DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Polizei reagiert mit Tränengas auf Proteste gegen die Regierung im Libanon.
Die Polizei reagiert mit Tränengas auf Proteste gegen die Regierung im Libanon.
Bild: AP

Erneute Proteste im Libanon - Premier sucht nach rascher Lösung

19.10.2019, 22:5310.08.2020, 11:59

Nach den schweren Protesten im Libanon mit brennenden Barrikaden und Strassenblockaden sind wegen der wirtschaftlichen Krise erneut tausende Menschen in der Hauptstadt Beirut auf die Strasse gegangen. Die Demonstranten versammelten sich am Samstag mit Landesflaggen am Regierungspalast und riefen «Revolution, Revolution».

Polizei und Militär waren dort aus Sorge vor möglichen Ausschreitungen verstärkt im Einsatz. Mehrere Strassen wurden gesperrt. Auch im Süden des Landes kam es teilweise zu Demonstrationen.

Skandieren Anti-Regierungs-Sprechchöre: Die Demonstranten in Beirut.
Skandieren Anti-Regierungs-Sprechchöre: Die Demonstranten in Beirut.
Bild: EPA

Die Proteste richten sich gegen die politische Führung, der Kritiker Verschwendung öffentlicher Gelder und Korruption vorwerfen. Sie hatten am Donnerstag begonnen und zur Schliessung von Schulen und Geschäften geführt.

Teils schlugen Randalierer dabei Schaufenster ein. Für grossen Unmut sorgte die Regierungsankündigung, künftig eine tägliche Gebühr von 0,20 Dollar auf die Nutzung von Kommunikationsdiensten wie WhatsApp zum Telefonieren zu erheben.

Premierminister Saad Hariri versuchte in Treffen mit Vertretern verschiedener Parteien, rasch einen Weg aus der Krise zu finden, wie die Nachrichtenagentur DPA aus Regierungskreisen erfuhr. Am Freitag hatte er bereits Besserungen versprochen und seinen politischen Partnern 72 Stunden Zeit gegeben, nach Lösungen zu suchen. Einige Demonstranten forderten am Samstag vorgezogene Parlamentswahlen.

Eine Demonstrantin hat sich das Gesicht in den Farben der Libanon-Fahne angemalt.
Eine Demonstrantin hat sich das Gesicht in den Farben der Libanon-Fahne angemalt.
Bild: EPA

Mehrheit der Libanesen verschuldet

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warnte, dass ein Regierungswechsel die Krise nicht lösen werde. «Hört auf, in die Taschen der Armen zu greifen», sagte er im Fernsehen. Die Hisbollah, die mehrere Minister in der Regierung stellt, werde keine neuen Steuern zulassen.

«Wir haben sie zuvor mit kleinen Protesten gewarnt, aber jetzt ist die Mehrheit der Libanesen genervt, vielleicht sind es sogar alle. Wir sind alle verschuldet», sagte eine Demonstrantin. Aktivist Ammar Abud sagte, die Bevölkerung habe erkannt, dass Proteste ihr einziges Mittel sei, um die Dinge zu ändern. «Wir bleiben hier, bis es Veränderungen gibt», sagte ein weiterer Demonstrant.

Proteste vor dem Regierungspalast in Beirut.
Proteste vor dem Regierungspalast in Beirut.
Bild: EPA

Amnesty kritisiert übermässige Gewalt

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte, dass Sicherheitskräfte mit übermässiger Gewalt vorgegangen seien, um «einen überwältigend friedlichen Protest» zu beenden. Die Polizei habe grosse Mengen Tränengas eingesetzt und Protestler mit gezogenen Waffen in Gassen gejagt und auch geschlagen, teilte Amnesty mit.

Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, alle am Freitag in Beirut festgenommenen Demonstranten seien wieder auf freiem Fuss. Aktivisten zufolge waren dort etwa 40 Menschen festgenommen worden.

Das kleine Land mit 6,8 Millionen Einwohnern kämpft mit einer Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Staatsverschuldung liegt bei 86 Milliarden US-Dollar, was einer Quote von etwa 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Es ist eine der höchsten Schuldenquoten weltweit. (dac/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Humans of Syria – Sieben Schicksale von syrischen Flüchtlingen im Libanon.

1 / 9
Humans of Syria – Sieben Schicksale von syrischen Flüchtlingen im Libanon.
quelle: watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Armenviertel im Libanon wird angemalt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Schwert eines Kreuzritters von Taucher in Israel gefunden

Ein israelischer Hobbytaucher hat im Mittelmeer ein 900 Jahre altes Kreuzritterschwert entdeckt.

Das Schwert mit seiner einen Meter langen Klinge und einem 30 Zentimeter langen Griff habe auf dem Meeresgrund vor der Küste südlich von Haifa gelegen, teilte die Israelische Altertumsbehörde am Montag mit.

«Das Schwert, das in perfektem Zustand erhalten ist, ist ein schöner und seltener Fund und gehörte offensichtlich einem Kreuzritter», sagte Nir Distelfeld von der Altertumsbehörde laut einer …

Artikel lesen
Link zum Artikel