Tennis
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epa07515775 Novak Djokovic of Serbia reacts during his quarterfinal match against Daniil Medvedev of Russia at the Monte-Carlo Rolex Masters tournament in Roquebrune Cap Martin, France, 19 April 2018.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Novak Djokovic setzte auf den falschen Freund. Bild: EPA/EPA

Stan Wawrinka stürzt Justin Gimelstob – jetzt gerät Novak Djokovic in Erklärungsnot

Der wegen schwerer Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilte Justin Gimelstob tritt per sofort als Spielervertreter aus dem ATP-Board aus. Der Amerikaner galt als aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge als Präsident der ATP. Doch die Situation bleibt verworren.

simon häring / ch media



Noch am Dienstag kämpfte Justin Gimelstob einen Kampf, den er nicht gewinnen konnte. Über seinen Anwalt informierte er die Vertreter in den Führungsgremien der ATP über die «ganze Wahrheit». Er verstrickte sich dabei in juristische Wortklaubereien, die seiner Glaubwürdigkeit wenig zuträglich waren. Demnach habe er nur nicht auf «nicht schuldig» plädiert, um den Fall nicht in die Länge zu ziehen. Als Schuldeingeständnis wollte er das nie verstanden haben.

Der 42-jährige Amerikaner hatte in der Halloween-Nacht 2018 seinen Nachbarn Randall Kaplan mit über 50 Schlägen gegen den Kopf traktiert. Kaplan ist bis heute nicht arbeitsfähig. Seine damals schwangere Frau, die tatenlos zuschauen musste, hatte in der Folgewoche aufgrund des traumatischen Erlebnisses eine Fehlgeburt erlitten. Das Urteil: Drei Jahre Haft auf Bewährung, 60 Tage gemeinnützige Arbeit und eine Therapie zur Aggressionsbewältigung.

Das Schreiben von Justin Gimelstobs Anwalt.

Rückhalt von Djokovic und Pospisil

Justin Gimelstob ist einer von drei Spielervertretern im ATP-Board und damit mitverantwortlich dafür, dass der Ende Jahr auslaufende Vertrag des bei vielen Spielern beliebten Präsidenten Chris Kermode nicht verlängert wird. Bisher galt Gimelstob als einziger und aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge. Er genoss auch den Rückhalt von Novak Djokovic, dem Präsidenten des Spielerrats, und anderen Mitstreitern im Players Council.

FILE - In this July 23, 2008, file photo, Justin Gimelstob, then a member of Kastles' World Team Tennis, smiles during a match in Washington. Now a tennis broadcaster and coach, Gimelstob pleaded no contest to misdemeanor assault for attacking a former friend in Los Angeles on Halloween 2017. The district attorney's office says the 42-year-old former pro player was sentenced Monday, April 22, 2019, to three years of probation, 60 days of community service and a year's worth of anger management classes. (AP Photo/Lawrence Jackson, File)

Tritt per sofort zurück: Justin Gimelstob. Bild: AP/AP

Als Reaktion auf das Urteil hatten aber sich zahlreiche Spieler dezidiert gegen Gimelstob ausgesprochen. Am deutlichsten wurde Stan Wawrinka: «Wir Spieler müssen uns auflehnen. Justin Gimelstob wurde wegen Körperverletzung verurteilt. Es kann nicht sein, dass wir solches Verhalten tolerieren.» Der Romand forderte die Absetzung Gimelstobs durch den Spielerrat. «Wir müssen diese beschämende Schauspiel in unserem Sport beenden.»

Sofortiger Rücktritt aus dem ATP-Board

Nun zog Gimelstob überraschend selbst die Konsequenzen und tritt per sofort von seinem Amt zurück. Er wolle damit das Tennis aus der Schusslinie nehmen, sagte er telefonisch zur «New York Times»: «Ich übernehme die Verantwortung für meine Fehler und das, was in der Halloween-Nacht geschehen ist.» Er ziehe deshalb seine Kandidatur für die Wahlen vom 14. Mai zurück und gebe sein Amt vorzeitig ab, um seine persönliche Situation zu klären.

epa07510313 Novak Djokovic of Serbia in action during his second round match against Philipp Kohlschreiber of Germany at the Monte-Carlo Rolex Masters tournament in Roquebrune Cap Martin, France, 16 April 2019.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Gimelstob hätte Djokovic als verlängerter Arm dienen sollen. Bild: EPA/EPA

Gimelstob befindet sich derzeit in Madrid, wo er seinen engen Vertrauten Novak Djokovic persönlich über seine Entscheidung informierte. Der Serbe gilt als Drahtzieher hinter der Absetzung Kermodes und wollte Gimelstob als verlängerten Arm in der Machtzentrale des Tennis installieren. «Ich wollte Novak in die Augen schauen und ihm die beiden wichtigsten Dinge mitteilen: Ich wollte ihm danken für sein Vertrauen und mich entschuldigen.»

