Schweiz
Gesellschaft & Politik

SRF Arena: Albert Rösti und Susanne Wille bekämpfen Halbierungsinitiative

SRG-Generaldirektorin will für ihr Medienhaus Schlimmeres verhindern. Der Direktor des Gewerbeverbands Urs Furrer hingegen seine Mitglieder von der SRG-Abgabe befreien.
SRG-Generaldirektorin will für ihr Medienhaus Schlimmeres verhindern. Der Direktor des Gewerbeverbands Urs Furrer hingegen seine Mitglieder von der SRG-Abgabe befreien.Bild: srf

«SRG wird kaputt gemacht»: Bündner aus der zweiten Reihe bringt Pfeffer in SRG-«Arena»

Soll die SRG die Haushalte 300 oder 200 Franken jährlich kosten? Wie viel braucht es, den Service Public zu gewährleisten? Was könnten überhaupt private Medienhäuser übernehmen? Antworten lieferte die Abstimmungs-«Arena».
21.02.2026, 02:2121.02.2026, 02:21

Es ist noch nicht so lange her, da hat Bundesrat Albert Rösti gesagt: «Es scheint, als brauche es jetzt eine Initiative zur Halbierung der Rundfunkgebühren, um die SRG auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.»

Das war im Frühjahr 2019 und Rösti war nicht Bundesrat, sondern SVP-Präsident. Als solcher gehörte er auch zu den Mitinitiantinnen und Mitinitianten der SRG-Initiative, auch als Halbierungsinitiative bekannt.

Unsere Reporterin Hanna erklärt die SRG-Initiative:

Video: watson/hanna hubacher, michael shepherd

Im Frühjahr 2026 steht der gleiche Albert Rösti nun in der «Arena» – und bekämpft die SRG-Initiative. Mit ihm zusammen bildeten die Kontra-Seite:

  • Priska Wismer-Felder, Nationalrätin Die Mitte/LU
  • Jon Pult, Vizepräsident SP.
  • Susanne Wille, Generaldirektorin SRG

Für die Initiative argumentierten:

  • Gregor Rutz, Nationalrat SVP/ZH
  • Melanie Racine, Vizepräsidentin Jungfreisinnige
  • Jan Koch, Vizepräsident Bündner Gewerbeverband und Grossrat SVP/GR
  • Urs Furrer, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband

Zwei SVPler im Clinch

Moderator Sandro Brotz nahm Rösti sogleich in den Schwitzkasten. Wie es denn sein könne, dass er, der früher die SRG an vorderster Front bekämpft hatte, nun für sie weibelt? Ist das nicht ein Verrat an der eigenen Partei und den eigenen Werten?

Rösti findet: nein. Denn er sei ja als Medienminister angetreten, um die Dinge, die ihn an der SRG störten, zu bekämpfen:

Rösti: «Gegen die eigene Partei anzutreten, ist nie schön»

Video: srf/arena

Tatsächlich hat Rösti per Verordnung durchgesetzt, dass die SRG-Abgabe bis 2029 schrittweise gesenkt werden wird. Sie wird dann pro Haushalt noch 300 Franken betragen, heute sind es 335.

Zudem würden auch die Unternehmen entlastet. Ab einem gewissen Mindestumsatz müssen sie heute eine Abgabe ans SRF leisten.

Mit Röstis Verordnung, die er in der «Arena» konsequent als Gegenvorschlag zur SRG-Initiative bezeichnete, würde dieser Mindestumsatz angehoben. Gerade KMU würden damit entlastet, sagt Rösti.

Allerdings: Bei einer Annahme der Initiative müssten Unternehmen gar keine Abgabe mehr leisten.

Gregor Rutz ist für einmal nicht gleicher Meinung wie sein Parteikollege Rösti. Rutz ist so etwas wie hauptberuflicher SRG-Kritiker. Er stand schon 2017 in der «Arena», um für die No-Billag-Initiative zu werben. Diese wollte die Rundfunkabgabe gleich ganz streichen; die Stimmbevölkerung verwarf sie deutlich.

Heute sagt Rutz: «Jede Gebühr ist ein Eingriff ins Privateigentum.» Mit der Rundfunkabgabe (Rutz: «Zwangsgebühr») schröpfe der Schweizer Staat die Menschen – in Zeiten, in denen die Menschen mit Teuerung und explodierenden Prämien bei der Krankenkasse ohnehin schon belastet seien.

«Wenn man den Leuten Geld wegnimmt, konsumieren sie weniger. Das schadet dem Wohlstand. Nimmt man den Unternehmen Geld weg, investieren sie weniger. Das schadet dem Wirtschaftsplatz.»
Gregor Rutz

Er könne es nicht mehr hören, dass die SRG an einer Reduzierung der Abgabe zugrundegehen würde. Genüsslich trug Rutz vor, dass diese vor wenigen Jahren noch 462 Franken betragen hat.

