Klima
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epa07546296 Members of Extinction Rebellion Hong Kong hold up banners demanding quick action on climate change in front of a giant planet earth globe at a shopping mall in Tsuen Wan, Kowloon, Hong Kong, China, 04 May 2019. The activists, who are affiliated to the Extinction Rebellion movement in the United Kingdom, are calling on the Hong Kong government to declare a climate and environmental emergency in much the same way that the United Kingdom government has done so in the past week, and for Hong Kong to reduce its carbon dioxide emissions to net zero by 2025.  EPA/ALEX HOFFORD

Protestierende der «Extinction Rebellion»-Bewegung in Hong Kong. Das Sanduhr-Symbol deutet an: Die Zeit läuft uns davon. Bild: EPA/EPA

«Extinction Rebellion» – die radikalen Klimaschützer: Sie würden fürs Klima in den Knast

Die «Extinction Rebellion» sieht das Überleben der Menschheit gefährdet und kämpft dagegen an – auch in der Schweiz. Die «Extinction Rebellion» ist die radikale Version der Klimademos.

Pascal Ritter / ch media



Demonstrieren und Schwänzen reichen ihnen nicht. Die Aktivisten der «Extinction Rebellion» (Rebellion gegen das Aussterben) blockieren Strassen oder schütten Kunstblut vor Firmen, die sie als Klimasünder ausmachen. In London sorgten sie im April für Aufsehen, als sie eine Woche lang versuchten, die britische Hauptstadt lahmzulegen.

Auf Videoaufnahmen sieht man, wie Pflanzen und Spielsachen herangetragen und Brücken und Kreuzungen mit Fahnen und mobilen Kunstwerken in Beschlag genommen werden. Kinder spielen Fussball und auf einer Skate-Rampe übt jemand Tricks mit dem Rollbrett. Die Polizei schaute zunächst zu und verhaftete später Hunderte Aktivisten.

«Extincton Rebellion» in London

abspielen

Video: YouTube/The Guardian

Die Extinction Rebellion ist die radikale Version der Klimademos. Das Anliegen ist das gleiche: Massnahmen gegen den Klimawandel. Die Klima-Rebellen bringen das Anliegen aber mit einer viel grösseren Dringlichkeit vor. Die radikale Ungeduld kommt auch im Logo der Bewegung zum Ausdruck.

In einem Kreis prangt ein oben und unten geschlossenes X. Es symbolisiert eine Sanduhr. Die Zeit läuft uns davon, lautet das Credo. «Handelt jetzt», ist eine der zentralen Forderungen der Bewegung. Mit Blockaden will sie die Regierung zum Handeln gegen den Klimawandel zwingen. Andernfalls, so die Meinung der Rebellen, drohe das Aussterben der Menschheit.

Rebellen-Training in Zürich

Von London breitet sich die Bewegung global aus. Auch in der Schweiz ist sie angekommen. Stark ist sie bislang vor allem in der Westschweiz. Parallel zu den Aktionen in London blockierten Lausanner Rebellen eine Stunde lang eine Brücke. Der motorisierte Verkehr stand still.

Die Rebellion wächst schnell und chaotisch. So wurden in Zürich gleich zwei Sektionen gegründet. Eine Sektion mit lauter Expats diskutiert auf Englisch, eine zweite gegründet von Einheimischen verständigt sich auf Deutsch. Nun wollen sie sich vereinen. Auf einer Karte im Internet sind Sektionen in Genf, Waadt, Wallis, Freiburg, Neuenburg, Luzern, Bern, Zürich und Konstanz eingezeichnet. Täglich meldeten sich ein halbes Dutzend neue Interessierte, sagt ein Mitglied der Bewegung.

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Aktivisten übermalen Plakate in Genf. Bild: KEYSTONE

Wird es in der Schweiz bald auch zu Blockaden wie in London kommen? Auf Anfrage heisst es lediglich, man werde sich eng mit anderen Gruppen, etwa der Schülerbewegung, absprechen.

Für den 2. Juni laden die Zürcher Rebellen zu einem Kurs für «gewaltfreie direkte Aktionen» ins Gemeinschaftszentrum Wipkingen. Auf Facebook zeigen sich 136 Personen daran interessiert. Zum Inhalt des Trainings schweigen sie.

Diese Zeitung konnte in einem Zürcher Café mit drei Vertretern der Schweizer Rebellen sprechen: dem 23-jährigen Produktentwickler Jason, dem 44-jährigen Web-Entwickler Daniel und dem 67-jährigen Präventivmediziner «im Unruhestand» Anton. Die drei betonen, dass auch Frauen Teil der Bewegung seien.

Die Quote von 30 Prozent wolle man mit Kinderbetreuung während der Treffen noch erhöhen. Auch Autofahrer und Fleischesser seien an den Treffen willkommen. Niemand solle sich ausgeschlossen fühlen. Schliesslich hat man Grosses vor: Nicht der Einzelne, sondern die Regierung soll zum Handeln bewegt werden.

epa07515958 An Extinction Rebellion climate change protestor is detained by police during a demonstration at Oxford Circus in London, Britain, 19 April 2019. Extinction Rebellion climate change protestors are in their fifth day since protests began in London.  EPA/WILL OLIVER

Ein Aktivist der «Extinction Rebellion» lässt sich in London von Polizisten wegtragen. Bild: EPA/EPA

Von der herkömmlichen Politik sind die drei Rebellen enttäuscht. Alle drei waren oder sind zwar in Parteien wie der SP oder den Grünen aktiv, der politische Prozess ist ihnen aber zu langsam. Sie wollen, dass der CO2-Ausstoss bis ins Jahr 2025 auf null gesenkt wird.

