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Ab der kommenden Saison steht José Mourinho bei der AS Roma an der Seitenlinie.
Ab der kommenden Saison steht José Mourinho bei der AS Roma an der Seitenlinie.
Bild: keystone

Mourinho adelt Chiellini und Bonucci und sagt, warum Frankreich an der Schweiz scheiterte

14.07.2021, 10:2714.07.2021, 12:51

Startrainer José Mourinho hat die EM 2020 aus der Ferne mitverfolgt. Das heisst aber nicht, dass «The Special One» nicht genau hingeschaut hätte. Beim englischen Fussball-Portal «TalkSport» analysierte der 58-jährige Portugiese regelmässig die Geschehnisse auf dem Platz. In seiner finalen Bilanz nach dem EM-Final kam Mourinho gleich bei drei Abwehrrecken nicht aus dem Schwärmen hinaus, mit den Franzosen ging er dafür ziemlich hart ins Gericht.

Mourinho über ...

... Chiellinis Aktion gegen Saka:

«Was Chiellini in dieser einen Finalszene mit Saka gemacht hat, zeigt alles. Er machte seinen einzigen Fehler des Spiels, als er an der Seitenlinie die Kontrolle verlor. Saka entwischte, doch Chiellini sagte: ‹Du entwischst nicht, du bleibst bei mir, dein Trikot gehört mir›. Chiellini weiss, was er tut. Er ist ein absoluter Top-Verteidiger und ein cleverer Bursche.»
Natürlich ist diese Szene hier gemeint.
Video: streamable

... die Klasse von Chiellini und Bonucci:

«Ich habe mit Manchester United vor ein paar Jahren gegen Juventus gespielt. Nach der Partie im Old Traffold sagte ich schon damals, dass Chiellini und Bonucci an eine Sport-Universität gehen und dort Vorlesungen halten sollten, wie man zum perfekten Innenverteidiger wird.

Chiellini kann es vermutlich nicht mehr alle drei Tage abrufen, manchmal braucht er eine Pause oder es kommt eine kleine Verletzung wie zu Beginn des Turniers. Aber sie sind beide immer noch auf dem höchsten Level unterwegs.

Bereits wenn sie die Nationalhymne singen, spielen sie eigentlich schon Fussball. Dort zeigen sie der Welt, warum sie auf dem Feld stehen. Sie sind zwar noch aus der alten Generation und nicht herausragend mit dem Ball oder im Spielaufbau, aber sie treffen immer fantastische Entscheidungen.»

... Englands Fünferkette im EM-Final:

«Dass England mit einer Fünferkette gespielt hat, war sicherlich überraschend. Es war vielleicht eine Option, aber wann hatte Italien an dieser EM am meisten Probleme? Für mich im Viertelfinal gegen Spanien. Und warum? Weil die Spanier mit einem 4-3-3 ohne echte Spitze antraten. Dani Olmo war eigentlich ein vierter Mittelfeldspieler, dafür attackierten die Flügelspieler die Räume in der Mitte. Chiellini und Bonucci hatten keinen direkten Gegenspieler und sofort geriet Italien in Schwierigkeiten. Im Final hat es Harry Kane in der Olmo-Position zunächst sehr gut gemacht, aber am Ende fehlte ihm wegen der Fünferkette die Unterstützung von den Flügeln.»
Harry Kane hatte es gegen Chiellini und Bonucci wirklich nicht leicht.
Harry Kane hatte es gegen Chiellini und Bonucci wirklich nicht leicht.
Bild: keystone

... die englischen Penalty-Schützen:

«Es war hart, Saka als letzten Schützen schiessen zu lassen. Es ist zu viel für einen Teenager, eine solche Last auf den Schultern tragen zu müssen. Aber ich weiss nicht, ob Gareth Southgate wirklich etwas dafür kann. Denn in solchen Situationen passiert es immer wieder, dass Spieler, die Verantwortung übernehmen sollten, sich drücken. Egal, ob du ein grosser Penaltyschütze bist oder nicht, in solchen Situationen musst du als Führungsspieler hinstehen. Wo war Sterling? Wo war Stones? Wo war Shaw? Und wieso standen Henderson und Walker nicht mehr auf dem Platz? Das habe ich nicht verstanden. Aber ich bin kein Penalty-Experte. Ich habe so viele Elfmeterschiessen verloren. Am Ende bleibt es immer eine Lotterie.»

... den besten Spieler der EM:

«Vor dem Penaltyschiessen war mein Spieler des Turniers Kyle Walker. Er war schlicht phänomenal – von der ersten Minute des Wettbewerbs bis zu seiner Auswechslung im Final. Ich kann mich nicht erinnern, dass er auch nur einen Zweikampf verloren hat. Vielleicht ging er nicht so oft in die Offensive wie bei Manchester City, aber das war der Taktik geschuldet. Wenn ich einen Spieler als ‹Tier› bezeichne, ist das das grösste Kompliment, dass ich geben kann. Kyle Walker – ein absolutes ‹Tier›.

Nach dem Penaltyschiessen war es Gianluigi Donnarumma, weil er den letzten Penalty gehalten hat und ich mich im ganzen Turnier an keinen Fehler von ihm erinnern kann. Seine Penalty-Paraden waren aber nicht herausragend, denn die Elfmeter waren wirklich schlecht geschossen. Die Parade des Turniers war deshalb diejenige von Jordan Pickford gegen Jorginho. Denn einen Penalty von ihm zu halten, ist unglaublich schwierig. Du weisst nicht, was du machen sollst, denn der Ball kann überallhin kommen.»
Von Kyle Walker war Mourinho besonders beeindruckt.
Von Kyle Walker war Mourinho besonders beeindruckt.
Bild: keystone

... das Frankreich-Aus gegen die Schweiz:

«Frankreich hätte die Möglichkeit gehabt, erneut zu triumphieren und nach dem WM-Titel auch Europameister zu werden. Aber weil die Franzosen arrogant waren, haben sie diese Chance leichtfertig verspielt. Da ist so viel Potenzial in dieser Mannschaft, so viele Talente. Kein Vergleich zu anderen Nationen. Frankreich hat das bessere Kader als England, das bessere Kader als Italien.

Aber der Fussball hat die Franzosen bestraft – und zwar zu Recht. Gegen die Schweiz drehten sie das Spiel in absolut fantastischen zwanzig Minuten. Das war der beste Fussball, den ich an diesem Turnier gesehen habe. Aber wie sie das gefeiert haben, war schlicht arrogant. Dann der Last-Minute-Wechsel Sissoko für Griezmann von Deschamps – er hat nie daran gedacht, dass es noch eine Verlängerung geben könnte.

Frankreich muss sich an der eigenen Nase nehmen, sie waren das beste Team des Turniers.»

... die EM-Leistungen von Luke Shaw, den Mourinho bei ManUnited links liegen liess:

«Ich versuche immer, eine gewisse Empathie mit meinen Spielern herzustellen. Ihnen aufzuzeigen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen, um das Beste aus ihnen herauszukitzeln. Damit bin ich manchmal erfolgreich und manchmal nicht. Mit Empathie funktioniert das aber nicht immer, manchmal geht es mit etwas Reibung und Druck besser. Vielleicht war ich etwas zu hart mit ihm, vielleicht war er auch nicht bereit für das. Für seine EM-Auftritte kann ich ihm nur gratulieren. Er war wirklich gut. Aber ich glaube weiterhin, dass er noch mehr Potenzial hat »

(pre)

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