Rutz: «Die SRG ist grösser und lebendiger denn je»

Video: srf/arena

Die Rätoromanen und die weite Welt

Damit triggerte Rutz einen Kontrahenten, der es gar nicht gewohnt ist, in der zweiten Reihe Platz zu nehmen. Jon Pult, SP-Vizepräsident aus dem Kanton Graubünden, war eigentlich eingeladen worden, um darüber zu sprechen, wie wichtig SRF-Programme in rätoromanischer Sprache für seinen Kanton sind.

Aus der romanischen Schweiz spannte Pult den Bogen in die weite Welt. Solange diese von Figuren wie Trump und Putin dominiert werde, könne es nicht sein, dass man an der SRG sägt, sagt Pult:

Pult: «Wir dürfen doch nicht die SRG schwächen!»

Video: srf/arena

Und über noch etwas Anderes ärgerte sich Pult. Die Befürworterinnen und Befürworter der SRG-Initiative wurden nicht müde zu betonen, die Programme von SRF würden den privaten Medienhäusern Konkurrenz machen.

«Zu sagen, die SRG sei überlebenswichtig für die Demokratie ist ein Affront gegenüber privaten Anbietern», sagt Rutz. «Die machen einen hervorragenden Job und sind wesentlich für die Medienvielfalt.»

Gegen Vielfalt habe auch niemand etwas, erwidert Pult. Doch sei es naiv zu glauben, dass das bei der SRG eingesparte Geld käme automatisch den Privaten zugute. Der Schweizer Medienmarkt sei viel zu klein und dann erst noch in vier Sprachräume fragmentiert, als dass die privaten Verlage allein gewinnbringend arbeiten könnten.

«Weniger SRG heisst weniger Schweizer Information und weniger Schweizer Kultur»
Jon Pult

SRG-Generaldirektorin Susanne Wille, sichtlich bemüht darum, das gute Verhältnis zwischen SRG und den privaten Anbietern zu betonen, fand dafür den Vergleich:

Wille: «Halbiert man eine Säule, wird die andere nicht doppelt so gross»

Video: srf/arena

Rutz ist schon im Ziel

Gregor Rutz blieb auch im Einzelgespräch mit Moderator Brotz dabei: Viele Dinge, die das SRF covert, könnten auch die Privaten abdecken.

Brotz, der als SRF-Moderator und damit von der Initiative Direktbetroffener eine anspruchsvolle Aufgabe hatte und diese souverän, fair und doch angriffslustig meisterte, hakte nach. Ob Rutz ihm drei Beispiele für Veranstaltungen nennen könnte, die die Privaten vom SRF übernehmen könnten.

Rutz konnte nicht.

Rutz gerät in Bedrängnis:

Video: srf/arena

Schützen- und Schwingfeste? Mit diesen Beispielen traf Rutz weder ins Schwarze noch legte er den Gegner damit auf den Rücken.

Ihm dürfte es egal sein. Der SVP-Nationalrat war die ganze Sendung über bestens gelaunt. Und das kann er ja auch sein: Sein jahrelanger Kampf gegen die SRG hat Erfolg.

Mit der von Bundesrat Rösti veranlassten Verordnung brechen der SRG 270 Millionen Franken jährlich weg: 17 Prozent ihres Umsatzes.

SRG-Generaldirektorin Wille muss auch so schon bis zu 900 Vollzeitstellen streichen. Für Rutz und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter eine Genugtuung.

Die sogennannte Halbierungsinitiative ist nur noch die Kür.

Aus dem SRF-Archiv: Skilager anno 1998

Video: srf
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    8 Kommentare
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    Ursus ZH
    21.02.2026 04:08registriert Februar 2017
    Rutz: man müsse die Haushalte wegen steigenden Kosten wie Krankenkasse entlasten.
    Der gleiche Rutz hat noch nie was getan um die Krankenkassenkosten zu senken.
    Erbärmlicher geht nicht, aber immerhin sehen wir wie die SVP funktioniert, für die Elite aber nie für das Volk.
    254
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    ujay
    21.02.2026 04:02registriert Mai 2016
    Warum wird das nie gesagt: Gregor Rutz ist Mitglied der parlamentarischen Gruppe Markt und Werbung und somit eine Speerspitze der privat TV Industrie! Also ein Gegner der SRG, nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern weil er dafür bezahlt wird!
    Aktionskommitee gegen Heuchelei in der Politik!
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