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Wie der Bundesrat 300 Megawatt auftreiben will

Der Bundesrat will bis Februar eine Leistungsreserve von 300 Megawatt abbauen. Jetzt verspricht die erste Organisation 150 Megawatt. Und zwar zeitgerecht.
28.08.2022, 17:53
Florence Vuichard / ch media
Zwei Container-Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von je 1 Megawatt auf dem Dach des Glattzentrums in Zürich.
Zwei Container-Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von je 1 Megawatt auf dem Dach des Glattzentrums in Zürich.bild: zvg

Dringend gesucht sind 300 Megawatt. So viel zusätzliche Leistung wollen Energieministerin Simonetta Sommaruga und ihr für die Landesversorgung zuständiger Bundesratskollege Guy Parmelin möglichst schnell auftreiben, um die Schweiz im anstehenden Winter vor dem Blackout zu bewahren. Und zwar in Form von Gas- und Ölkraftwerken.

Nun erhalten die beiden ein alternatives Angebot, wenigstens für die Hälfte der gesuchten Produktionskapazitäten: Der Energieverband Powerloop kann nach eigenen Angaben 150 Megawatt Reserveleistung bereitstellen, wie Geschäftsführer Kurt Lanz auf Anfrage festhält. Der Powerloop-Plan sieht wie folgt aus: Der Verband kann rund 75 Blockheizkraftwerke mit einer durchschnittlichen Kapazität von etwa zwei Megawatt «auftreiben» und diese bis Februar 2023 installieren. Dabei handelt es sich um gebrauchte Anlagen oder um Mietanlagen, wie Lanz präzisiert. «Wir können liefern, und zwar jetzt.»

Der Verband drängt den Bund zu einer schnellen Entscheidung. Die Anlagen müssten «rasch» reserviert werden, ergänzt Lanz. Installiert würden die sogenannten Blockheizkraftwerke bei Wärmeverbünden, Kehrichtverbrennungsanlagen oder bei bestehenden Kraftwerken, welche vorzugsweise auch über eine Abwärmenutzung verfügen - wie beispielsweise das AKW Beznau.

Der Vorteil: Die Anlagen produzieren Strom und Wärme

Blockheizkraftwerke sind gasbetriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK), die dank der doppelten Nutzung von Strom und Wärme als deutlich effektiver gelten. Bei herkömmlichen Gaskraftwerken hingegen würden nur rund 40 Prozent der Gasenergie in Strom umgewandelt, betont Lanz. Der Rest gehe verloren. Ausserdem stiessen gasbetriebene Blockheizkraftwerke deutlich weniger CO2 aus als vergleichbare Dieselanlagen.

Der doppelte Nutzen, also die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme, sei denn auch der Hauptvorteil von Blockheizkraftwerken im Vergleich zu den herkömmlichen Gas- und Ölkraftwerken, sagt Lanz. «Umso mehr, als wir ja in diesem Winter nicht nur das Risiko einer Strommangellage haben, sondern auch Wärme-, respektive Heizungsprobleme.»

Und so sieht es aus: ein Blockheizkraftwerk.
Und so sieht es aus: ein Blockheizkraftwerk.bild: zvg

Der Nachteil: Auch diese Anlagen benötigen Gas

Doch um Strom und Wärme zu produzieren, benötigen Blockheizkraftwerke Gas. Geht das Erdgas aus, können auch diese Anlagen nicht mehr betrieben werden. «Das ist uns klar», sagt Lanz. «Deshalb haben wir hier vorgesorgt.» Aktuell hat sein Powerloop-Verband eine Offerte auf dem Tisch liegen für die Bestellung von 90 Tanks mit Flüssiggas (LNG). Jeder dieser Tanks fasst 17 Tonnen LNG und würde bei einem allfälligen Kauf von den Niederlanden in die Schweiz gekarrt werden. «Insgesamt stellen wir mit diesen 90 Containern eine Leistungsreserve von 100 Megawatt für rund 90 Stunden sicher.» Das wären dann immerhin vier bis zehn Tage - je nachdem, wie viele Stunden die Containeranlagen pro Tag in Betrieb wären.

Auch ein permanenter Betrieb ist laut Lanz möglich: Die Versorgung mit LNG könne einerseits mittels Binnentankschiffen und einem mobilen Entladeterminal im Rhein bei Basel und anderseits mit zusätzlichen Transporten per LKW sichergestellt werden. «Auch hier gilt, die dafür nötige Infrastruktur und Transportkapazität wären aktuell verfügbar, müsste aber rasch gesichert werden,»

Lanz zeigt sich überzeugt, dass Powerloop auf diesem Weg auch Flüssiggas für den Betrieb der restlichen von ihm versprochenen Reserveleistung von 50 Megawatt sicherstellen könne.

Es ist nicht das erste Mal, dass Powerloop die Werbetrommel für die Wärme-Kraft-Kopplung rührt. Für den Energieverband wie auch für den Stadtwerke-Verbund Swisspower stellt der Ausbau dieser Anlagen eine Alternative zu den bundesrätlichen Bauplänen für bis zu drei Gaskraftwerke dar, die allerdings nur in Extremsituationen angestellt würden. Sie wären eine Art Rückversicherung, ein Notnagel für ganz harte Winter.

Powerloop und Swisspower wollen die winterliche «Spitzenlast» mit Wasserreserven in den bestehenden Stauseen absichern - und zusätzlich Hunderte von WKK aufstellen, welche dann im Winter Wärme und Strom liefern sollen.

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72 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Coffeinated Shocoholic
28.08.2022 19:25registriert August 2022
Bestimmt zu einem ganz guten Preis. Sprich, etwas weniger Knausrigkeit beim Ausbau der Erneuerbaren die letzten Jahrzehnten wäre bedeutend günstiger gewesen.
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Marc L
28.08.2022 20:38registriert April 2021
Die Jahrzehntliche Verweigerungshaltung der SVP und den Bürgerlichen haben wir diesen Zustand zu verdanken. Ebenso den ewigen Einsprachewilligen landschaftsschützer. Und nun werden wir ein teuren Winter haben. Denn die Bereitsteller, werden sich das vergolden. Und wir wählen immer noch SVP. Die haben ja die Lösung: neue AKW. Zum kotz…
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HappyUster
28.08.2022 22:55registriert August 2020
Wunderbar!
Schweröl beim Schiffstranport, Diesel bei LKWtransport, ...
Und die Sonne strahlt gratis vom Himmel, der Wind bläst gratis von Südwest.

Was haben wir (Politik und Wirtschaft) verpennt!
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