Trumps Börsengeschäfte – anrüchig und lukrativ
Der US-Präsident – offizielles Jahresgehalt 400'000 Dollar – darf Wertpapiere besitzen, kaufen und veräussern, muss seine privaten Transaktionen gegenüber dem Staat aber offenlegen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten verbietet ihm Börsengeschäfte nicht, wohl aber Insidergeschäfte. Der gegenwärtige Amtsinhaber Donald Trump und sein Umfeld sind schon mehrfach verdächtigt worden, solche verbotenen Geschäfte getätigt zu haben – bis jetzt jedoch ohne offizielle Anklageerhebung und ohne hieb- und stichfesten Beweis.
Auffällige Börsentransaktionen
Die oppositionellen Demokraten fordern wegen auffälliger Börsentransaktionen eine Untersuchung. Doch bisher blieb ihnen dabei jeglicher Erfolg versagt. Steven Horsford, ein demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, hatte im April erklärt: «18 Minuten vor der Ankündigung der Zollpause im vergangenen Jahr platzierten Händler enorme Wetten darauf, dass der Markt in die Höhe schiessen werde.» Und in diesem Jahr habe jemand kurz vor Trumps Ankündigung neuer Verhandlungen mit dem Iran einen Gewinn von Hunderten Millionen Dollar erzielt, weil er auf sinkende Ölpreise gesetzt habe. «Das ist kein Zufall. Das ist ein Muster», betonte Horsford. «Die einzigen Personen, die im Voraus über diese Informationen verfügen, sitzen innerhalb dieser Regierung.»
3700 Börsengeschäfte in drei Monaten
Aktenkundig ist indes, dass Trump im ersten Quartal des laufenden Jahres umfangreiche Börsengeschäfte getätigt hat. Dies geht aus einer gesetzlich vorgeschriebenen Veröffentlichung der US-Ethikbehörde Office of Government Ethics (OGE) hervor, die für die ersten drei Monate mehr als 3700 Wertpapiertransaktionen auflistet – eine massive Steigerung gegenüber dem Vorquartal, für welches Trump lediglich 380 Transaktionen offengelegt hatte. Es handelte sich um Transaktionen mit Einzelvolumina von 1 bis 25 Millionen Dollar, wobei der Gesamtbetrag für jeden Posten als Spanne und nicht als genauer Betrag angegeben ist.
Der Gesamtwert der Geschäfte lag gemäss Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zwischen mindestens 220 Millionen Dollar (rund 174 Mio. Fr.) und bis zu 750 Millionen Dollar (etwa 592 Mio. Fr.). Die relativ grosse Bandbreite erklärt sich aus dem Umstand, dass die Pflichtangaben nur grobe Wertspannen enthalten müssen, nicht exakte Beträge. Allfällige Gewinne werden dabei nicht ausgewiesen. Die «Washington Post» berichtete, Trump habe die obligatorischen Angaben zu seinem Wertpapierhandel Monate zu spät vorgelegt. Er habe deshalb eine symbolische Strafe von 200 Dollar auferlegt bekommen.
Aus den OGE-Unterlagen geht ferner hervor, dass die grössten Investitionen des Präsidenten im Technologiesektor stattfanden: Trump kaufte demnach Wertpapiere von ServiceNow, Nvidia, AMD, Adobe, Microsoft, Oracle, Broadcom, Motorola, Amazon, Texas Instruments und Dell. Auch Trumps vier grösste Verkäufe im genannten Zeitraum betrafen vornehmlich Tech-Aktien: Er veräusserte Wertpapiere von Microsoft, Amazon und Meta im Wert von 5 bis 25 Millionen Dollar.
Mögliche Interessenkonflikte
Trump investierte dabei Millionen-Beträge auch in Unternehmen, die in hohem Masse von politischen Entscheidungen der US-Regierung – deren oberste Instanz er selbst ist – abhängig sind. Ein Beispiel dafür ist der Tech-Gigant Nvidia, der Washington um die Erlaubnis gebeten hatte, wieder Chips nach China zu verkaufen. Trump kaufte Anfang Januar für bis zu 5 Millionen Dollar Aktien dieses Konzerns, und zwar nur eine Woche, bevor seine Regierung Nvidia die entsprechende Erlaubnis erteilte, und noch einmal kurz danach. Auch bei einem weiteren Kauf von Nvidia-Aktien bestand eine auffallende zeitliche Nähe zu einem relevanten Vorgang: Eine Woche nach Trumps Kauf gab der Tech-Konzern am 10. Februar einen bedeutenden Chip-Deal mit dem Social-Media-Konzern Meta bekannt.
Ähnliche Vorgänge gab es mit Käufen von Aktien der Firmen AMD und Palantir. Bei AMD kaufte Trump Aktien des Unternehmens, kurz bevor es von der US-Regierung wieder die Erlaubnis erhielt, Chips nach China zu liefern. Aktien von Palantir erstand Trump, obwohl die Firma im Februar einen milliardenschweren Regierungsauftrag des Departments of Homeland Security erhielt. Palantir liefert der Behörde dafür Software für Deportationen.
