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Luca Cunti von Zuerich, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions, am Samstag, 19. November 2016, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Luca Cunti: Die Karriere ist sehr ins Stocken geraten. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Luca Cunti – das heikelste ZSC-Transfergeschäft seit Jahren

Was, wenn die ZSC Lions ihrem WM-Silberhelden Luca Cunti tatsächlich keinen neuen Vertrag anbieten? Dann freuen sich Lausanne und Biel.



Nur wenige Spieler haben das Potenzial um unsere Hockeylandkarte zumindest ein bisschen zu verändern. Zu diesen aussergewöhnlichen Spielern gehört Luca Cunti. Er ist an einem guten Abend der beste Schweizer Center. Ein wunderbarer, eleganter Läufer. Ein Spielmacher mit einem Hauch von Genie und ein cooler Vollstrecker.

Für unser WM-Silberteam von 2013 buchte er in 10 Partien fünf Punkte und in seiner besten NLA-Saison (2013/14) fast einen Punkt pro Spiel. Mit 27 Jahren steht er im besten Alter. Ja, es ist sogar möglich, dass er sein Leistungszenit noch gar nicht erreicht hat.

L'attaquant zuerichois Luca Cunti souleve la coupe de suisse apres la finale de Coupe Suisse, Swiss Ice Hockey Cup, de hockey sur glace entre Lausanne HC, LHC, et ZSC Lions ce mercredi 3 fevrier 2016 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Luca Cunti wird mit dem ZSC wohl keinen Titel mehr gewinnen. Bild: KEYSTONE

Ein faszinierender, charismatischer Stürmer. Mal launischer Schillerfalter, mal der beste Spieler der Liga. Ein Künstler halt. Albert Anker hat ja zwischen September und April auch nicht jede Woche drei Bilder gemalt. Diese Saison ist der Neffe von Arosa- und SCB-Legende Pietro Cunti bei 22 Einsätzen noch nicht über acht Punkte hinausgekommen. Er spielt in den Planspielen der ZSC Lions keine zentrale Rolle mehr – und sein Vertrag läuft aus.

Bescheidenes Angebot von unter 300'000?

Sportchef Edgar Salis sagt, er werde das Gespräch während der Länderspielpause im Dezember suchen. Mehr gebe es nicht zu sagen. Und ZSC-Manager Peter Zahner, der bei Grundsatzentscheidungen um einen so publikumswirksamen Spieler mitreden wird, mag auf eine entsprechende Nachfrage auch nicht bestätigen, dass Luca Cunti ein neuer Vertrag offeriert wird. Was wohl heisst: wenn es überhaupt eine Offerte gibt, dann nur noch zu bescheidenen Konditionen. Womöglich gar eine unter 300'000 Franken. Das Agenten-Duo «Roly & Georges» wird empört sein.

Switzerland's forward Luca Cunti plays during a training session of the Swiss men's national ice hockey team at the XXII Winter Olympics 2014 Sochi in Sochi, Russia, on Monday, February 10, 2014. Nine Swiss NHL players joined the team Switzerland today in Sochi. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Luca Cunti im Dress der Schweizer Nati. Davon ist der lange verkannte Center aktuell weit entfernt. Bild: KEYSTONE

Ein Chronist wird gar freundlich gebeten, doch jetzt nichts zum «Fall Cunti» zu publizieren und die Sache nicht aufzubauschen. Was uns zeigt: Es handelt sich hier um das heikelste ZSC-Transfergeschäft seit Jahren.

Preistreiber und Vertrags-Pokerspieler

Ein Center mit diesem enormen, wahrscheinlich nach wie vor nicht ganz ausgeschöpften Potenzial, der bei einem Titanen wie den ZSC Lions keine Schlüsselrolle mehr spielt, ist ein Glücksfall für die «Kleinen». Die Zürcher könnten zwar seinen Abgang verschmerzen. Aber was, wenn Luca Cunti dann bei der Konkurrenz auf einmal zum Tanz aufspielt?

Wie soll der ZSC mit Luca Cunti weiterfahren?

