Eismeister Zaugg
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Entaeuschung bei SC Rapperswil-Jona Lakers Cedric Huesler nach dem Final des Swiss Ice Hockey Cups 2018/19 zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EV Zug, am Sonntag, 3. Februar 2019, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil-Jona. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Enttäuschung bei SC Rapperswil-Jona Lakers Cedric Hüsler nach dem Final des Swiss Ice Hockey Cups 2018/19. Bild: KEYSTONE

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Das Ende der Cup-Romantik – die Lakers und der Cup brauchen eine neue Identität

Zug gewinnt nach 21 Jahren erstmals einen Titel. Eine neue Ära beginnt, ein Hockey-Märchen ist zu Ende, der Cup braucht neue Helden.



Erst grosse, schöne Geschichten hauchen dem Cup Leben ein. Der Wettbewerb hat im Eishockey – im Gegensatz zum Fussball – zu wenig Tradition, um mit gewöhnlichen Partien Bedeutung zu erlangen.

Die Rapperswil-Jona Lakers haben dem auf die Saison 2014/15 wieder eingeführten Cup eine Identität gegeben – und der Cup den Lakers.

Der SC Bern, die ZSC Lions und Kloten waren gewöhnliche Cup-Sieger. Wir haben den Cup gewonnen – na und? Diese Hockeyunternehmen rockten als mehrfache Meister im Playoff-Zeitalter sportlich schon ganz anders. Der Cup blieb eine nette Veranstaltung ohne Ausstrahlung über die eigenen Fankreise hinaus.

Jubel bei Zugs Dominik Schlumpf, links, und Zugs Raphael Diaz, Mitte, nach dem Sieg im Final des Swiss Ice Hockey Cups 2018/19 zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EV Zug, am Sonntag, 3. Februar 2019, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil-Jona. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Jubel bei Zugs Dominik Schlumpf (links) und Zugs Raphael Diaz (Mitte) nach dem Sieg im Final des Swiss Ice Hockey Cups 2018/19. Bild: KEYSTONE

Erst die Lakers haben dem Cup eine Identität gegeben. Indem sie als Klub aus der zweithöchsten Liga, also als echter David, die Goliaths aufs Kreuz legten.

Letzte Saison auf dem Weg ins Finale Zug und Lugano und im Finale schliesslich den HC Davos. Die Erfolge im Cup waren die Initialzündung für die Wiederauferstehung der Lakers, die im letzten Frühjahr in der Rückkehr in die NL mündete.

Diese Saison hat der Aufsteiger aus den Cup-Erfolgen die Kraft und die Energie gewonnen, die ihn vor dem inneren Zusammenbruch bewahrt haben. Wir verlieren fleissig und sind hoffnungslose Tabellenletzte – na und? Wir haben den Cup! Im Halbfinale gelingt sogar ein Sieg über das Saison-Überraschungsteam Langnau.

Und nun also das Finale gegen den EV Zug. Auf den ersten Blick ist es für die Zuger ja «nur» der Cup. «Nur» ein Spiel. Aber auf den zweiten Blick erkennen wir: Es ist mehr. Viel mehr. Im Rückblick werden wir erkennen, dass dieser Cup-Final 2019 unsere Hockey-Landkarte verändert, dass eine neue Ära begonnen hat.

Die Zuger haben ihren ersten Titel seit 1998 auf so überzeugende, ja gnadenlose Art und Weise geholt, dass dieser Cup-Final wirkt wie die Morgendämmerung einer neuen, grossen Zeit. Einer neuen Zeit mit Zug als Titan, der regelmässig Meisterschaften gewinnt und den SC Bern oder die ZSC Lions hinter sich lässt.

Impressionen vom Cupfinal.

Eine neue Zeit? Tatsächlich? Bloss wegen dieses sonntäglichen Hockeyspektakels? Ist das nicht masslos übertrieben? Der Gegner war doch bloss der Tabellenletzte, der in der laufenden Meisterschaft 55 Punkte weniger auf dem Konto hat und froh sein muss, wenn es am Ende der Saison gelingt, dem Abstieg zu entrinnen. Dieser Sieg kann doch bei Lichte besehen nicht viel mehr als die Erfüllung einer Pflicht sein. Oder etwa nicht?

Eben nicht. All die Statistiken dieser Saison, die Zug vor diesem Cup-Final zum himmelhohen Favoriten gemacht hatten, zählten im Finale nicht mehr.

Die Lakers, die vermeintlichen Aussenseiter, waren auf eine ganz besondere Art Titanen. Eine verschworene Gruppe auf einer Mission. Mit dem Cupsieg vor einem Jahr hatte sich der Aufsteiger eine wundersame, bunte Parallelwelt zum tristen Alltag der Meisterschaft erschaffen.

