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epa09107537 German Chancellor Angela Merkel speaks during a press conference at the chancellery in Berlin, Germany, 30 March 2021. German Chancellor Angela Merkel and German Health Minister Jens Spahn informed on the further use of the vaccine AstraZeneca, following a meeting of heads of regional states with the Chancellor. German Government's Standing Vaccination Commission SITKO recommends using the Astrazeneca coronavirus only for people aged 60 and over.  EPA/CLEMENS BILAN / POOL

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel begründet ihren Entscheid an einer Pressekonferenz. Bild: keystone

Deutschland stoppt Astrazeneca-Impfung schon wieder – was du dazu wissen musst

In Deutschland soll der Astrazeneca-Impfstoff nur noch Menschen über 60 verabreicht werden. Dies, nachdem er lange nur für Menschen unter 65 verfügbar war. Was ist da los?



Was ist passiert?

Bei den Corona-Impfungen in Deutschland kommt eine neue vorsorgliche Altersbeschränkung für das Mittel von Astrazeneca. Das Präparat soll ab diesem Mittwoch in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden, wie die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Dienstagabend beschlossen.

Unter 60-Jährige sollen sich «nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung» weiterhin damit impfen lassen können.

Wie kam es zu diesem Entscheid?

Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen. Viele Betroffene hatten zusätzlich einen Mangel an Blutplättchen, eine sogenannte Thrombozytopenie. Erst Mitte März waren Astrazeneca-Impfungen nach einer mehrtägigen Impfpause und neuen Überprüfungen wieder angelaufen. Zu der ersten Impfpause kam es, weil sieben Fälle von Blutgerinnseln bekannt wurden.

Inzwischen ist die Zahl auf 31 Fälle angestiegen, neun Betroffene starben. Zu viel für die Gesundheitsminister, die nun die Reissleine zogen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rechtfertigte die Entscheidung mit Blick auf das Vertrauen in die Corona-Impfungen, räumte aber auch eine Verunsicherung ein. «Vertrauen entsteht aus dem Wissen, dass jedem Verdacht, jedem Einzelfall nachgegangen wird», sagte sie nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder. Die Alternative sei gewesen, etwas unter den Teppich zu kehren oder die Fälle ernst zu nehmen. Unter allen Abwägungen sei dies daher der Weg, der noch zu «möglichst bestem Vertrauen» führe, sagte Merkel. «Wenngleich ich die Verunsicherung nicht wegreden kann.»

Wieso der Umschwung von den Jungen zu den Alten?

In der EU war der Astrazeneca-Impfstoff anfangs nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zugelassen. Grund dafür war, dass Daten zur Wirksamkeit für die Altersgruppe ab 65 fehlten. Also wurde der Impfstoff vor allem an medizinisches Personal verimpft. Mittlerweile hat sich das Vakzin aber auch für die ältere Altersgruppe als wirksam erwiesen.

Die neue Altersbeschränkung von 60 Jahren rührt daher, dass vor allem jüngere Frauen von den Sinusvenenthrombosen betroffen sind. Von den 31 Fällen betreffen 29 Frauen, wie das deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) dem Spiegel mitteilte. Diese seien zwischen 20 und 63 Jahre alt. Die beiden Männer 36 und 57.

Wie viele Menschen sind tatsächlich von diesen Blutgerinseln betroffen?

In Deutschland wurden bisher knapp 2,7 Millionen Dosen des Impfstoffes verabreicht. Laut Rechnungen des «Spiegels» gingen zwei Drittel davon an Frauen unter 70 Jahren, Frauen unter 60 stellen 58 Prozent. Grund für die hohe Frauenquote dürfte sein, dass das Vakzin vor allem an Personen aus Pflegeberufen verabreicht wurde.

Von den ungefähr 1,78 Millionen Frauen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, entwickelten 29 Sinusvenentrombosen. Das entspricht einem Fall auf 61'400 geimpfte Frauen.

Bei den Männern bedeuten die zwei Fälle der rund 864'000 Geimpften ein Risiko von eins zu 432'000.

Ob die Impfung in jedem Fall für die Blutgerinnsel verantwortlich ist, ist nicht bestätigt. Und selbst wenn, wäre das Risiko für den Einzelnen immer noch gering. Trotzdem hat sich Deutschland entschieden, vorerst mit der Verabreichung von Astrazeneca aufzuhören.

Werden die Schweiz und andere Länder nachziehen?

Das ist noch nicht bekannt. Die Schweiz hat den Impfstoff noch immer nicht zugelassen. Im Interview mit watson begründet dies Raimund Bruhin, Direktor der Arzneimittelbehörde Swissmedic, mit «fehlenden belastbaren Daten» aus den klinischen Zulassungsstudien.

Auch Reaktionen aus anderen Ländern blieben bis jetzt aus. Mitte März stoppten über 20 Länder die Verimpfung des Vakzins. Es ist deshalb zu erwarten, dass weitere Länder die Impfung stoppen werden.

Mit Material der SDA

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quelle: keystone / georgios kefalas
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