Schiesserei: Zahl der Getöteten bei Schiesserei in Orlando mehr als verdoppelt

12.06.16, 17:00

Beim Angriff auf einen Schwulen-Nachtclub in Florida sind nach jüngsten Angaben deutlich mehr Menschen getötet worden als bisher befürchtet: Laut Orlandos Bürgermeister Buddy Dyer starben 50 Menschen, weitere 53 Personen wurden in der Nacht zum Sonntag verletzt.

Orlandos Polizeichef John Mina hatte zuvor bei einer Medienkonferenz gesagt, der Angreifer habe in dem Club mehrere Geiseln genommen. Daraufhin hätten Spezialkräfte der Polizei die Bar gegen 05:00 Uhr Ortszeit gestürmt.

Mina zufolge verschaffte sich die Polizei mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang. Der Täter sei in der Nähe einer Eingangstür gewesen und in einem Feuergefecht getötet worden. Unklar war zunächst, ob alle Opfer von dem Angreifer getötet wurden, oder ob einige bei dem Polizeieinsatz starben.

Auch das Motiv des Täters war zunächst unklar. Ein Vertreter des US-Bundeskriminalamts FBI sagte, das Verbrechen werde als ein möglicher «Akt des Terrorismus» untersucht. Dabei gehe es auch um etwaige Verbindungen zum islamistisch motivierten Terrorismus, nichts werde ausgeschlossen: «Wir prüfen alle Aspekte.»

Polizeichef Mina sagte über den Schützen, dass er nicht aus Orlando stamme. Allem Anschein nach sei er «sehr gut organisiert und vorbereitet gewesen». Es gab nach Minas Worten zunächst keine Hinweise darauf, dass der Schütze aus Hass gegen Homosexuelle handelte, aber natürlich werde auch in diese Richtung ermittelt.

Gemäss übereinstimmenden Angaben mehrere US-Medien handelte es sich beim Angreifer um einen US-Bürger mit afghanischen Wurzeln. Der Sohn afghanischer Eltern sei 1986 in den USA zur Welt gekommen und habe in Port St. Lucie in Florida gelebt. Er sei vor dem Angriff nicht polizeibekannt gewesen.

Geiselnahme nach Feuergefecht

Der Club «Pulse» im Herzen der Stadt war Mina zufolge in der Nacht gut besucht. Er sprach von mehr als 300 Menschen. Der Täter hatte gemäss Polizeiangaben gegen 2.00 Uhr mit einer sturmgewehrähnlichen Waffe zu schiessen begonnen.

Zunächst habe sich ein einzelner Polizist mit ihm ein Feuergefecht geliefert, dann seien zwei weitere Beamte hinzugekommen. Einer von ihnen sei verletzt worden.

Der Schütze habe dann Geiseln genommen. Die Polizei habe sich nach ungefähr drei Stunden zu einer gewaltsamen Befreiung entschieden. «Mindestens 30 Geiseln konnten durch die Aktion gerettet werden», sagte Mina. Wie der Polizeichef weiter mitteilte, trug der Täter eine «verdächtige Vorrichtung» am Körper, die untersucht werde.

Augenzeugen berichteten von Dutzenden Schüssen in schneller Reihenfolge - mindestens 40 seien es gewesen, sagte ein Clubbesucher dem Sender CNN. «Ich dachte zuerst, es war Musik. Dann warfen sich die Menschen auf den Boden, und ich auch.»

Viele flohen aus dem Gebäude. Das Fernsehen zeigte Opfer, die von Clubbesuchern aus dem Gebäude gebracht und auf die Ladeflächen von Kleinlastern gelegt wurden. Manche hatten Blut auf ihrer Kleidung.

Das Gelände des Clubs war sofort nach den Schüssen weiträumig abgesperrt worden. Auch Bombenspürhunde wurden auf dem Gelände eingesetzt.

Zwei Tage nach Tötung von Sängerin

Der Vorfall ereignete sich nur zwei Tage, nachdem in Orlando die 22-jährige Sängerin Christina Grimmie nach einem Konzert erschossen worden war. Laut der Polizei tötete ein 27-Jähriger die Musikerin am Freitagabend bei einer Autogrammstunde, bevor er sich selbst das Leben nahm. Seine Motive waren unklar. Grimmie war durch die US-Castingshow «The Voice» bekannt geworden.

In den USA gibt es fast täglich Schiessereien. Seit Jahresbeginn wurden laut der Internetseite Gunviolencearchive.org bereits mehr als 5800 Menschen durch Schusswaffen getötet, während mehr als 23'000 Vorfälle mit Schusswaffen gezählt wurden. Trotz der hohen Opferzahl hat die mächtige Waffenlobby bisher eine von US-Präsident Barack Obama angestrebte Verschärfung des Waffenrechts verhindert. (sda/dpa/afp/reu)

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