Schweiz
Arbeitswelt

Teilzeit in der Schweiz: Arbeitgeberverband veröffentlicht neue Analyse

Ältere Arbeitnehmer arbeiten in der Schweiz lieber teilzeit als jüngere.
Besonders ältere Generationen arbeiten häufig lieber in einem Teilzeitpensum.Bild: Shutterstock

Arbeitgeberverband: Besonders Menschen über 50 haben keine Lust auf Vollzeitarbeit

17.04.2026, 13:5717.04.2026, 13:57

Die Generation Z sieht sich häufig mit dem Vorwurf der Faulheit konfrontiert. Dieser beruht oft auf dem Befund, dass diese Altersklasse in der Schweiz besonders häufig in einem Teilzeitpensum tätig ist. Nun zeichnet eine Analyse des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV), die dem «Blick» vorliegt, aber ein anderes Bild: Es sind besonders die über 50-Jährigen, die lieber Teilzeit arbeiten.

«Das grösste ungenutzte Arbeitskräftepotenzial durch Lifestyle-Teilzeit liegt bei den über 50-Jährigen. Sie arbeiten am häufigsten in einem reduzierten Pensum, weil sie keine Lust auf Vollzeit haben», sagt SAV-Chefökonom Patrick Chuard-Keller der Zeitung.

Das sagen die Zahlen

Diese Analyse beruht auf der Arbeitskräfteerhebung des Bundesamts für Statistik von 2024. Demnach steigt der Anteil derer, die kein Interesse an einer Vollzeitstelle haben, ab 50 Jahren rasant an. Unter den 55- bis 59-Jährigen gaben bereits 11 und bei den 60- bis 64-Jährigen sogar 13 Prozent der Befragten an, kein Interesse an einer Vollzeitstelle zu haben.

Dieser Anteil liegt bei den 15- bis 19-Jährigen bei 3 und bei den 20- bis 24-Jährigen bei 2 Prozent. Der Grund liegt laut Chuard-Keller auf der Hand: «Man muss sich ein Teilzeitpensum leisten können. Und das trifft auf die Gruppe der über 50-Jährigen öfter zu. Sie verdienen im Schnitt mehr und haben ein grösseres Vermögen.»

Der Begriff «Lifestyle-Teilzeit»
Die Bezeichnung der «Lifestyle-Teilzeit» geht auf eine Debatte aus Deutschland zurück. So bezeichneten Vertreter des CDU-Wirtschaftsflügels Personen, die aus «eigennützigen Gründen» auf ein Vollzeitpensum verzichteten, als «Lifestyle-Teilzeitler». Nach heftiger Kritik aus den eigenen Reihen strich die CDU den Begriff aus einem politischen Antrag.

Ausbildung und Kinderbetreuung

Der am häufigsten genannte Grund für ein Teilzeitpensum ist unter jungen Menschen aber die Ausbildung. Bei den 20- bis 24-Jährigen geben 22 Prozent diesen Grund an.

Die Unterschiede in den Gründen für die Teilzeitarbeit unter den Geschlechtern.

Bei den 30- bis 34-Jährigen hingegen ist die Kindererziehung häufig (14 Prozent) der Grund, warum sie Teilzeit arbeiten. Dieser Anteil wächst bei den 35- bis 44-Jährigen sogar noch auf 22 Prozent an. Frauen nennen diesen Grund dreimal häufiger als Männer.

Durch alle Altersklassen hindurch geben etwa 2 bis 3 Prozent den Grund an, dass sie schlichtweg keine Vollzeitstelle gefunden haben.

Die Frage der Moral

«Es geht nicht darum, mit dem moralischen Zeigefinger auf Menschen in Lifestyle-Teilzeit zu zeigen», sagt Chuard-Keller vom Arbeitgeberverband zum «Blick». Dennoch habe die Entscheidung, nur in einem Teilzeitpensum arbeiten zu wollen, einen Einfluss auf die Gesellschaft: «Hier geht es ein Stück weit auch um Fairness, wenn Menschen bewusst weniger leisten, als sie könnten.»

Dem widersprechen Arbeitnehmerverband und auch Arbeitsmarktforscherin Karin Schwiter. «Die reguläre Wochenarbeitszeit liegt in der Schweiz bei 42 Stunden, deutlich höher als in vielen anderen Ländern», sagt Schwiter im Februar zur Erhebung. «Gerade in den anspruchsvollen sozialen Berufen entscheiden sich deshalb viele für Teilzeit.»

Zudem sei die Schweiz in der Frage der Kinderbetreuung immer noch stark auf das Eineinhalb-Verdiener-Modell ausgerichtet: «Der Entscheid für Teilzeit ist aber nicht völlig freiwillig. Schulen schliessen am Mittag, Nachmittage bleiben frei, Betreuung ist teuer oder fehlt.» (leo)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
55 Perfektionisten bei der Arbeit: Besser geht nicht
1 / 57
55 Perfektionisten bei der Arbeit: Besser geht nicht
Dieser Förster hat was drauf! (via boredpanda)
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wohlstandsverwahrlosung per se, diese Teilzeitarbeit
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
130 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Ameo
17.04.2026 14:06registriert Oktober 2025
Ich arbeite um mein Leben zu finanzieren. Wenn ich dies mit Teilzeit kann, mehr Erholung und Freizeit habe, dann ist es doch einfach menschlich nicht mehr zu arbeiten als ich muss.
1447
Melden
Zum Kommentar
avatar
Fred_64
17.04.2026 14:43registriert Dezember 2021
Perfekte, und peinliche, Selbstdarstellung vom Schweizerischen Arbeitgeberverband:
"Das grösste ungenutzte Arbeitskräftepotenzial durch Lifestyle-Teilzeit liegt bei den über 50-Jährigen".
"Hier geht es ein Stück weit auch um Fairness, wenn Menschen bewusst weniger leisten, als sie könnten"
Wir sind nur Arbeitspotential für diese Abzocker und nun kommen die mit Fairness, also genau das was sie schon lange nicht mehr sind.
1323
Melden
Zum Kommentar
avatar
Frankygoes
17.04.2026 14:39registriert März 2019
Hähähä.. "Es geht nicht darum, den moralischen Zeigfinger zu erheben, ABER...."

..bin gespannt auf die nächste Studie des Arbeitgeberverbandes:

"Studie deckt auf: Angestellte verlangen Lohn!"
1244
Melden
Zum Kommentar
130
Tricksende Spitex: Kanton Zürich genehmigt falsche Abrechnung
Für die Angehörigenpflege gelten seit Januar neue Tarife. Pflegewegweiser wollten diese umgehen. Jetzt reagiert die zuständige Gesundheitsdirektion.
Solch dreistes Vorgehen ist für Schweizer Verhältnisse unüblich: Die Spitexorganisation Pflegewegweiser, die sich auf die Anstellung pflegender Angehöriger spezialisiert hat, teilte letzte Woche per Brief an alle Zürcher Gemeinden mit, dass sie sich über die Tarife der kantonalen Gesundheitsdirektion hinwegsetzt.
Zur Story