Klärungsbedarf mit Federer und Nadal

Der zweifache Grand-Slam-Sieger im Mixed vertritt die Region Nordamerika seit 2008 im ATP-Board. Eine weiter Kammer mit drei Mitgliedern besteht aus den Turnierdirektoren. Gimelstob hat sich in seiner Amtszeit bei der Erhöhung von Preisgeldern verdient gemacht und genoss deshalb bei vielen Spielern ein hohes Ansehen. Viele Spieler wie Vasek Pospisil, der ebenfalls im Spielerrat sitzt, gewichteten diese Verdienste höher als die persönlichen Verfehlungen.

Mit seiner Entschuldigung bei Novak Djokovic bestätigte Gimelstob auch, was bisher als offenes Geheimnis galt: den Machtanspruch des Serben. Im Gegensatz zu Wawrinka und Andy Murray hat sich Djokovic nicht zum Urteil geäussert. Mit seiner Loyalität zu Gimelstob und der Opposition gegen Kermode hat der Serbe nicht nur Spielerkollegen wie Rafael Nadal und Roger Federer gegen sich aufgebracht, sondern hat nun auch eine Führungskrise zu verantworten.

Novak Djokovic als grosser Verlierer

Trotz des Rücktritts bleibt die Situation um den umtriebigen und gut vernetzten Gimelstob verworren. So wurde bekannt, dass Gimelstob zwar sein Amt als Kommentator beim «Tennis-Channel» niederlegt, mit der Firma «Without Limits Productions» aber die Produktionsrechte an der Sendung «ATP Uncovered» hält. Es erscheint zumindest fragwürdig, wie das mit seiner Rolle als Offizieller in einem Führungsgremium der Profi-Spielervereinigung vereinbar ist.

Dani Vallverdu, coach of Tomas Berdych of the Czech Republic watches the quarterfinal match against Rafael Nadal of Spain at the Australian Open tennis championship in Melbourne, Australia, Tuesday, Jan. 27, 2015. (AP Photo/Bernat Armangue)

Dani Vallverdu gilt als Kandidat für die Nachfolge im ATP-Board. Bild: AP/AP

Inzwischen haben zahlreiche Kandidaten ihr Interesse an einer Nachfolge im ATP-Board angemeldet. Unter ihnen die Ex-Profis Brad Gilbert und Tim Mayotte. Auch der Venezolaner Dani Vallverdu, ehemaliger Trainer von Andy Murray, Tomas Berdych und Grigor Dimitrov, gilt als Anwärter. Die Entscheidung über die Verteilung der Ämter fällt wohl am 14. Mai anlässlich des Masters-Turniers in Rom. An Gesprächsbedarf dürfte es in dieser Causa nicht mangeln.

Neben Justin Gimelstob geht Novak Djokovic als grosser Verlierer aus der Posse hervor. Er hatte über Monate und gegen den heftigen Widerstand von Roger Federer und Rafael Nadal die Absetzung Kermodes und die Installierung Gimelstobs orchestriert. Zudem verweigerte er als Präsident des Spielerrats mehrfach den Dialog mit den beiden Tennis-Ikonen. Djokovic, der seit Monaten in einer sportlichen Baisse steckt, dürfte in Madrid in Erklärungsnot geraten.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pasionaria 02.05.2019 02:59
    Highlight Highlight Dies alles erstaunt mich von der aktuellen, wenig bis gar nicht sympathischen Nr. 1 nicht.
    Sowieso störend, ja betrūblich an diesem Spielerrat, v.a. auch in den Zeiten mit unseren tennistechnisch brillianten Ikonen Federer und Nadal ist: sie haben grossen 'Verdienst' (?) daran, dass die enormen Preisgelder noch mehr, teilweise völlig krank, in schwindelnde Höhen getrieben wurden. Wobei sie sich selbst den grössten Dienst erwiesen.
    Die ausserhalb der top-100 kommen dabei immer noch äusserst schlecht weg. Dort, wo die Konkurrenz am härtesten ist.
    Wer kann da noch von > Verdienst sprechen?
  • DrFreeze 01.05.2019 23:23
    Highlight Highlight Man nannte Tennis einst mal den Gentlemen Sport, davon ist so gut wie nichts mehr übrig.
  • (M)eine Meinung 01.05.2019 22:57
    Highlight Highlight Geld und Einfluss hat nun verloren!!!!
  • Cas 01.05.2019 20:41
    Highlight Highlight "Ich übernehme die Verantwortung für meine Fehler" - wie generös...
  • De Flip 01.05.2019 17:57
    Highlight Highlight Er hat seine Schuld nicht eingestanden mit seinem Bekenntniss. Ist der andere 50 mal gegen seine Faust gerannt oder wie will er das erklären?
  • Reudiger 01.05.2019 17:52
    Highlight Highlight Ja klar Stan war es, der ihn "gestürzt" hat.. Wawrinka hatte zurecht seine Meinungs geäussert und einen guten Schritt getan. Aber ob es nun wirklich er war der alleinig ihn gestürzt hat, naja.
    • Zerschmetterling 01.05.2019 19:01
      Highlight Highlight Wenigstens hat er die Klappe aufgemacht, ganz im Gegenteil zu anderen ach so angepassten Spielern die sich lieber die Finger nicht verbrennen wollen...
    • bokl 01.05.2019 20:26
      Highlight Highlight Alleinig sicher nicht. Aber er war der "berühmte" Tropfen, welcher das Fass zum überlaufen gebracht hat. Es braucht viele Tropfen, sonst wird das Fass nicht voll. Aber Stan hat sich sehr klar geäussert und exponiert, da kann man ihm die Ehre des "entscheidenden Tropfens" durchaus zusprechen.

