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Lee Kuan Yew (1923-2015)
quelle: x00514 / reuters tv
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Visionär und Übervater: Singapurs Staatsgründer Lee Kuan Yew ist tot



Staatsgründer Lee Kuan Yew hat aus dem Nest Singapur eines der reichsten Finanzzentrum gemacht. Gegner bekämpfte er scharf. Zu seinem Erbe zählt bis heute, das selbst Kaugummi-Kauer hart bestraft werden. Ein Porträt.

Der winzige Stadtstaat Singapur nahe dem Äquator ist ohne Lee Kuan Yew undenkbar. Der smarte Jurist mit Studienabschluss aus Cambridge hat die kleine ärmliche Insel erst in die Unabhängigkeit von den Briten und dann in die Spitzengruppe internationaler Finanzzentren geführt. 

31 Jahre lenkte er als Regierungschef selbst die Geschicke. Dann sass er noch 20 Jahre als wichtigster Chefberater mit am Kabinettstisch. Seit 2004 ist sein Sohn Lee Hsien Loong Regierungschef. Noch im hohen Alter funkelte seine intellektuelle Brillanz durch. Lee starb am Montag im Alter von 91 Jahren.

Sorge um Untergang

Lee senior machte das rohstoffarme Singapur mit heute 5.4 Millionen Einwohnern zwar zum Exzellenzzentrum für Logistik, für Gen-Forschung, für Nano-Technologie und die Finanzwirtschaft. Das Land hat heute eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Aber Lee trieb immer die Sorge, sein «Baby» könnte doch noch untergehen.

«Auf was ist Singapur schon gebaut?» fragte er etwa. «700 Quadratkilometer und jede Menge clevere Ideen, die bislang funktioniert haben - aber das könnte alles schnell den Bach hinunter gehen.» Mit dieser Sorge im Nacken dirigierte er das Land mit fester Hand.

Seine Partei ist seit der Unabhängigkeit an der Macht, und hält mehr als 90 Prozent der Sitze. Die Medien sind nicht frei, Demonstrationen verboten. Die Regierungspartei kann Wahlkreise nach Belieben umformen.

«Ehrlich, effektiv, effizient»

«Ein Autokrat» war die freundlichste Charakterisierung seiner Kritiker. «Im Westen schätzt man die Freiheiten des Einzelnen. Aber als Asiat mit chinesischen Wurzeln sind meine Werte: eine gute Regierung, ehrlich, effektiv und effizient», sagte er einmal.

Mit Leuten, die seine Vision nicht teilten, machte er kurzen Prozess. Er zog gegen viele politische Gegner mit Verleumdungsklagen ins Feld. Sie zogen unter den Singapurer Gesetzen stets den Kürzeren, bekamen Millionenstrafen aufgebrummt, gingen bankrott und konnten so nicht mehr für politische Ämter antreten.

Es sei halt manchmal nötig, Oppositionspolitiker zu «vernichten», sagte Lee ohne Reue 2011. Die Regierung verhindere keine politische Konkurrenz. «Wir verhindern, dass Armleuchter ins Parlament oder die Regierung kommen.»

Bevormundender «Kindermädchenstaat»

In Lees Kleinstaat bleibt Homosexualität per Gesetz bis heute verboten, ebenso Kaugummi auf die Strasse zu spucken oder nackt in seiner eigenen Wohnung herumzuspazieren. Die Prügelstrafe gilt noch. «Kindermädchenstaat», der Bürger bevormundet - so wird das Land oft belächelt.

Doch Investoren kommen in Scharen. Mit null Toleranz für Korruption hat Lee Singapur zum bevorzugten Asienstandort zahlreicher internationaler Banken und Unternehmen gemacht.

Lees Tod dürfte das Land zu Reformen zwingen, schrieb Sally Andrews von der Universität Sydney jüngst in der Zeitschrift «The Diplomat». Zu Lebzeiten Lees sei die Dominanz seiner Partei PAP garantiert gewesen, aber: «neue Generationen werden den wirtschaftlichen Erfolg nicht mehr als Quelle der Legitimation nutzen können».

Wenn sie den Untergang des Regimes verhindern wollten, wäre es hilfreich, die politische Arena für Konkurrenten zu öffnen, argumentiert Andrews. (sda/dpa)

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