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Teilzeitarbeit in der Schweiz: Wer warum das Pensum reduziert

Mitarbeitende von Taskbase arbeitet am Computer an der Entwicklung und Verbesserung der Taskbase-Software, fotografiert am Dienstag, 24. Februar 2026 in Zuerich. Die Taskbase AG ist ein auf Bildungste ...
Fast 40 Prozent der Schweizer Erwerbstätigen verzichten derzeit auf ein 100-Prozent-Pensum. Bild: keystone

Die Schweiz ist ein Land der Teilzeitarbeit – wer warum das Pensum reduziert

Das 100-Prozent-Pensum verliert an Boden: Vier von zehn Erwerbstätigen arbeiten heute Teilzeit. Doch die Verteilung ist ungleich – entscheidend sind oft Geschlecht, Beruf sowie die aktuelle Lebensphase.
06.05.2026, 08:5806.05.2026, 10:58

Wie viele Teilzeit arbeiten

Teilzeitarbeit ist aus dem Schweizer Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken. In den letzten Jahren entschieden sich immer mehr Erwerbstätige für ein reduziertes Pensum. 2024 arbeiteten gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) 1,9 Millionen Erwerbstätige in einem Teilzeitpensum. Zwischen 1991 und 2024 ist die Teilzeitquote um 13 Prozentpunkte auf 38,4 Prozent gewachsen.

Zwischen 1991 und 2025 ist die Teilzeitarbeit während zwei Jahrzehnten sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gestiegen. Seither hat sie sich bei den Frauen stabilisiert und bei den Männern ist sie weiter angestiegen. Bei Frauen ist die Zunahme ausschliesslich auf Beschäftigungsgrade zwischen 50 und 89 Prozent zurückzuführen. Bei Männern stiegen auch Beschäftigungsgrade unter 50 Prozent an.

Wer Teilzeit arbeitet

Die Familiensituation übt bei Frauen einen grossen Einfluss auf den Beschäftigungsgrad aus. So sind 74,9 Prozent der Mütter mit Kind im Haushalt teilzeiterwerbstätig (gegenüber 14,3 Prozent der Väter in derselben Situation).

Unabhängig vom Geschlecht sinkt der Teilzeitanteil tendenziell mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes: Bei Vätern von 16,4 Prozent bei jüngstem Kind unter 4 Jahren auf 10,0 Prozent bei jüngstem Kind zwischen 13 und 17 Jahren. Bei Frauen entspricht der höchste Wert 79,2 Prozent, wenn das jüngste Kind zwischen 4 und 12 Jahren alt ist, und er sinkt auf 66,1 Prozent mit jüngstem Kind zwischen 18 und 24 Jahren.

Auch in den verschiedenen Altersgruppen gibt es Unterschiede bei der Teilzeitarbeit. Diese nimmt mit dem Alter zu: Während bei den 15- bis 24-Jährigen rund 28 Prozent Teilzeit arbeiten, sind es bei den 55- bis 64-Jährigen fast 43 Prozent.

Deutliche Unterschiede beim Beschäftigungsgrad finden sich auch je nach ausgeübtem Beruf. Besonders häufig wird Teilzeit in Dienstleistungsberufen und im Verkauf sowie bei Hilfsarbeitskräften gearbeitet: In beiden Berufshauptgruppen arbeitet mehr als jede zweite Person Teilzeit. Auch in intellektuellen und wissenschaftlichen Berufen sowie bei Bürokräften ist Teilzeitarbeit mit Anteilen von über 40 Prozent verbreitet.

Demgegenüber sind Teilzeitpensen bei Bedienenden von Anlagen sowie in Montageberufen deutlich seltener anzutreffen: Hier liegt der Anteil bei rund 20 Prozent. Am wenigsten verbreitet ist Teilzeitarbeit in Handwerksberufen mit 15 Prozent. Auch Führungskräfte arbeiten eher selten Teilzeit.

