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Dominic Cummings erklärt am Montag im Rosengarten der Downing Street 10 seine Reise.
Dominic Cummings erklärt am Montag im Rosengarten der Downing Street 10 seine Reise. Bild: AP

Johnsons Berater bringt faule Ausrede für Ausflug – die Reaktionen sind unbezahlbar

27.05.2020, 12:1827.05.2020, 17:22

Wer dachte, das politische Theater in London sei nach dem Brexit-Drama zu Ende, der irrte sich gewaltig. Die Corona-Pandemie hat in Westminster für grosse Turbulenzen gesorgt. Premierminister Boris Johnson konnte sich zwar trotz Covid-Infektion und anfänglichem Herunterspielen des Virus zunächst relativ unbeschadet durch die Krise manövrieren. Seine Beliebtheitswerte stiegen sogar an. Doch jetzt ist Feuer unter dem Dach.

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Grund dafür ist eine Reise seines Top-Beraters und Brexit-Strategen Dominic Cummings, der Mitte April mit seiner Familie quer durch das Land fuhr. Um die Betreuung seines Sohnes sicherzustellen, so Cummings, sei er nach Durham gefahren, wo seine Verwandten wohnen. Der Regierungsberater hatte sich selber mit Covid-19 infiziert. Mitten während des Lockdowns widersetzte er sich also den Anweisungen der Regierung, welche die Leute dazu aufforderte, zuhause zu bleiben.

Doch damit nicht genug: Am 12. April machten Cummings und seine Frau, Mary Wakefield, einen Ausflug zum rund 50 Kilometer entfernten Barnard Castle. Cummings Ausrede für die Ausfahrt, die, Zufall oder nicht, just am Geburtstag seiner Frau und an Ostersonntag stattfand: Er habe nach der Covid-19-Infektion sein Augenlicht testen wollen.

Für Premierminister Boris Johnson ist der Ausflug von Cummings bisher nicht Grund genug, ihn zu entlassen. Er hält nach wie vor an seinem Berater fest. Cummings sei «den Instinkten eines jeden Vaters gefolgt», sagte Johnson am Sonntag.

Die faulen Ausreden Cummings' werden jedoch medial breit ausgeschlachtet und haben Folgen. Die Zustimmungswerte für den Premierminister sind seit der Cummings-Affäre deutlich gesunken. Gemäss Telegraph fielen sie um 20 Prozentpunkte. Und der Druck wird grösser.

In einer YouGov-Umfrage gaben 71 Prozent der Befragten im Vereinigten Königreich an, dass sie Cummings Reise nach Durham im Nordosten Englands für einen Verstoss gegen die Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise halten. In anderen Umfragen verloren die regierenden Konservativen deutlich an Zuspruch, während die Opposition zulegte.

Die Reaktionen

Staatssekretär tritt zurück

Die Rufe nach einem Rücktritt des britischen Regierungsberaters Dominic Cummings werden immer lauter. Knapp 40 Parlamentarier der Konservativen Partei verlangen bereits, dass Cummings seinen Hut nimmt.

Premierminister Boris Johnson habe Schwierigkeiten, die wachsende Revolte in den eigenen Reihen zu kontrollieren, berichtete die «Times» am Mittwoch. Aus Protest war bereits am Dienstag Staatssekretär Douglas Ross zurückgetreten.

Ross schrieb am Dienstag an Premierminister Johnson: Cummings Interpretation der Ausgangsbeschränkungen «können die meisten Menschen, die die Regeln der Regierung befolgen, nicht nachvollziehen». Er könne doch nicht allen sagen, sie lägen falsch und Cummings richtig, so der Staatssekretär für Schottland.

«Ich habe Wähler, die sich nicht von ihren Liebsten verabschieden konnten, Familien, die nicht zusammen trauern konnten, Menschen, die nicht ihre kranken Verwandten besuchten, weil sie die Regeln der Regierung befolgten.» Britische Kommentatoren schliessen weitere Rücktritte nicht aus.

BBC-Journalistin nimmt Johnson auseinander

Viel Beachtung fand auch ein Kommentar der BBC-Journalistin Emily Maitlis. Sie habe nur 20 Sekunden gebraucht, um zu erklären, was Cummings falsch gemacht habe, schlussfolgert die Independent.

«Dominic Cummings hat die Regeln gebrochen, das sieht das Land, und es ist schockiert, dass die Regierung das nicht kann.

Je länger die Minister und der Premierminister uns erzählen, dass er mit ihnen zusammengearbeitet hat, desto wütender dürfte die Reaktion auf diesen Skandal sein.

Er war der Mann, erinnern Sie sich, der immer die Stimmung in der Öffentlichkeit prägte, er etikettierte diejenigen, die anderer Meinung waren, mit dem faulen Etikett Elite.

Er sollte diese öffentliche Stimmung verstehen. Eine von Wut, Verachtung und Ärger.

Er gab denen, die sich um die Einhaltung der Regeln bemühten, das Gefühl, Narren zu sein, und hat vielen anderen das Gefühl gegeben, sie könnten sich über sie hinwegsetzen.

Der Premierminister weiss das alles, und trotz des Rücktritts eines Ministers, des wachsenden Unbehagens seiner Hinterbänkler, einer dramatischen Frühwarnung aus den Umfragen und einer tiefen nationalen Beunruhigung hat Boris Johnson beschlossen, dies zu ignorieren.»

Doch die Briten wären nicht die Briten, wenn sie die Angelegenheit nicht auch mit Humor nehmen würden. Die Daily Star hat eine Cummings-Maske drucken lassen

Erste Lieder werden komponiert

Das Barnard Castle wird auf «Tripadvisor» derweil mit massenweise Kommentaren geflutet

Im Netz kursieren die Memes

Vielleicht gibt es beim Barnard Castle ja einen Augentest von dem bisher niemand wusste?

Selbstverständlich konnten sich auch die Cartoonisten ausleben

(cma/sda)

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