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Minnesota Wild left wing Kevin Fiala, of Switzerland, reacts after scoring against the Anaheim Ducks during the first period of an NHL hockey game in Anaheim, Calif., Sunday, March 8, 2020. (AP Photo/Alex Gallardo)

Matchwinner Kevin Fiala feiert seinen entscheidenden Treffer gegen die Anaheim Ducks Bild: FR170211 AP

Der Star aus der Hundehütte – wie Kevin Fiala vom Mitläufer zum Teamleader gereift ist

Wie sich Kevin Fiala innert vier Monaten vom überzähligen Spieler zum Leistungsträger der Minnesota Wild entwickelt hat.

marcel Kuchta / ch media



Am 29. Oktober 2019 verloren die Minnesota Wild nach einer 3:0-Führung 3:6 gegen die Dallas Stars. Diese Niederlage war so etwas wie die Krönung eines völlig verunglückten Saisonstarts für das Team aus St.Paul. Das Debakel von der Pressetribüne aus betrachten musste Kevin Fiala. Der Schweizer war eben von einer Verletzung zurückgekehrt und wieder fit. Aber der damalige Wild-Trainer Bruce Boudreau misstraute seinem Spieler und berücksichtigte ihn nicht für das Spiel gegen die Stars.

Auch NHL unterbricht Spielbetrieb

Nach der NBA und der MLS hat nun auch die National Hockey League angekündigt, den Meisterschaftsbetrieb wegen der Coronavirus-Pandemie bis auf weiteres ruhen zu lassen.

NHL-Commissioner Gary Bettman lässt ausrichten: «Wir werden die Situation weiterhin genau beobachten. Wir rufen unsere Teams und Spieler dazu auf, alle möglichen Vorsichtsmassnahmen zu treffen, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Es ist unser Ziel, weiterzuspielen, sobald das möglich ist.» (abu/sda)

«Wir erwarten und brauchen mehr von Fiala», diktierte Boudreau an jenem 29. Oktober den Reportern ins Mikrofon. Ein nicht gerade vorteilhaftes, öffentliches Urteil für den Schweizer Nationalspieler. So tönt es, wenn man – wie es in Nordamerika heisst – vom Headcoach ins «Doghouse», in die Hundehütte, verbannt wird.

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Das verhängnisvolle Lob des Ex-GM

Wie es so weit kommen konnte? Kevin Fiala war im Februar 2019 im Tausch für Publikumsliebling Mikael Granlund aus Nashville zu den Wild gekommen. Er kämpfte von Anfang an mit sich, seiner Form, dem Erwartungsdruck – und fand sich ausserdem in einer mässig talentierten Mannschaft wieder. In den ersten sieben Spielen der laufenden NHL-Meisterschaft hatte er lediglich einen Assist verbucht, elfmal auf das gegnerische Tor geschossen, wies eine Minus-4-Bilanz auf – und machte vor allem viele Fehler. Kurz: viel zu wenig für einen Spieler, der vom inzwischen gefeuerten Wild-GM Paul Fenton nach dem Granlund-Tauschgeschäft als «Star» angekündigt worden war, «der Spiele im Alleingang entscheiden kann.»

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Sie kommen nicht mehr nach – die ersten 16 Saisontore von Fiala. Mittlerweile steht er bei 23. Video: YouTube/Gobi Pakora

Fenton, der übrigens auch dafür verantwortlich war, dass Nino Niederreiter von den Wild zu den Carolina Hurricanes getradet wurde, musste sich bis zu seiner Freistellung im vergangenen Sommer für den Fiala-Deal unzählige, hämische Kommentare anhören. Der Uzwiler stand stellvertretend für alles Schlechte, was der Minnesota-GM während seiner kurzen Amtszeit angerichtet hatte. Kombiniert mit Fialas bisweilen leicht überheblich wirkendem Auftreten war das kein vielversprechender Mix für einen Spieler, der kurz vor dem Saisonstart einen mit insgesamt 6 Millionen US-Dollar dotierten Zweijahresvertrag unterschrieben hatte.

Doch jener 29. Oktober wurde zu einem Wendepunkt für Kevin Fiala. Es war für ihn die Gelegenheit, quasi von aussen beobachten zu können, was alles falsch lief. Seither läuft vieles richtig, ja sogar annähernd perfekt. Nach 64 Spielen hat er 23 Tore und 31 Assists auf dem Konto. Wie gut der Uzwiler geworden ist, zeigt allein der Monat Februar. In 14 Spielen erzielte er 10 Tore und gab 9 Assists – absolute Spitzenwerte, die ihm sogar einmal die Auszeichnung als NHL-Spieler der Woche einbrachte.

Entsprechend bewegte sich auch die Eiszeit des Flügels immer mal wieder um die 20 Minutenmarke pro Spiel – ein Wert, den nur Stürmerstars wie Connor McDavid oder Alex Owetschkin regelmässig erreichen. Aus dem verschmähten Fehltransfer ist der Liebling der Wild-Fans geworden. Zumal die Mannschaft, angetrieben von ihrem offensiven Schwungrad Fiala, auch plötzlich wieder ein ernsthaftes Wörtchen um die Playoff-Plätze mitreden darf.

Nach dem Trainerwechsel noch besser

Kein Zufall ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass Fialas Leistungskurve nach der Entlassung des glücklosen Bruce Boudreau Mitte Februar noch steiler nach oben zeigte. Boudreaus Nachfolger Dean Evason hat es offensichtlich verstanden, beim Ostschweizer weiteres Potenzial abzurufen.

Kevin Fiala ist innerhalb von vier Monaten vom Mitläufer zum absoluten Teamleader gereift. Ein Prozess, dem ihn wohl nicht so mancher Beobachter der Szene zugetraut hätte. Das Problem des 23-Jährigen war in seiner noch jungen Karriere öfters, dass er während guter Phasen schnell die Bodenhaftung verlor und in alte, schlechte Gewohnheiten zurückfiel.

Die Schweizer NHL-Skorer:

Bild

bild: screenshot nhl

Jetzt vermag er sofort zu reagieren. Einen Tag nach der 3:7-Niederlage der Wild gegen die Los Angeles Kings, in welcher Fiala nach einer schwachen Leistung mit einer Minus-4-Bilanz vom Eis ging, war er beim 5:4-Sieg gegen die Anaheim Ducks mit zwei Toren (darunter der Siegtreffer in der Verlängerung) der Matchwinner. Fiala schwärmt: «Jedes Mal wenn ich aufs Eis gehe, habe ich das Vertrauen, etwas in der Offensive kreieren zu können. So wie jetzt fühlte ich mich in meiner Karriere noch nie.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • marak 12.03.2020 21:49
    Highlight Highlight Daumen drücken. Er hatte auch schon vier gute Monate. Das darf noch nicht das Ende sein. Aber für ein gutes Jahr, zwei Jahre etc. braucht eben auch die ersten vier Monate.
    • Coliander 13.03.2020 08:54
      Highlight Highlight Hoffentlich kann er seine Form über die Pause konservieren und nahtlos zaubern.

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