Maserati-Kauf nach Covid-Kredit – Wallis ermittelte auch bereits gegen Bar-Inhaber Moretti
Nach der Neujahrkatastrophe in Crans-Montana ermitteln die Behörden gegen die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti, ein Ehepaar aus Frankreich. Während bereits bekannt war, dass Jacques Moretti eine kriminelle Vergangenheit hat und in Frankreich wegen Zuhälterei im Gefängnis sass, wird nun publik, dass das Ehepaar auch im Wallis bereits auf dem Radar der Justiz auftauchte – allerdings ohne, dass es zu einer Verurteilung kam. Dies berichtet die SonntagsZeitung.
2020 führten die Walliser Behörden demzufolge erstmals Untersuchungen gegen die Morettis im Zusammenhang mit einem Covid-Kredit durch. Im März des Pandemiejahres erhielten die beiden einen Überbrückungskredit von 75'500 Franken. Das entsprach damals etwa zehn Prozent des Umsatzes, den sie mit der Bar erzielten.
Nur wenige Tage später kaufte sich das Ehepaar für etwas mehr als 33'000 Franken einen Maserati und fügte diesen ihrem bereits opulenten Fuhrpark, bestehend aus einem Mercedes AMG, einem Bentley und einem Porsche Cayenne, hinzu. Die Walliser Kantonalbank, die die Konten der Bar führte, reagierte daraufhin und informierte die Justiz. Diese untersuchte in der Folge, ob der Covid-Kredit missbräuchlich verwendet worden war.
Knapp ein Jahr später wurde die Untersuchung ohne Anklage eingestellt, da die «Tatbestandsmerkmale einer Straftat nicht erfüllt» seien. Die Morettis hätten nachgewiesen, dass der Maserati nicht ihnen privat gehöre, sondern in der Buchhaltung der Bar aufgeführt wurde.
Ein weiteres Mal ins Visier der Behörden gerieten die beiden Franzosen 2022. Es gab mehrere Beschwerden beim Arbeitsinspektorat von Mitarbeitenden gegen die Arbeitsbedingungen in der Bar, aber auch im Restaurant «Le Senso», das die Morettis ebenfalls führten.
«Die Behörde hatte Anzeigen von französischen Mitarbeitern erhalten, wegen Nichteinhaltung der Arbeitszeiten, unbezahlter Nachtarbeit, Nichteinhaltung der Ruhezeiten», so eine anonyme Quelle gegenüber der Zeitung. Anfang 2022 entsandte das Arbeitsinspektorat deshalb Kontrolleure nach Crans-Montana. Was bei diesen Kontrollen herauskam, ist nicht bekannt.
Die Morettis bauten sich nach der Übernahme der Unglücksbar «Le Constellation» 2015 rasch ein kleines Imperium im Wallis aus. In den vergangenen Jahren eröffneten sie zwei weitere Betriebe, neben dem Restaurant «Le Senso» in Crans-Montana auch das Lokal «Le-Vieux-Chalet» in der Nachbargemeinde Lens. 2022 wurden sie zudem Eigentümer der Bar Le Constellation.
Das sind Investitionen, die finanzielle Mittel in Millionenhöhe voraussetzen. Rund um die Geldflüsse bei den Business-Aktivitäten der Morettis im Wallis wurden in den vergangenen Tagen Fragen laut. Ein Anwalt von mehreren Opferfamilien sagte gegenüber CH Media, es sei «unmöglich», mit dem Betrieb von Restaurants innert ein paar Jahren so viel Geld zu verdienen, dass damit mehrere Liegenschaften gekauft werden könnten.
Die italienische Zeitung «La Repubblica» berichtete zudem, dass die Behörden Bilanzen und Kassenbücher der Moretti-Betriebe beschlagnahmt hätten. Es soll geklärt werden, woher das Geld für die Grossinvestitionen im Walliser Luxusferienort kam. Die Zeitung schrieb, es gebe «einen Schatten der Geldwäsche» über den Geschäften der Morettis und stützte diese Aussagen auf Verbindungen von Jacques Moretti zu einem korsischen Geschäftsmann, der wiederum mit dem organsierten Verbrechen in Korsika in Verbindung steht. Konkret mit der Gruppe «Petit Bar», der mächtigsten kriminellen Vereinigung der Insel.
Mehr Infos dazu gibt es hier:
Gegen die Bar-Betreiber läuft aufgrund der Tragödie in der Silvesternacht eine Untersuchung. Jacques Moretti wurde nach einigen Tagen wegen möglicher Fluchtgefahr festgenommen, er befindet sich in Untersuchungshaft. Jessica Moretti ist auf freiem Fuss. Laut der Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud werde bei ihr das Fluchtrisiko durch «Ersatzmassnahmen» kompensiert. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. (con)
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