Auch hier sind sie um fünf Jahre radikaler als die Klimajugend. Deren Aushängeschild Greta Thunberg will bis 2030 eine Reduktion um 80 Prozent. «Ich handle aus Notwehr», sagt Anton, der beteuert, dass es ihm vor allem um die Zukunft seiner Enkelin geht. Dass diese exakt an jenem Freitag zur Welt kam, als Greta Thunberg in Stockholm ihren Schulstreik begann, sieht er als Zeichen.

Schlimmstenfalls ins Gefängnis

Wie ihre Vorbilder aus England sind die Zürcher Klima-Rebellen bereit, für ihre Aktionen verhaftet zu werden. Mit langer Haft rechnen sie wegen ihres Gewaltverzichts allerdings nicht. Der gewaltfreie Widerstand des indischen Revolutionärs Mahatma Gandhi ist ihr Vorbild.

Wenn es um konkrete Aktionen geht, zeigen sich die Widersprüche der Bewegung. Zwar wollen die Rebellen blockieren, gleichzeitig aber niemandem wehtun. So findet Jason es zwar gut, dass die Kleiderkette «H&M» wegen der Blockaden in London Umsatzeinbussen hatte. Gleichzeitig bedauert er, dass es auch kleinere, ihm sympathischere Betriebe traf. Er plädiert für positive Aktionen. Etwa Nachtzugfahrer mit einem Zmorge überraschen.

«Das Bild von den braven Schülern und den radikalen Aktivisten der ‹Extinction Rebellion› ist falsch, sagt er. Beide Bewegungen seien heterogen.»

Jonas Kampus, Klimaaktivist.

Unter den Schülern, die gegen den Klimawandel demonstrieren, ist die «Extinction Rebellion» beliebt. Es gibt Überschneidungen bei den Mitgliedern. «Ich unterstütze die Extinktion Rebellion zu 100 Prozent», sagt etwa der 18-jährige Klimaaktivist Jonas Kampus. Selber habe er aber keine Zeit, um sich dort auch noch zu engagieren.

Dass die Rebellen radikaler seien als die Schüler, stellt Kampus infrage. «Das Bild von den braven Schülern und den radikalen Aktivisten der Extinction Rebellion ist falsch», sagt er. Beide Bewegungen seien heterogen.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ubu 14.05.2019 10:01
    Highlight Highlight Gemäss IPCC steuern wir auf 4° Erwärmung zu. Als die Erde letztmals so heiss war, gab es Palmen in der Arktis.

    Tun wir nichts, wird Landwirtschaft in grossen Teilen Afrikas, aber auch im Nahen Osten unmöglich. Was dann?
  • AfterEightUmViertelVorAchtEsser___________________ 14.05.2019 09:07
    Highlight Highlight Jaja, und wie viel zusätzliches CO2 haben die künstlich her geführten Staus produziert???
  • TheRealDonald 14.05.2019 08:55
    Highlight Highlight Es ist durchaus möglich, dass die Forderungen der Extincton Rebellion gerechtfertigt sind. Und es bewegt sich tatsächlich viel zu wenig, angesichts der Dringlichkeit des Themas. Es ist auch bekannt, dass Prognosen in Klimastudien abgeschwächt wurden da man befürchtet, dass angesichts der tatsächlichen Erwartungen gar nichts mehr unternommen würde, da es eh schon zu spät sein könnte.
    Die erste Weltklimakonferenz (UN-Umweltgipfel) in welcher der Klimawandel als Bedrohung anerkannt wurde, war 1992. Was hat sich seither geändert? Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist weiterhin stark angestiegen...
  • koks 14.05.2019 08:34
    Highlight Highlight Wir erinnern uns an die Handlanger der WWF, die in Afrika Bauern ermordet haben, um die Umwelt zu schützen. Nennen wir doch diese Linksextremisten beim Namen: Terroristen.
    • Jazzdaughter 14.05.2019 12:12
      Highlight Highlight Brücken werden mit Pflanzen und Spielzeug besetzt.

      Beruhigen Sie sich, denn die Aussage beleidigt das Andenken aller, die wegen wahrem Terrorismus ihr Leben lassen mussten.
    • El Veitie 15.05.2019 22:45
      Highlight Highlight @koks In Deinen Augen war M.Gandhi ein Terrorist und Hitler ein Freiheitskämpfer.
  • AdvocatusDiaboli 14.05.2019 07:35
    Highlight Highlight Die welche in China das machen haben verdammt viel mut!
  • Bangarang 14.05.2019 07:15
    Highlight Highlight Wir hatten noch die Atomkriegsuhr mit fünf vor zwölf.

    Jeder Generation ihr kleines Drama ...
    • Stehaufmännchen 14.05.2019 07:55
      Highlight Highlight Die gibts immer noch 😵
    • David Jones 14.05.2019 08:57
      Highlight Highlight Vielleicht meinen Sie damit die Doomsday Clock das von die Bulletin of the Atomic Scientists geführt wird? Es geht dort nicht nur um Atomkrieg und momentan steht es auf 2 minute vor 12h. Sie sollten sich eher besser informieren.

      Übrigens, es gab nur ein Jahr wo es auf 2 vor 12h während das 20 Jahrhundert stand und das war in 1953 als die Soviet Union eine Atombombe zum ersten mal erfolgreich und nachweisbar gezündet haben.
    • TheRealDonald 14.05.2019 09:02
      Highlight Highlight Dieses Drama wird sich über mehrere Generationen erstrecken.
      Und ein weiterer Unterschied: Ein Atomkrieg kann mit gutem Willen relativ einfach und schnell verhindert werden (keiner drückt auf den Knopf). Beim der Klimaerwärmung sieht das ganz anders aus...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Charlie Runkle 14.05.2019 07:00
    Highlight Highlight In den Knast würden auch Steuerhinterzieher, wenn sie müssten....

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