Experte überzeugt: Buckelwal Timmy war ein Weibchen
Wochenlang galt der Timmy genannte Wal als junger Bulle, die private Rettungsinitiative zeigte sich gar felsenfest überzeugt davon. Aber jetzt belegen Aufnahmen: Das war wohl ein Irrtum. Timmy war weiblich.
Wal-Experte Fabian Ritter sagte t-online am Mittwoch, er sei sich «zu 95 bis 100 Prozent» sicher. Grundlage sind Fotos, auf denen die aufgequollene Geschlechtsöffnung des auf dem Rücken liegenden Kadavers deutlich zu erkennen ist. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet.
Im Gespräch mit t-online verweist Ritter auf zwei Details: Bei einem männlichen Wal würde der Penis herausfallen, da mit dem Tod die Muskulatur erschlafft und das sonst im Genitalschlitz verborgene Geschlechtsteil nicht mehr zurückgehalten wird. Ausserdem weist Ritter auf zwei Schlitze rechts und links neben der Geschlechtsöffnung hin: Bei ihnen handelt es sich dem Experten zufolge um Milchdrüsenspalten. Darin befinden sich die Zitzen der Walkühe, durch die sie ihre Kälber mit Muttermilch versorgen.
Ritter betont, er habe mit anderen Wal-Experten Rücksprache gehalten. Alle kämen zu derselben Einschätzung wie er. «Letzte Sicherheit wird die DNA-Probe bringen», sagte Ritter t-online.
Wie die Initiative so irren konnte
Aber: Wenn sich die Experten jetzt so sicher sind – wieso hiess es dann bisher immer, Timmy sei ein junger Bulle? Ritter dazu: «Äusserlich ist es wirklich schwer, einen lebenden Walmann von einer Walfrau zu unterscheiden.» Fehler würden passieren, denn: Wale versenken ihre Geschlechtsteile im Körperinneren, um die perfekte Stromlinienform zu erhalten.
Es sei allerdings «seltsam», dass die private Rettungsinitiative sich so absolut sicher gab, dass es sich bei Timmy um ein Männchen handelte. «Das ist ein Bulle», hatte Tierärztin Kirsten Tönnies erklärt. «Somit hat das Tier keinen Uterus.»
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hatte dies auf einer Pressekonferenz behauptet, einem Ministeriumssprecher zufolge stammt die Behauptung von dem aus Amerika eingeflogenen Wal-Experten Jeffrey Foster. «Der hätte sich eigentlich nicht festlegen dürfen», urteilt Ritter jetzt. Er frage sich, wie Foster – der im Gegensatz zu Tönnies tatsächlich Wal-Expertise habe – zu seinem Schluss gekommen sei.