Die Gründe für Teilzeitarbeit

Die Gründe für einen reduzierten Beschäftigungsgrad sind zwischen den Geschlechtern sehr unterschiedlich verteilt. 2024 wurde von den Frauen am häufigsten die Kinderbetreuung als Teilzeitgrund genannt (32,3 Prozent der teilzeiterwerbstätigen Frauen; Männer: 11,8 Prozent).

«Andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen» sind bei Frauen ebenfalls deutlich stärker verbreitet als bei Männern (11,8 Prozent gegenüber 3,8 Prozent). Männer nennen im Gegenzug doppelt so oft die «Aus- und Weiterbildung» als Teilzeitgrund (14,0 Prozent gegenüber 7,7 Prozent bei den Frauen).

Die Schweiz im internationalen Vergleich

Im europäischen Vergleich nimmt die Schweiz bezüglich Teilzeiterwerbstätigkeit eine Spitzenposition ein. Mit einer Teilzeitquote von 41,5 Prozent wird sie nur von den Niederlanden mit 42,8 Prozent übertroffen. Im europäischen Schnitt arbeiten 18,7 Prozent der Erwerbstätigen Teilzeit.

In den Nachbarländern der Schweiz ist Teilzeit sehr unterschiedlich verbreitet. In Österreich (31,3 Prozent) und Deutschland (30,6 Prozent) arbeitet etwas weniger als ein Drittel der Erwerbstätigen Teilzeit, in Frankreich (17,5 Prozent) und Italien (17,0 Prozent) sind es deutlich weniger. Die tiefsten Werte verzeichnen Bulgarien (1,7 Prozent), Rumänien (3,2 Prozent), Kroatien (3,8 Prozent) und die Slowakei (4,6 Prozent).

Während viele Menschen in der Schweiz ihr Pensum freiwillig reduzieren, gibt es auch solche, die in der Statistik als unterbeschäftigt gelten. Das sind Personen, die mehr arbeiten möchten und die innerhalb von drei Monaten für einen höheren Beschäftigungsgrad verfügbar wären. Das sind in der Schweiz immerhin 254'000 Personen. Auch hier sind vor allem Frauen betroffen.

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294 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Wolf von Sparta
06.05.2026 11:32registriert Februar 2019
Früher galt halt das Versprechen "Wenn man hart arbeitet, kann man sich ein Haus bauen und Familie ernähren". Die Schere zwischen EK und Immopreisen ist mittlerweile massiv auseinander geklafft! Zudem kickt die Inflation, man arbeite viel aber es bleibt Ende Monat wenig übrig. Lieber investiert man in die Lebensqualität im Hier und Jetzt. Die Zeit für Hobbys, Freunde, Familie und psychische Gesundheit wird höher gewertet als paar Hundert Franken mehr. Es herrscht eine grössere Sensibilität für mentale Gesundheit.
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Non Refundum
06.05.2026 12:30registriert August 2023
Ich habe schlicht und einfach keine Lust mehr auf eine Vollzeitbeschäftigung. Das Rattenrennen hab ich 20+ Jahre mitgemacht und es hat seinen Tribut gekostet. Mit zunehmendem Alter wird Beruf und Karriere immer weniger wichtig und die eigene Zeit immer wertvoller, auch weil man sich bewusst wird, dass einem immer weniger Zeit (in Gesundheit) verbleibt. Daher habe ich kurz nach dem 40. Lebensjahr kontinuierlich mein Pensum reduziert und habe dies noch keine einzigen Tag bereut. Das Gegenteil ist eher der Fall. Ich bereue es, dass ich nicht früher damit angefangen habe.
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_Momo_
06.05.2026 12:00registriert August 2025
Ich arbeite im 3 Schichtdienst. Früher, als ich noch jung war, konnte ich das gut verkraften, heute mit ü50 nicht mehr. Daher Arbeite ich ‚nur‘ noch 80%. Mir hilft dieser zus. Erholungstag sehr.
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