Nun sollte dieses Cup-Märchen seine Fortsetzung finden. Mit einer Titelverteidigung gegen Zug auf eigenem Eis. In sechs Minuten waren alle Tickets für diesen Final verkauft. Und am Freitag hatten die Lakers in der Qualifikation, sozusagen als Warm-Up, die ZSC Lions, den Schweizer Meister, 4:1 besiegt.

Aber Zug war eine Nummer zu gross. Und das sollte für die Konkurrenz im Hinblick auf die Playoffs und auf die kommenden Meisterschaften eine Warnung sein.

Die Zuger haben diesen Titel mit ihrem besten Spiel der Saison gewonnen. Es war nicht ein Spektakel-Sieg für die Tribüne. Es war ein logischer, zwingender Sieg. Wie auf dem taktischen Reisbrett entworfen. Auf fremden Eis, in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Arena gegen eine Mannschaft, die mit der Energie aus der Begeisterung ihrer Anhänger aufgeladen war.

Davos' Head coach Arno Del Curto gestures, during the Swiss Ice Hockey Cup quarter final game between Geneve-Servette HC and HC Davos, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, November 22, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Vor einem Jahr ist hier unter diesen Umständen der damals noch nicht marode HC Davos im Finale mit 7:2 vom Eis gefegt worden. Im Rückblick erkennen wir, dass diese Cup-Finalniederlage der Anfang vom Ende einer ruhmreichen, bis ins letzte Jahrhundert reichende und mit sechs Titeln geschmückte Ära war: der Ära des HC Davos unter Arno Del Curto.

Zum ersten Mal seit dem letzten Titel von 1998 waren die Zuger dazu in der Lage, ein Spiel zu gewinnen, das sie gewinnen mussten. Eine Chance zu nützen, die es nur in diesem einen Spiel gab. Und sie taten es mit ruhiger, beinahe provozierender Kaltblütigkeit und mit einem Selbstvertrauen, das den Gegner irritierte.

Zugs Klasse und taktischer Verstand siegte über die Emotionen, die Energie und den Mut des Aussenseiters. Deshalb ist dieser Cup-Sieg wie ein Vorbote für eine neue, grosse Zeit. Die seit dem letzten Titel von 1998 andauernde Zuger Hockey-Folklore, mit Spektakel zwischen September und März und Scheitern in den Playoffs, wenn die wahren harten Männer spielen, ist beendet.

Die Schweizer Hockey-Cupsieger der Neuzeit:

Das Spiel war übrigens bereits nach 3 Minuten und 15 Sekunden entschieden. Torhüter Sandro Aeschlimann verhinderte mit einer grandiosen Reflexparade das 1:0 für die Lakers: Kurz darauf nützten seine Vorderleute das erste Powerplay eiskalt nach nur 9 Sekunden zum 1:0. Dieses Powerplay war erst noch das Produkt eines Schiedsrichter-Fehlentscheides. Es war der Stich ins Herz des Cup-Titanen. Das Ende der Cup-Romantik. Der Einsturz der Parallelwelt der tapferen Lakers. Sie sind die vergessenen Helden dieses Finals: sie gaben selbst nach dem 0:3 nicht auf. Sie kämpften auch mit gebrochenem Cup-Herzen leidenschaftlich weiter bis weit ins Schlussdrittel hinein und sie wurden mit einer Stimmung in der Arena belohnt wie noch selten ein klarer Verlierer in einem wichtigen Spiel.

Jubel bei Zugs Torhueter Sandro Aeschlimann nach dem Sieg im Final des Swiss Ice Hockey Cups 2018/19 zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EV Zug, am Sonntag, 3. Februar 2019, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil-Jona. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Sandro Aeschlimann. Bild: KEYSTONE

Nach 21 Jahren wissen die Zuger endlich wieder, wie man Titel gewinnt. Ironie der Geschichte: nicht Tobias Stephan stand im Tor. Sondern sein Ersatz, der Emmentaler Sandro Aeschlimann, nächste Saison beim HC Davos. Mit einer fabelhaften Abwehrquote von 96,15 Prozent.

Tobias Stephan, ab nächster Saison in Lausanne, ist dem Makel, er könne «nichts gewinnen», also nach wie vor nicht losgeworden. Aber vielleicht haben wir hier den Anfang einer ganz anderen Geschichte: Es ist auch möglich, dass Tobias Stephan durch die verletzungsbedingte Pause genau jene psychische und physische Energie gespart hat, die es ihm nun ermöglichen wird, in den Playoffs die Zuger zum Meistertitel zu hexen. Zum ersten «Double» der Geschichte.

Für die tapferen Lakers heisst es nach dem Zusammenbruch ihrer Cup-Parallelwelt: willkommen in der Wirklichkeit des Abstiegskampfes. Sie brauchen eine neue Identität.

