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Witiker Scheune: Nach 4 Jahren Rechtsstreit wird die Solaranlage gebaut

Vier Jahre musste Scheunenbesitzer Burkhard mit dem Zürcher Heimatschutz vor Gericht streiten. Jetzt darf er die geplante Indach-PV-Anlage endlich bauen.
Vier Jahre musste Scheunenbesitzer Burkhard mit dem Zürcher Heimatschutz vor Gericht streiten. Jetzt darf er die geplante Indach-PV-Anlage endlich bauen.Bild: watson.ch

Nach 4 Jahren Rechtsstreit: PV-Anlage auf Witiker Scheune darf gebaut werden

14.05.2026, 12:2614.05.2026, 13:26

Der Zürcher Heimatschutz verzichtet darauf, weiter gegen die baurechtliche Genehmigung einer Solaranlage auf einer Scheune in Witikon zu rekurrieren. Dies, nachdem das Zürcher Baurekursgericht nach einer Sichtung vor Ort im November 2025 die letzte Einsprache abgelehnt hatte. Vier Jahre nach der Bewilligung des ersten Baugesuchs dürfen die Initianten damit die Indach-PV-Anlage bauen.

«Ich kann es noch gar nicht fassen», sagt Schreiner Burkhard, der die Scheune mit seiner Frau vor ein paar Jahren erstand. «Das waren vier mühsame Jahre, welche die Kosten des Projekts deutlich in die Höhe trieben.»

Burkhards Altbau steht am Rand des alten Dorfkerns von Witikon ZH – nicht mehr in der Kernzone, dafür aber in einer Freihaltezone. Zusammen mit anderen Gebäuden wird die Scheune im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) unter dem höchsten Erhaltungsziel «A» geführt. Dies war für den Zürcher Heimatschutz der Stein des Anstosses. Deshalb rekurrierte die Organisation.

Witikon, unterteilt in verschiedenen Bereiche nach ISOS. Solche Karten existieren von jeder Ortschaft der Schweiz, inklusive detailliertem Beschreib. Eine derart flächendeckende Bestandsaufnahme gibt  ...
Burkhards Scheune im ISOS.Bild: ISOS

Um der Erhaltung des Ortsbildes gerecht zu werden, hatten sich die Besitzer zuvor an die Denkmalpflege gewandt. Zusammen mit den Behörden hatten sie eine möglichst diskrete und rückbaufähige Lösung erarbeitet, für die sie von der Stadt am zweiten November 2022 die baurechtliche Bewilligung erhielten. Dagegen reichte der Zürcher Heimatschutz Rekurs ein – watson berichtete ausführlich. Der Fall erregte grosses Aufsehen.

Damit begann ein juristisches Hickhack, das sich vier Jahre hinzog. Dreimal erhielt Burkhard die Baubewilligung, dreimal legte der Zürcher Heimatschutz Rekurs ein, wovon zwei teilweise gutgeheissen wurden. Der Widerstand des Zürcher Heimatschutzes gegen die Anlage brach erst, als ein Team des Gerichts die Lage vor Ort begutachtete – und den dritten Rekurs abwies.

Wie der Zürcher Heimatschutz in einer Pressemitteilung schreibt, verzichtet die Organisation darauf, den Fall ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen: «Der Zürcher und der Stadtzürcher Heimatschutz (ZVH und SZH) sind zwar der Überzeugung, dass die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission die Beeinträchtigung der geschützten Scheune sowie des geschützten Ortsbildes hätte beurteilen müssen. Das sah das Zürcher Baurekursgericht jedoch anders, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit der Einhaltung hoher Gestaltungsanforderungen. Darauf vertrauend, verzichten ZVH und SZH auf weitere rechtliche Schritte.»

In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege entstand Burkhards PV-Projekt. «Es waren sicher 700 Mails», sagt dieser, «und 30, 40, 50 Sitzungen … ich weiss es nicht mehr».
In Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege entstand Burkhards PV-Projekt. «Es waren sicher 700 Mails», sagt dieser, «und 30, 40, 50 Sitzungen … ich weiss es nicht mehr».Bild: watson.ch

Die Gerichtskosten von 5800 Franken muss der Zürcher Heimatschutz übernehmen. Eine Entschädigung erhält Schreiner Burkhard mit Elektro-Firmenfahrzeug nicht – obwohl ihn die juristischen Ehrenrunden viel Geld kosteten: «Je nachdem, wie man es rechnet … ohne den entgangenen Erlös für den Strom dürften mich die Einsprachen in der Region von 24'000 Franken gekostet haben.»

Hat es sich trotzdem gelohnt? «Ja. Sehr sogar», sagt Burkhard. «Wenn ich die Anlage nicht hätte bauen können, hätte ich die Welt nicht mehr verstanden … und in Bern reden sie über neue AKWs … doch, doch. Es hat sich sehr gelohnt. Es bleibt ja auch ein wenig das Gefühl, dass ich denen gezeigt habe, wo der Bartli den Most holt – und dass sich mein Durchhaltewille ausgezahlt hat. Ich denke, damit haben sie nicht gerechnet.»

Man kann es durchs Telefon spüren. Burkhard und der Heimatschutz werden keine Freunde mehr: «Die Wut ist noch immer gross. Sie war die ganzen Jahre gross. Schoggitaler werde ich keine mehr kaufen – und ich werde auch dafür sorgen, dass meine Kinder keine verkaufen.»

Die Präsidentin des Stadtzürcher Heimatschutzes, Evelyne Noth, bedauert, dass es nicht zum geforderten Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission kommt: «Die Gerichte haben das in einer Reihe von anderen Fällen verlangt. Solaranlagen in ISOS-A-Gebieten sowie in Kernzonen sind nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Es bedarf aber einer klaren Konkretisierung der jeweiligen Schutzziele und einer fachgerechten Beurteilung des Ausmasses allfälliger Beeinträchtigungen. Sind diese geringfügig, haben wir nichts gegen PV-Anlagen in diesen Perimetern einzuwenden.»

Burkhards Arbeit geht nun weiter. Für die verschiedenen Arbeiten und Installationen der 233 Quadratmeter grossen Anlage muss er neue Offerten einholen. Die alten sind verjährt. Sonst hat sich am Projekt nichts geändert: Es ist dasselbe, das er mit der Denkmalpflege vor Jahren ausgearbeitet hatte.

Wenigstens in einem Punkt hat der Vater zweier Kinder Glück. Die Preise für Solarpanels sind nach einem leichten Anstieg von 2020 bis 2022 wieder gesunken. «Ich denke, wir werden im September mit dem Bau beginnen. Dann sind die Falken und Mauersegler weg», sagt Burkhard, der selbst die Nistplätze für die Tiere unter dem Dach installierte. Hoch oben, wo nur die Sonne und kein Rechtsstreit die Gemüter erhitzt.

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155 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Freiheit und Toleranz
14.05.2026 12:34registriert Oktober 2018
Vernunft hat gesiegt.
Beschämend das dies 4 Jahre gedauert hat.
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Andi Weibel
14.05.2026 12:37registriert März 2018
Die ultra-konservative Haltung des Heimatschutzes ist in keinster Weise nachvollziehbar. Warum soll eine Solaranlage auf einem Dach das Ortsbild beeinträchtigen? Das ist pure Ideologie, bei der es bloss um die Verhinderung von sinnvollen Lösungen für die Energiesicherheit und gegen die Klimakrise geht.
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future--?
14.05.2026 12:40registriert November 2023
Unfassbar so etwas. Die Prioritäten sind einfach so rückständig und verkehrt.
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