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epa05752041 Stan Wawrinka of Switzerland reacts during a press conference after loosing against Roger Federer of Switzerland in their Men's Singles semifinal match at the Australian Open Grand Slam tennis tournament in Melbourne, Victoria, Australia, 26 January 2017.  EPA/MADE NAGI

Stan Wawrinka stellt sich öffentlich gegen Justin Gimelstob. Bild: EPA

Stan Wawrinka übt scharfe Kritik: «Beendet dieses beschämende Schauspiel»

Vor einer Woche wurde Justin Gimelstob zu drei Jahren Haft auf Bewährung, 60 Tagen gemeinnütziger Arbeit und einer Aggressionsbewältigungstherapie verurteilt. Nun fordern erste Spieler die Absetzung des Amerikaners aus dem Führungsgremium der Profi-Vereinigung ATP.

simon Häring / ch media



Letzte Woche fällte ein Gericht in Los Angeles das folgenschwere Urteil gegen Ex-Tennis-Profi Justin Gimelstob. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Amerikaner seinen Nachbarn Randall Kaplan mit über 50 Schlägen gegen den Kopf verprügelt hat und dessen Frau als Folge des traumatischen Ereignisses eine Fehlgeburt erlitten hatte. Das Urteil: Drei Jahre Haft auf Bewährung, 60 Tage gemeinnützige Arbeit und eine Therapie zur Aggressionsbewältigung.

Das hat auch Folgen für den Tennis-Zirkus. Bisher galt der 42-Jährige als aussichtsreichster Kandidat für den ab Januar 2020 vakanten Posten des ATP-Präsidenten, nachdem der Vertrag des Briten Chris Kermode und unter anderem auf Bestreben von Novak Djokovic als Präsident des Spielerrats nicht verlängert wird. Gimelstob ist derzeit einer der drei Spielervertreter im ATP-Board, das die Nichterneuerung von Kermodes Vertrag mitzuverantworten hat.

Doch nun gilt Gimelstob, der als Spieler zwei Grand-Slam-Turniere im Mixed gewonnen hatte und zum Stab des bestklassierten Amerikaners, John Isner, gehört, als nicht mehr vermittelbar. So sagte der nach einer Hüftoperation rekonvalszente Andy Murray (32) im «Daily Telegraph»: «Nachdem, was passiert ist, halte ich es für ausgeschlossen, dass Justin Gimelstob in Zukunft in einer Position mit Einfluss oder im Management der ATP verbleibt.»

Nun schaltet sich auch Stan Wawrinka ein. Er schreibt: «Wir Spieler müssen uns auflehnen. Justin Gimelstob wurde wegen Körperverletzung verurteilt. Es kann nicht sein, dass wir solches Verhalten tolerieren.» Der 33-jährige Romand fordert den Spielerrat dazu auf, Gimelstob anlässlich der nächsten Tagung vom 14. Mai in Rom als Spielervertreter abzusetzen. «Wir müssen diese beschämende Schauspiel inunserem grossartigen Sport beenden.»

Kritik an Novak Djokovic

Schon Anfang Jahr hatte Wawrinka klar Position bezogen und dabei Spielerratspräsident Novak Djokovic öffentlich und hart für dessen Verfehlungen im Umgang mit anderen Spitzenspielern kritisiert. So hatte es der Serbe verpasst, Roger Federer und Rafael Nadal in der Frage nach der Zukunft Kermodes zu konsultieren. Der Brite genoss bei vielen Spielern grossen Rückhalt, auch bei Wawrinka, der sagte: «Es ist wichtig, dass er unser Präsident bleibt.»

Während Wawrinka sich dezidiert äussert, üben sich andere in Zurückhaltung. Rafael Nadal hüllte sich in Barcelona in Schweigen: «Ich sage nichts dazu.» Selbst die ATP bezog nicht Stellung. Sie schrieb: «Wir haben uns entschieden, erst den Prozess und das Urteil abzuwarten, bevor wir über seine Zukunft entscheiden. Da dieser Prozess nun abgeschlossen ist, werden wir am 14. Mai über Gimelstobs Rolle in der ATP entscheiden.» Vielen geht das zu wenig weit.

Gimelstob hält an Ambitionen fest

Inzwischen haben sich eine handvoll Kandidaten für Gimelstobs Posten im Spielerrat in Position gebracht. Es ist kaum davon auszugehen, dass er noch den nötigen Rückhhalt geniesst, obschon es Spieler gibt, die noch immer zu ihm halten. Unter anderem der Kanadier Vasek Pospisil, der wie Djokovic im Spielerrat sitzt. Dort herrscht offenbar die Meinung vor, Gimelstob habe positive Änderungen für die Spieler erwirkt. Das wiege die privaten Verfehlungen de 42-Jährigen auf.

