Die Schweiz ist ein Land der Teilzeitarbeit – wer warum das Pensum reduziert
Wie viele Teilzeit arbeiten
Teilzeitarbeit ist aus dem Schweizer Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken. In den letzten Jahren entschieden sich immer mehr Erwerbstätige für ein reduziertes Pensum. 2024 arbeiteten gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) 1,9 Millionen Erwerbstätige in einem Teilzeitpensum. Zwischen 1991 und 2024 ist die Teilzeitquote um 13 Prozentpunkte auf 38,4 Prozent gewachsen.
Zwischen 1991 und 2025 ist die Teilzeitarbeit während zwei Jahrzehnten sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gestiegen. Seither hat sie sich bei den Frauen stabilisiert und bei den Männern ist sie weiter angestiegen. Bei Frauen ist die Zunahme ausschliesslich auf Beschäftigungsgrade zwischen 50 und 89 Prozent zurückzuführen. Bei Männern stiegen auch Beschäftigungsgrade unter 50 Prozent an.
Wer Teilzeit arbeitet
Die Familiensituation übt bei Frauen einen grossen Einfluss auf den Beschäftigungsgrad aus. So sind 74,9 Prozent der Mütter mit Kind im Haushalt teilzeiterwerbstätig (gegenüber 14,3 Prozent der Väter in derselben Situation).
Unabhängig vom Geschlecht sinkt der Teilzeitanteil tendenziell mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes: Bei Vätern von 16,4 Prozent bei jüngstem Kind unter 4 Jahren auf 10,0 Prozent bei jüngstem Kind zwischen 13 und 17 Jahren. Bei Frauen entspricht der höchste Wert 79,2 Prozent, wenn das jüngste Kind zwischen 4 und 12 Jahren alt ist, und er sinkt auf 66,1 Prozent mit jüngstem Kind zwischen 18 und 24 Jahren.
Auch in den verschiedenen Altersgruppen gibt es Unterschiede bei der Teilzeitarbeit. Diese nimmt mit dem Alter zu: Während bei den 15- bis 24-Jährigen rund 28 Prozent Teilzeit arbeiten, sind es bei den 55- bis 64-Jährigen fast 43 Prozent.
Deutliche Unterschiede beim Beschäftigungsgrad finden sich auch je nach ausgeübtem Beruf. Besonders häufig wird Teilzeit in Dienstleistungsberufen und im Verkauf sowie bei Hilfsarbeitskräften gearbeitet: In beiden Berufshauptgruppen arbeitet mehr als jede zweite Person Teilzeit. Auch in intellektuellen und wissenschaftlichen Berufen sowie bei Bürokräften ist Teilzeitarbeit mit Anteilen von über 40 Prozent verbreitet.
Demgegenüber sind Teilzeitpensen bei Bedienenden von Anlagen sowie in Montageberufen deutlich seltener anzutreffen: Hier liegt der Anteil bei rund 20 Prozent. Am wenigsten verbreitet ist Teilzeitarbeit in Handwerksberufen mit 15 Prozent. Auch Führungskräfte arbeiten eher selten Teilzeit.
Die Gründe für Teilzeitarbeit
Die Gründe für einen reduzierten Beschäftigungsgrad sind zwischen den Geschlechtern sehr unterschiedlich verteilt. 2024 wurde von den Frauen am häufigsten die Kinderbetreuung als Teilzeitgrund genannt (32,3 Prozent der teilzeiterwerbstätigen Frauen; Männer: 11,8 Prozent).
«Andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen» sind bei Frauen ebenfalls deutlich stärker verbreitet als bei Männern (11,8 Prozent gegenüber 3,8 Prozent). Männer nennen im Gegenzug doppelt so oft die «Aus- und Weiterbildung» als Teilzeitgrund (14,0 Prozent gegenüber 7,7 Prozent bei den Frauen).
Die Schweiz im internationalen Vergleich
Im europäischen Vergleich nimmt die Schweiz bezüglich Teilzeiterwerbstätigkeit eine Spitzenposition ein. Mit einer Teilzeitquote von 41,5 Prozent wird sie nur von den Niederlanden mit 42,8 Prozent übertroffen. Im europäischen Schnitt arbeiten 18,7 Prozent der Erwerbstätigen Teilzeit.
In den Nachbarländern der Schweiz ist Teilzeit sehr unterschiedlich verbreitet. In Österreich (31,3 Prozent) und Deutschland (30,6 Prozent) arbeitet etwas weniger als ein Drittel der Erwerbstätigen Teilzeit, in Frankreich (17,5 Prozent) und Italien (17,0 Prozent) sind es deutlich weniger. Die tiefsten Werte verzeichnen Bulgarien (1,7 Prozent), Rumänien (3,2 Prozent), Kroatien (3,8 Prozent) und die Slowakei (4,6 Prozent).
Während viele Menschen in der Schweiz ihr Pensum freiwillig reduzieren, gibt es auch solche, die in der Statistik als unterbeschäftigt gelten. Das sind Personen, die mehr arbeiten möchten und die innerhalb von drei Monaten für einen höheren Beschäftigungsgrad verfügbar wären. Das sind in der Schweiz immerhin 254'000 Personen. Auch hier sind vor allem Frauen betroffen.
