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Cédric Itten hat der Schweiz dank seinem Joker-Tor drei wichtige Punkte beschert.
Cédric Itten hat der Schweiz dank seinem Joker-Tor drei wichtige Punkte beschert.
Bild: EPA

Nur sechs Minuten bis zum ersten Tor – Nati-Retter Itten war fast der Schnellste

Bei Länderspielen in St. Gallen hat es auch schon Misstöne gegeben. Am Freitag gegen Georgien war das anders: Dank dem 1:0-Siegestor des Debütanten und Lokalmatadoren Cedric Itten.
16.11.2019, 18:43

Als mehr als eine Stunde gespielt war, und der Schweiz gegen Georgien noch immer kein Tor hatte gelingen wollen, kam Vladimir Petkovic diese Idee mit dem Debüt von Cédric Itten. Es war mehr ein Einfall als eine durchdachte Strategie. «Ich wollte ihn erst nicht bringen, war mir nicht sicher, was ich tun sollte», gab der Nationalcoach hinterher zu. Nun, er tat das Richtige und wechselte den St. Galler Stürmer ein. Schon Minuten zuvor hatte das je länger desto ungeduldigere Publikum den Einsatz des Lokalmatadoren gefordert.

Schweiz vs. Georgien – die Highlights.

Nach 71 Minuten kam Itten ins Spiel. Erstmals seit über 17 Jahren stand ein St. Galler Spieler für die Schweiz im Einsatz. Der letzte war Franco Di Jorio gewesen, im Mai 2002, gegen Kanada, ebenfalls in St. Gallen. Doch die Einwechslung Ittens war noch nicht das Ende der Geschichte. Sie wurde noch besser, so gut sogar, dass Itten nach dem Spiel sagte: «Die Geschichte hätte nicht besser sein können.» Sechs Minuten nach seiner Einwechslung schoss der 22-Jährige die Schweiz zum 1:0-Sieg. Es war das erste Tor eines Spielers des FC St. Gallen für die SFV-Auswahl seit 2000 und einem Treffer von Marco Zwyssig gegen die Färöer.

Der Schweizer Sieg, Ittens Tor, die EM-Qualifikation zu 99 Prozent geschafft. Es war ein schöner Abend geworden für die St. Galler. Das ist deshalb erwähnenswert, weil die Beziehung dieses Stadions zur Schweizer Mannschaft nicht immer ganz unkompliziert war. Da waren die Pfiffe gegen Marco Streller vor der Heim-EM 2008, welche den Basler zum zwischenzeitlichen Rücktritt aus dem Nationalteam verleiteten. Oder der holprige Rasen, der Nationalcoach Ottmar Hitzfeld verärgerte. Oder die Pfiffe gegen Alex Frei, die Hitzfeld von einem «peinlichen Verhalten der Zuschauer» sprechen liessen, mit der Konsequenz, dass die Schweiz unter dem Deutschen zwischen 2010 und 2014 fast vier Jahre lang nicht mehr in St. Gallen antrat.

In 14 Monaten vom Albtraum zum Traum

Das alles brauchte am Freitag Petkovic, die Schweiz und vor allem Cedric Itten nicht zu kümmern. «Der Junge hat viel Qualität», sagte der Nationaltrainer und ergänzte: «Das Tor war nicht einfach zu erzielen.» Weil Haris Seferovic wegen seiner Wadenverletzung auch am Montag in Gibraltar fehlen wird, und mit Admir Mehmedi, Breel Embolo sowie Josip Drmic weitere Stürmer verletzt sind, darf Itten im letzten Spiel der EM-Qualifikation sogar auf einen Einsatz von Beginn weg hoffen. «Wenn einer Pech hat, hat ein anderer Glück», so Petkovic.

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Glück und Pech sind Begriffe, welche Itten in den letzten Jahren nur zu gut kennengelernt hat. Beim FC Luzern war der frühere Basler Junior ein Versprechen, zurück beim FCB war er ein Reservist, und nachdem er sich 2018 beim FC St. Gallen in die erste Reihe gespielt hatte, wurde er von Luganos Fabio Daprelà derart schwer gefoult, dass er mit einer Knieverletzung acht Monate lang ausfiel. Itten hatte dabei aber auch Glück. Der Unfall hätte das frühe Ende seiner Karriere bedeuten können.

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Aber Itten kämpfte sich zurück und schiesst in dieser Saison Tor um Tor. Sechs sind es bis jetzt in der Super League, vier davon gegen die Spitzenteams Young Boys und Basel. Als er am Montag für den verletzten Remo Freuler nachrückte, war dies der verdiente Lohn für einen tollen Saisonstart. «Bereits das Aufgebot war unglaublich für mich, ein Traum.» Er habe in dieser Woche «vor Aufregung kaum geschlafen», sagte Itten nach dem Sieg gegen Georgien.

Das Signal an den Trainer

Als er eingewechselt wurde, war er dennoch hellwach. Sechs Minuten nur brauchte Itten für seinen ersten Treffer im Nationalteam. Er ist damit der «zweitschnellste» Torschütze für die SFV-Auswahl. Schneller war nur Moreno Costanzo bei seinem Debüt im August 2010 gegen Österreich. Zwei Minuten brauchte der St. Galler, der damals für die Young Boys spielte, für seinen ersten (und einzigen) Treffer. Sechs Minuten wie Itten benötigten Albian Ajeti im September 2018 gegen Island und Adrian Knup im Oktober 1989 gegen Belgien.

Costanzo erzielte gegen Österreich sein bislang einziges Nati-Tor.
Costanzo erzielte gegen Österreich sein bislang einziges Nati-Tor.
Bild: EPA

Sie alle waren schneller als der Schweizer Rekordtorschütze Alex Frei, der 2001 in den Spielen gegen Jugoslawien und Luxemburg 41 Minuten brauchte für das erste Tor im Nationalteam. Und Xherdan Shaqiri, der beste Skorer der noch aktiven Schweizer? Er erzielte seinen ersten Treffer erst nach 215 Minuten. Statistisch gesehen ist Itten der Start in seine Nationalteam-Karriere also gelungen. Oder wie es Petkovic sagte: «Das ist ein erster wichtiger Schritt für ihn und ein wichtiges Signal für mich.» (pre/sda)

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