FILE - In this July 23, 2008 file photo, Justin Gimelstob, then a member of Kastles' World Team Tennis, smiles during a match in Washington. Now a tennis broadcaster and coach, Gimelstob faces a felony assault charge following his Halloween night arrest for allegedly attacking former friend Randall Kaplan in Los Angeles. The 41-year-old former pro player is scheduled to appear in court Wednesday, Dec. 18, 2018. (AP Photo/Lawrence Jackson, File)

Gimbelstob weht eine steife Brise entgegen. Bild: AP/AP

Gimelstob, der auch für den «Tennis Channel» arbeitet, hat seine Ambitionen auf den Posten des ATP-Präsidenten indes noch längst nicht zu Grabe getragen. Gegenüber der «New York Times» sagte er kurz nach dem Schuldspruch: «Ich wäre nicht der Erste, der ein schwerwiegendes Problem hatte, (...) und danach in enorme Positionen von Verantwortung, Macht und Führung aufgestiegen ist. Das wäre eine meiner grössten und stolzesten Errungenschaften.»

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • manhunt 01.05.2019 09:53
    Highlight Highlight djokovic ist offenbar der erfolg zu kopf gestiegen. erst rechtfertigte er seine unterstützung von gimmelstob damit, dass dieser noch nicht verurteilt sein und darum die unschuldsvermutung gelte. nun, nach dem schuldspruch, sagt er gar nichts mehr. er hatte vermutlich eine vision, wie er dem tennis auf jahre hinaus seinen stempel aufdrücken könnte. ich hoffe, dass daraus nichts wird.
    die äusserung von gimmelstob spricht für sich. „seht her, ich habe geld und die besten anwälte, ich kann mir alles erlauben!“ machtgeil, skrupellos und darum absolut untragbar.
  • Käpt'n Hinkebein 01.05.2019 08:00
    Highlight Highlight Existiert eigentlich ein einzelner internationaler Sportverband, der nicht von kompletten Nullen geführt wird?
  • My Senf 30.04.2019 23:59
    Highlight Highlight „Ich wäre nicht der Erste, der ein schwerwiegendes Problem hatte“

    Natürlich nicht

    Da wäre z.B. Ein gewisser „grab them by the pussy“ Trump und ja gut wenn wir dann noch über uefa dfb fifa reden wollen...
    • Team Insomnia 01.05.2019 03:54
      Highlight Highlight Wie kommt bei Tennis plötzlich auf Aussagen von Trump?
    • m. benedetti 01.05.2019 10:12
      Highlight Highlight @Team Insomnia
      Trump ist immer schuld, an allem, auch wenn eine meiner Balkonpflanzen kaputt geht. Immer. Ist in den Hirnwindungen von My Senf eingebrannt. Geht nicht mehr ohne. 😆
    • My Senf 01.05.2019 10:53
      Highlight Highlight Weiter denken gehört normalerweise dazu
      „und danach in enorme Positionen von Verantwortung, Macht und Führung aufgestiegen ist.“
      Na wer ist wohl die mächtigste Person auf dem Planet und hatte früher (und heute) ein Problem?!
  • wasps 30.04.2019 23:18
    Highlight Highlight Dass Gimelstob nicht selber zurückzieht, spricht Bände.
  • Manuel Schild 30.04.2019 22:34
    Highlight Highlight Weiss man denn wieso Djokovic zu Gimmelstob hält? Oder findet Djokovic die Taten von Gimmelstob nicht so tragisch?
  • Scaros_2 30.04.2019 20:20
    Highlight Highlight Wir der gewählt, bin ich mir ziemlich sicher, dass Federer und weitere per sofort zurücktretten werden und auch so mancher Veranstaltungsort es sich überlegen wird in der ATP zu verbleiben.

    Mit solchen Ich-Denker fährt man etwas gegen die Wand.
    • goschi 30.04.2019 20:27
      Highlight Highlight das geld regnet weiter...
      Also nein, das wird nicht passieren.
  • Fordia 30.04.2019 20:01
    Highlight Highlight Chapeau Stan!
  • Projektionsfläche 30.04.2019 19:52
    Highlight Highlight Zu den auch nach der Verurteilung anhaltenden Ambitionen von Gimelstob lassen wir doch am besten John McEnroe sprechen: „You cannot be serious!!“
  • pfffffffff 30.04.2019 19:45
    Highlight Highlight Danke Stan!
  • Zeit_Genosse 30.04.2019 19:40
    Highlight Highlight Gimelstob spricht „das wäre eine meiner grössten und stolzesten Errungenschaften...“ und meint dabei sich selber. Ich-denker sind selten eine gute Wahl. Selbst verfügt er nicht über das politische Feingefühl sich zurückzunehmen und den Platz jemandem anders zu geben und das Gesicht zu wahren. So kann es in der Logik nur eine für ihn negative Entscheidung von der ATP geben.
  • N. Y. P. 30.04.2019 19:38
    Highlight Highlight Justin Gimelstob (Das Gericht sah es als erwiesen an) hat seinen Nachbarn Randall Kaplan mit über 50 Schlägen gegen den Kopf ! verprügelt.

    Der Urteilsspruch ist nun eine Woche her und Djokovic hat sich seither nicht geäussert ?

    Das darf doch wohl nicht wahr sein.
    • redeye70 30.04.2019 20:33
      Highlight Highlight Das Ganze stinkt eh zum Himmel. Ein abgekartetes mieses Spiel von Djokovic. Stan hat das gemacht, was ich eigentlich von Nadal und Federer erwartet hätte – Tacheles reden.

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