Schweiz
Crans-Montana

Ex-Sicherheitschef: Kanton Wallis wusste von unvollständigen Kontrollen

Bar Le Constellation in Crans-Montana nach Brand
Im Walliser Lokal «Le Constellation» wurde die Brandschutzverordnung nicht korrekt eingehalten.screenshot bfmtv

E-Mail von Lieferant aufgetaucht: «Moretti fand feuerfesten Schaumstoff zu teuer»

13.02.2026, 10:3813.02.2026, 11:52

Im Prozess rund um die Brandkatastrophe in Crans-Montana geht es vor allem um die Sicherheits- und Brandschutzkontrollen in der Bar «Le Constellation». Ein ehemaliger Sicherheitsbeauftragter hatte schon am Montag ausgesagt, dass seine Empfehlungen in dem Lokal von Jacques Moretti nicht berücksichtigt wurden. Zudem musste er erklären, warum die Bar seit Mitte 2019 nicht mehr kontrolliert worden war. Er hat seine Stelle Anfang 2024 aufgegeben.

Nun stellt sich heraus: Der Kanton Wallis soll nach Angaben eines ehemaligen Sicherheitschefs von Crans-Montana über unvollständige Brandschutzkontrollen informiert gewesen sein. Das Thema sei wiederholt an Kursen des kantonalen Amts für Brandschutz diskutiert worden, sagte der ehemalige Sicherheitschef laut «Blick» bei seiner Einvernahme.

Das Amt für Feuerwesen, dessen regionale Inspektoren sowie die Dienststelle für zivile Sicherheit und Militär hätten Bescheid gewusst. «Sie sagten uns allen, wir sollten unser Bestes geben und zumindest die Unterkünfte kontrollieren», zitierte ihn der «Blick». Ob die vorgebrachten Versäumnisse einen Einfluss auf die Brandkatastrophe in der Silvesternacht hatten, werde ermittelt, heisst es im Bericht.

Lieferant: «Moretti fand feuerfesten Schaumstoff zu teuer»

Der Lieferant des Schaumstoffes, der in der Silvesternacht schnell Feuer fing, soll wenige Tage nach der Katastrophe eine E-Mail an die Polizei von Crans-Montana geschickt haben. Das berichten mehrere italienische Medien. In dieser Mail habe er angegeben, er habe die Installation einer feuerfesten Schaumstoffverkleidung vorgeschlagen, die von Jacques Moretti jedoch aus Kostengründen abgelehnt worden sei. «Moretti hielt den feuerfesten Schaumstoff für zu teuer», zitiert der Sender TGCOM24. Man sei überzeugt gewesen, dass die anderweitig beschafften Paneele ebenfalls feuerfest seien.

Sicherheitsbeauftragte im Kanton Wallis ziehen Konsequenzen

Im Nachgang an die Brandkatastrophe von Crans-Montana haben gemäss dem «Walliser Bote» zudem Sicherheitsbeauftragte gekündigt. Die Unsicherheit und die Unzufriedenheit bei den kommunalen Sicherheitsbeauftragten sind gross, wie die Zeitung schrieb. Eine Informationsveranstaltung mit den Verantwortlichen des Kantons habe die Situation zumindest im Unterwallis nicht stark verbessert.

Mehrere Gemeinden hätten in den letzten Tagen Sicherheitsstellen ausgeschrieben. Die Zeitung «Le Temps» stellte schweizweit eine Zunahme der Stellenangebote für Brandschutzbeauftragte fest.

(hkl, mit Material der sda)

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108 Kommentare
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Neruda
13.02.2026 12:14registriert September 2016
Ich wünschte mir, die Leute beim Kanton, die dachten, sie müssten ihre Arbeit nicht seriös machen und können solche Themen verschleppen, werden als Mittäter verurteilt. Es ist an der Zeit, dass bei uns auch die Schreibtischtäter zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie ihren Job nicht machen!
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Ameo
13.02.2026 11:33registriert Oktober 2025
Wir können bald von den Crans-Montana-Files sprechen. Ich sehe schon wie die verantwortlichen Stellen, also Gemeinde und Kanton darin geschwärzt werden.
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Katerchen
13.02.2026 12:17registriert März 2023
Bisschen weniger Geiz hätte also Menschenleben gerettet?
Was kostet ein Menschenleben?
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