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Neuer Tiktok-Trend der USA: "Scientology-Run" geht als Challenge viral

Der Empfangsbereich, fotografiert in der neuen Scientology Kirche in Basel am Sonntag, 26. April 2015. Es handelt sich um die erste sogenannte Ideale Organisation (Ideale Org) in der Schweiz. (KEYSTON ...
Der Empfangsbereich der Scientology-Kirche in Basel.Bild: KEYSTONE

Scientology-Run geht auf Tiktok viral: Was steckt dahinter?

Diese Tiktok-Challenge aus den USA polarisiert: Junge Creator stürmen durch die Gebäude der Scientology-Kirche in Los Angeles. Was es mit dem Trend auf sich hat und ob sich die Teilnehmenden damit strafbar machen, liest du hier.
10.04.2026, 20:5510.04.2026, 20:55
Anika Bentley / watson.de

«Currently mastering free will» – der Versuch, die komplette Ausnutzung des freien Willens zu perfektionieren: Das steht in der Profilbeschreibung des Tiktokers Jayden («swhilley»), dessen Video über seinen «Scientology Run» bereits über 35 Millionen Aufrufe erhalten hat.

Ein «Scientology Run» beschreibt die Challenge, so tief wie möglich in ein Gebäude der Scientology-Kirche einzudringen. Nachdem die Teilnehmenden zunächst freundlich die Mitarbeitenden am Empfang begrüssen, sprinten sie an ihnen vorbei, um in den für Nicht-Mitglieder eigentlich unzugänglichen Teil des Gebäudes zu gelangen.

Dabei weichen sie den Hinderungsversuchen der Mitglieder aus, verlassen aber nach einer klaren Aufforderung das Gebäude.

Jayden ist nicht der Erste, der sich an der Challenge probiert. Ein Nutzer mit dem Namen «5.0arrodo» hat Ende März 2026 ein Video mit dem Titel «Maniac 16 year old infiltrates the Church of Scientology» hochgeladen, also: Verrückter 16-Jähriger stürmt Scientology-Kirche.

Darin fährt er auf einem Skateboard zum Gebäude der Organisation am Hollywood-Boulevard in Los Angeles, rennt an der Frau am Eingang vorbei und ruft dabei selbst «Get out!» («Verschwinde!»), während er von einem Mitarbeiter schliesslich eingeholt und zur Hintertür begleitet wird. Das Video erzielte auf Tiktok über 39 Millionen Aufrufe.

Die User in den Kommentaren befürworten die Aktionen. «Schon irgendwie respektlos – aber ich liebs», schreibt eine Nutzerin. Zuschauerinnen und Zuschauer scherzen weiter: «Der Bruder ist so weit gekommen, dass er beinahe Tom Cruise getroffen hätte!»

Tom Cruise ist ein populäres Mitglied von Scientology

«Mission Impossible»-Schauspieler Tom Cruise ist unter anderem für seine Mitgliedschaft in der Scientology-Kirche bekannt. Er ist 1986 beigetreten und lässt laut Stern seitdem keine Gelegenheit aus, um für die Organisation Werbung zu machen.

Weitere bekannte Mitglieder von Scientology sind unter anderem die Schauspiel-Stars John Travolta («Pulp Fiction») und Elisabeth Moss («The Handmaid's Tale»).

Warum ist Scientology kontrovers?

Scientology ist eine Organisation, die sich als eigene Religion versteht. Sie geht davon aus, dass Menschen unsterbliche geistige Wesen sind, die sich von weltlichen Schmerzen reinigen können, indem sie von der Organisation angebotene Seminare besuchen.

Besonders diese Seminare sowie der Aufstieg innerhalb der Gemeinschaft sind laut der Sekten-Informationsstelle in Nordrhein-Westfalen sehr kostspielig.

Der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg ordnet die Religionsgemeinschaft als kritisch ein. Innerhalb der Organisation werden demnach hierarchische Machtstrukturen, ein politischer Machtanspruch, eine starke Überwachung der Mitglieder und eine Verunglimpfung der Demokratie beobachtet. Deswegen bezeichnen Kritikerinnen und Kritiker von Scientology die Organisation auch als Sekte.

Ist ein «Scientology Run» strafbar?

Die Teilnahme an der Challenge bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Als Hausfriedensbruch gilt das Eindringen der Gebäude erst, wenn Aussenstehende der Organisation sich in nicht mehr öffentlich zugänglichen Bereich bewegen.

Sollten also Absperrungen ignoriert oder geschlossene Türen passiert werden, kann das in Deutschland als Hausfriedensbruch gewertet werden. Eindeutig wird es, wenn die Teilnehmenden die Aufforderung ignorieren, das Gebäude zu verlassen.

In Kalifornien greift das Gesetz strenger: Schon das unbefugte Betreten der Bereiche hinter dem Empfang und dem Informationscenter kann als Hausfriedensbruch gewertet werden, auch ohne die vorherige Aufforderung zu gehen.

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quelle: keystone / massimo percossi
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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Linda Diaz
11.04.2026 06:59registriert Januar 2020
Es ist ja schon seit Jahren bekannt, dass Social Media - Hirnmasse abbaut! Also ganz unerwartet kommt der neueste Trend nicht🤗
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