Der Journalist und politische Berater Judd Legum wies überdies in seinem Newsletter «Popular Information» darauf hin, dass Trump mehrere Unternehmen – darunter Apple, Dell und Thermo Fisher – öffentlich lobte oder für sie warb, und dies ungefähr zu dem Zeitpunkt, als er deren Aktien kaufte. Die Trump Organization konterte diese Vorwürfe mit dem Hinweis, es seien externe Berater, die die Investitionen Trumps verwalteten. Aus den OGE-Unterlagen ist nicht ersichtlich, ob Trump die Geschäfte persönlich anordnete. Offiziell führen seine Söhne Donald Trump Jr. und Eric Trump Trumps Privatvermögen und sein Firmenimperium.
Trumps Vermögen wächst
Vorwürfe, dass Donald Trump sich im Amt bereichere, hat das Weisse Haus bereits im vergangenen Jahr energisch zurückgewiesen. Sprecherin Karoline Leavitt bezeichnete sie als «völlig absurd» und erklärte, Trump habe im Gegenteil ein «Leben im Luxus» für den Dienst am amerikanischen Volk geopfert. Dem steht jedoch gegenüber, dass Trump und sein Umfeld ihre Vermögenswerte gemäss Schätzungen von «Forbes» bereits im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit deutlich steigern konnten.
Der Zuwachs beträgt mehrere Milliarden Dollar. Der Löwenanteil davon dürfte auf die Kryptowährung entfallen: Mit Trump in Verbindung stehende Meme-Coins haben der Familie und ihrem engsten Kreis Milliarden eingebracht. Seit Trumps Amtsantritt haben seine Söhne in eine Reihe neuer Branchen investiert, darunter künstliche Intelligenz, Drohnen und kritische Mineralien wie Lithium, Kobalt oder Seltene Erden. Auch ihr Immobilienportfolio im Ausland hat sich erheblich erweitert.
«Heuchlerisch» und «schamlos»
Trumps Sohn Eric, der als Vizechef die Familiengeschäfte mit Immobilien und Kryptowährungen leitet, begleitete den US-Präsidenten letzthin auch nach China, was zu Kritik führte. Der Sender MS Now etwa warf der Trump-Familie vor, Geschäfte mit dem Präsidentenamt zu machen, wobei die Ausdrücke «heuchlerisch» und «schamlos» fielen:
Eric Trump reagierte mit einem Post im Onlinedienst X darauf, in dem er ankündigte, MS Now zu verklagen. «Ich habe keinerlei geschäftliche Interessen in China», schrieb er auf X. «Keine Immobilien, keine Investitionen, nichts! Ich bin aus einem einzigen Grund auf diese Reise gegangen: als liebender Sohn, der seinen Vater über alles verehrt und es auf keinen Fall versäumen würde, in diesem unglaublichen Moment an seiner Seite zu sein.»
I intend to sue @jrpsaki and @MSNOWNews over the below clip. To be clear:
— Eric Trump (@EricTrump) May 15, 2026
• Contrary to her monolog and blatant lies, I have NEVER been on the board of ALT5 — not now, not ever. Any person with basic access to Google and willing to open a company’s annual report or proxy…
Private Interessen im Präsidentenamt
Das US-Portal Axios schreibt, mit jedem Monat verwebe Trump «die finanziellen Interessen seiner Familie, seiner Verbündeten und seiner politischen Bewegung enger denn je mit dem Gefüge des amerikanischen Präsidentenamtes».
With each passing month, Trump is weaving the financial interests of his family, his allies and his political movement more tightly than ever into the fabric of the American presidency. https://t.co/DBreialI16
— Axios (@axios) May 19, 2026
Jüngstes Beispiel: der sogenannte Anti-Instrumentalisierungs-Fonds. Er ist das Resultat eines aussergewöhnlichen Rechtsstreits, in dem Privatmann Donald Trump die US-Steuerbehörde IRS im Januar auf 10 Milliarden Dollar verklagte, während er gleichzeitig kraft seines Amtes als Präsident die Behörden und Anwälte auf der Gegenseite kontrollierte. Die juristische Konfrontation endete mit einem Vergleich: Trump zog seine Klage zurück, dafür wird der aus Steuergeldern finanzierte, 1,8 Milliarden Dollar schwere Fonds eingerichtet. Unter Umgehung des Kongresses könnte der Fonds Angeklagte des 6. Januar, konservative Aktivisten, ehemalige Trump-Mitarbeiter und andere Verbündete, gegen die ermittelt wurde, finanziell unterstützen. Die Demokraten schäumen vor Wut – ihr Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, sprach von «Schmiergeld» für Trump-Verbündete.
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