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«Bitte keine Araber» – diese rassistische Absage schockiert nicht nur den Bewerber

17.01.2020, 14:5117.01.2020, 15:11

Berlin steht ja eigentlich für offene Menschen und Multikulti. Diversität und Urbanität.

Ein renommiertes Architekturbüro aus der deutschen Hauptstadt scheint das anders zu sehen. «Bitte keine Araber». Diese Antwort erhielt ein Mann, als er sich bei dem Architekturbüro für ein Praktikum bewerben wollte.

Wie der Spiegel berichtet, hat die Chefin des Büros das Mail verschickt. Gegenüber dem Magazin bestätigt das Unternehmen, das Schreiben gesendet zu haben. Es sei ein Versehen gewesen, verteidigt es sich. Das Mail sei nur für den internen Versand bestimmt gewesen.

Nachdem die nicht sehr charmante Absage beim Bewerber angekommen war, stellte er sie auf Facebook. «Die schlimmste Absage, die man nur bekommen kann», schrieb er dazu.

Auch auf Twitter macht das Foto der Mail die Runde. Die Autorin Bahar Aslan, die selbst türkische Wurzeln hat, postete es auf dem Kurznachrichtendienst. Dazu schrieb sie:

«Dass Menschen mit Migrationshintergrund es schwerer haben, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden wissen wir bereits aus zahlreichen Studien. Häufig ist dann von Diskriminierung oder Fremdenfeindlichkeit die Rede, aber leider spiegeln diese Begriffe nicht unsere Realität wider. Das was wir tagtäglich im Beruf, auf der Arbeit oder bei der Wohnungssuche erleben ist Rassismus. Häufig bekommen wir die wirklichen Gründe für eine Absage nicht mit, aber manchmal lässt man uns erahnen dass wir hier nicht willkommen sind.

... und weiter:

«Wir, die hier geboren und aufgewachsen sind, bekommen immer wieder zu spüren dass wir nicht dazugehören. Wir werden auf unsere vermeintliche Herkunft reduziert und müssen unsere Zugehörigkeit, die ja selbstverständlich ist, stets unter Beweis stellen. Während meiner Ausbildung zur Kauffrau f. Bürokommunikation musste ich penibel darauf achten, immer als Erste im Büro zu sein. Das wollte mein Papa so, da er fürchtete man könnte mich als die „faule und unpünktliche Türkin“ abstempeln.

Das Architekturbüro verteidigt sich gegenüber dem «Spiegel».

«Selbstverständlich respektieren wir nicht nur Menschen, sondern auch Gesetze wie das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)», liess es verlauten.

Zu diesem Vorfall sei es gekommen, weil die Bewerbung versehentlich einer laufenden Stellenausschreibung für den Standort China zugeordnet worden sei. Der Bewerber habe jedoch nicht über die nötige Qualifikationen verfügt. Die Bewerbung sei dann «mit verkürztem Kommentar» vermeintlich an das Sekretariat zurückgeschickt worden.

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(dfr)

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Konzerte gegen Rassismus in Chemnitz

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Konzerte gegen Rassismus in Chemnitz
quelle: ap/ap / jens meyer
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11 Tage alt und schon Opfer von Hass im Netz

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