      Auch in der Hoffnung, dass auch bei ähnlichen Konflikten in der Zukunft nicht alle nur ihren PR-Berater die Kommunikation überlassen.
  • 123und456 01.05.2019 17:52
    Highlight Highlight Ob die sportliche Baisse wohl mit den Machtspielchen zusammenhängt?...

    Bis anhin war mir Nole ja durchaus sympathisch aber diese Story wirft ein etwas anderes Licht auf ihn...
    • Apfel Birne 01.05.2019 18:16
      Highlight Highlight Also mir war er noch nie sympathisch...
    • Pafeld 01.05.2019 21:32
      Highlight Highlight Seit Djokovic seinen Ernährungsplan veröffentlicht hat, der in erster Linie von einem verschwurbelten Guru basierend auf pseudomedizinischen Halbwahrheiten zusammengestellt wurde, wundert mich nicht mehr, dass Djokovic in einer "baisse" steckt.
  • Käpt'n Hinkebein 01.05.2019 17:40
    Highlight Highlight Wäre ja furchtbar langweilig, wenn nur die FIFA ein Scherbenhaufen wäre.
  • NocheineMeinung 01.05.2019 17:40
    Highlight Highlight Bravo Stan: Sieg in (oder mit) drei Sätzen!
    • Noodle 01.05.2019 18:01
      Highlight Highlight Yep - Stan the man👍
  • N. Y. P. 01.05.2019 17:40
    Highlight Highlight Nole,
    wieso du in Sachen Beliebtheit nie an Federer und Nadal herankommst?

    Eben !

    Genau wegen solcher Dinge !
  • salamandre 01.05.2019 17:39
    Highlight Highlight Wenn du einen Freund hast der 50 mal auf die Rübe eines Andern haut, solltest du diese Freundschaft überdenken oder mit ihm darüber ernsthaft darüber sprechen.
    • Thomas Oetjen 02.05.2019 10:42
      Highlight Highlight Es geht hier nicht um Freundschaften. Nicht im Geringsten. Es geht allein um Macht.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 01.05.2019 17:29
    Highlight Highlight Im Game of Thrones Gewinnt man...
    • Herr Ole 01.05.2019 17:41
      Highlight Highlight a) ...nicht
      b) ...nur, wenn man Drachen hat
      c) ...Senf

    • BerriVonHut 01.05.2019 18:08
      Highlight Highlight d) ...Bernie Sanders
    • Magenta 01.05.2019 18:12
      Highlight Highlight ... oder man stirbt.
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«Love is in the air» – Tenniswelt feiert die «Bromance» zwischen Federer und Nadal

Das Team Europe gewinnt auch die dritte Austragung des Laver Cups. Das von Björn Borg gecoachte Team setzte sich in der Genfer Palexpo-Halle gegen das Team World dank Siegen in den letzten beiden Einzeln mit 13:11 durch.

Einmal mehr war das Augenmerk auf die beiden GOAT des Tennis gerichtet: Roger Federer und Rafael Nadal haben an diesem Wochenende das nächste Kapitel in ihrer «Bromance» geschrieben, aber seht selbst.

(zap)

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