Und der Cup braucht ein neues Märchen.

Die Cupfinals

2015 SC Bern – Kloten 3:1 (1:0, 2:0, 0:1)
2016 Lausanne – ZSC Lions 1:4 (0:1, 1:1, 0:2)
2017 Kloten – Servette 5:2 (1:1, 1:1, 3:0)
2018 Lakers – Davos 7:2 (2:1, 3:1, 2:0) 
2019 Lakers – Zug 1:5 (0:3, 1:0, 0:2).

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • goldmandli 04.02.2019 08:18
    Highlight Highlight "Ironie der Geschichte: nicht Tobias Stephan stand im Tor. Sondern sein Ersatz"

    Musste schmunzeln😄 Aber ernsthaft, Stephan war nie der Grund, warum Zug nicht Meister wurde.
  • maylander 04.02.2019 07:00
    Highlight Highlight Noch nie ein Cup Heimspiel ausgetragen, aber bereits den Kübel geholt.

  • bullygoal45 04.02.2019 06:31
    Highlight Highlight Es wahr uns eine Ehre 😏!

    Man sieht sich im Herbst an der nächsten Cup-Kamagne wieder 🏆

    Jetzt darf Zug beweisen, dass der Cupfluch auch in der NLA gebrochen werden kann! 😉
    • TheWall_31 04.02.2019 07:46
      Highlight Highlight Da hab ich irgendwie Zweifel. Weiss gar nicht, woher das kommt. Kann mir jemand auf die Sprünge helfen, warum Zug in den Playoffs nix rockt? 🤔
    • maylander 04.02.2019 08:54
      Highlight Highlight @TheWall_31

      Wenn nix rockt = keine Titel gewonnen bedeutet dann stimmts.
      Die Anzahl Halbfinal und Finalteilname waren aber in den letzten zwei Jahrzehntes durchaus ok für den EVZ.
      Meist war am Ende einfach der Tank leer, da die Trainer die ersten zwei Linien forcierten.
      Dan Tagnes spielt aber konsequent mit vier Linien und der EVZ konnte so in dieser Saison einige Spielerausfälle wegstecken.
    • TheWall_31 04.02.2019 09:23
      Highlight Highlight @maylander

      Lustig, wie alle Blitzer den kleinen brüderlichen Schubs gleich ernst nehmen. Genau das machte Zug in den letzten Jahren aus, oft gute Quali, oft super Mannschaft, aber in den Playoffs ging wirklich die Luft aus.

      Wie Tikkanen sagen würde: "Item, noch 4 bis 🚆❌" :)
  • Lumina 04.02.2019 05:10
    Highlight Highlight Ach und über die so tollen "Fans" des EVZ, welche im Stadion (mehrfach!) verbotenerweise Pyros mitten in den Zuschauern abgelassen haben, dazu mag der Klaus nix schreiben?

    Ich hoffe der Klub wird für diesen Affentanz wenigstens noch saftig gebüsst, aber wenn der Oberlangnauer in der Watson-Redaktion jetzt ernsthaft glaubt, die Lakers würden wegen einem verlorenen Cup-Final komplett auseinander fallen, nix da!

    Helm richten, aufstehen und weiterkämpfen, dass können die Jungs in rot auch ohne amtierender Cupsieger zu sein und aus der Swiss League, kommt momentan eh keiner hoch - Ende Gelände.
    • TheWall_31 04.02.2019 07:47
      Highlight Highlight Sag mal, wie viele Verletzte gab es in den letzten fünf Jahren durch Pyros? Die Diskussion ist völlig lächerlich, man kann Pyros auch einfach akzeptieren. Why not?
    • pluginbaby 04.02.2019 07:59
      Highlight Highlight Im Fussball bin ich absolut dafür, kein Problem. Aber in einer geschlossenen Hockeyhalle in der Grösse des Lidos haben Pyros nichts verloren.
    • goldmandli 04.02.2019 08:16
      Highlight Highlight Sicher nicht ideal, aber wurden Pyros in die Zuschauer geworfen oder ähnliches? Wenn nicht, finde ich es halb so wild.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lümmel 04.02.2019 04:18
    Highlight Highlight Jetzt kommem dann wieder die, die behaupten der Cup interssiere niemanden.
    Egal, Zug hat gewonnen!
    • Max Dick 04.02.2019 08:05
      Highlight Highlight Den Cup interessiert niemanden.
    • Tugium 04.02.2019 09:10
      Highlight Highlight 💙🏆
    • ralck 04.02.2019 09:45
      Highlight Highlight Lustig ist doch nur, dass vermutlich im vergangenen Jahr genau die gleichen Zugerlis schrieben, der Cup sei ein Witz und interessiere niemanden.

      So dreht sich das Rad. Wir freuen uns aufs nächste Jahr.
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