Luca Cuntis kanadischer Agent Roly Thompson und sein helvetischer Partner Georges Müller, ein Rechtsanwalt aus Zürich, haben als Preistreiber und Vertrags-Pokerspieler längst Kultstatus. Georges Müller beruhigt: «Alles ist offen, wir lassen uns nicht stressen und wir schauen uns die ganze Situation mal ganz gemütlich an. Ich ziehe das Jassen sowieso dem Pokern vor.»

Biel und Lausanne stehen bereit

Schauen wir also, wo «Roly & Georges» einen Vertrag ausjassen (nicht herauspokern) können. Wenn die ZSC Lions tatsächlich aus den Verhandlungen aussteigen sollten (was inzwischen nicht mehr auszuschliessen ist), gibt es zwei besonders reizvolle Optionen.

Le directeur sportif du LHC Jan Alston, droite, et l'eentraineur du LHC Daniel Ratushny, gauche, parlent lors d'une conference de presse d'avant-saison du club de hockey-sur-glace Lausanne Hockey Club, LHC, ce mardi 6 septembre 2016 a Vevey. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Kann Jan Alston Luca Cunti nach Lausanne holen? Bild: KEYSTONE

Der SC Bern ist zwar auch an Luca Cunti interessiert. Aber der Transfer von Gaëtan Haas ist so teuer, dass Sportchef Alex Chatelain aus dem «Cunti-Handel» verabschieden wird, wenn Martin Plüss verlängert. Für die SCL Tigers wäre Luca Cunti ein Jahrhundert-Transfer – aber die Langnauer werden finanziell weder mit Lausanne noch mit Biel mithalten können. Und Lugano? Der HC Lugano ist nicht der perfekte Klub für die Neulancierung einer Karriere. Die Zustände dort spotten zurzeit jeder spitzensportlichen Beschreibung.

Biels Kevin Fey, Gaetan Haas und Martin Pedretti, von links, jubeln, waehrend dem Eishockey National League A Spiel, zwischen den SCL Tigers und dem EHC Biel, am Dienstag 29. November 2016 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Biel könnte ein idealer Ort für den Neustart sein. Bild: KEYSTONE

Bob Hartley rettete einst die Karriere Cuntis

Der «Fall Cunti» ist mit Abstand die interessanteste Vertrags- und Transferstory des Dezembers. Und es ist auch eine ganz besondere Geschichte über einen Spieler, dessen Potenzial während langer Zeit verkannt worden ist.

Nach seiner Rückkehr aus Nordamerika (wo er in der Saison 2007/08 erfolgreich in der höchsten US-Juniorenliga USHL spielte) wurde er sowohl in Biel als auch in Bern, Langnau und Zürich als untauglich für die NLA taxiert.

Nachdem ihm die Langnauer im Frühjahr 2010 keinen neuen Vertrag gaben (er hatte nur zwölf Spiele bestritten) schien diese Karriere in der NLB bei den GCK Lions auszuklingen (42 NLB-Spiele/32 Punkte in der Saison 2010/11).

ZSC Trainer Bob Hartley, rechts, scherzt mit Luca Cunti, links, im Training der ZSC Lions am Montag, 2. April 2012, in der Kebo in Zuerich Oerlikon. Der ZSC trifft am morgigen Dienstag im ersten Playoff Finalspiel in Bern auf den SC Bern. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Luca Cunti und Bob Hartley 2012: Der Förderer und sein Star. Lange ist es her. Bild: KEYSTONE

Doch dann wurde er im Spätsommer 2011 beim traditionellen Vorsaisonspiel zwischen den GCK Lions und den ZSC Lions von ZSC-Trainer Bob Hartley entdeckt. Der kanadische NHL-General sah Luca Cunti, erkannte sofort dessen enormes Talent und bestand gegen alle Ratschläge und Widerstände darauf, diesen Spieler in die NLA-Mannschaft zu holen – und setzte sich durch. Im Frühjahr 2012 war Luca Cunti mit den ZSC Lions Meister und ein Jahr später WM-Silberheld. 2014 stürmte er beim Olympia- und beim WM-Turnier. Doch seither hat er keine WM mehr bestritten.

Der ZSC-Trainer heisst halt nicht mehr Bob Hartley.

Weil's irgendwie grad passt: Alle NLA-Absteiger seit Einführung der Zwölfer-Liga

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