen "selbstgewählten" Verteidiger nicht leisten kann.
    Aber klar, wir haben schliesslich genug Steuern bezahlt. Da gönnen wir ihm doch obendrauf noch einen amtlichen Beistand.

    Und die Sache mit dem Handy in der Zelle: Das ist bestimmt nur ein Einzelfall. Kommt äusserst selten vor. Wird immer sehr streng kontrolliert. Keine Chance ein Handy da rein zu schmuggeln.

    Jetzt ist mir schlecht
  • kettcar #lina4weindoch 15.01.2020 16:21
    Highlight Highlight Waffen sind doch was tolles. Die zwei hatten Streit, jetzt ist einer tot und der andere hat sicher auch ein life-improvement mit seinem Knastaufenthalt. Fast wie Krieg: die leader erklären sich den Krieg, das Volk bringt sich gegenseitig eine Zeit lang um, bis beide Parteien genug haben, dann setzt man sich hin und schließt Frieden oder zumindest Waffenstillstand. Wieder: win-win
  • ruvos 15.01.2020 15:40
    Highlight Highlight Kuscheljustiz und eine verfehlte migratinonspolitik😕
    • Fisherman 15.01.2020 21:13
      Highlight Highlight Was immer "migratinonspolitik" ist?
  • Hoci 15.01.2020 14:20
    Highlight Highlight Ja ja typische Konfliklösung (=Ironie) für Jungs aus diesen Ländern. Albaner, Tschetschene und gewalttätiger Türke. Und ein ev. Rassistischer, gewaltprotziger Schweizer. So tönt es für mich. Geniale Mischung.
    • Hakuna!Matata 15.01.2020 21:37
      Highlight Highlight Und all das kennen, brauchen und wollen wir in der Schweiz NICHT!

Kantonspolizei Zürich testete neue Blitzkästen – mit interessantem Design 🤔

Im Kanton Zürich wurden in den letzten zwei Wochen neue Blitzkästen getestet. Wie die Kantonspolizei Zürich auf Anfrage bestätigt, wurden diese «an bekannten Raserstrecken im Kanton» aufgestellt.

Verschiedene User haben watson Bilder von den neuen Geräten gesendet. Grund dürfte das kuriose Aussehen der Blitzkästen sein. Ihr Erscheinungsbild ähnelt dem eines Stromkastens sehr.

Die gut getarnten Blitzkästen haben einen sehr spezifischen Einsatzbereich, wie Stefan Oberlin von der Kantonspolizei …

Artikel lesen
Link zum Artikel