International
EU

Von der Leyen will EU-Beistandklausel zum Leben erwecken

Für Unabhängigkeit von den USA: Von der Leyen will EU-Beistandklausel zum Leben erwecken

14.02.2026, 11:4314.02.2026, 11:43

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei der Münchner Sicherheitskonferenz dafür geworben, die europäische Beistandsklausel zum Leben zu erwecken, um sich unabhängiger von den USA zu machen. «Gegenseitiger Beistand ist im Rahmen der EU nicht optional, sondern eine Verpflichtung, die im Vertrag verankert ist – in Artikel 42 Absatz 7», sagte sie. Das Versprechen «Einer für alle und alle für einen» habe aber nur dann Gewicht, wenn es auf «Vertrauen und den entsprechenden Fähigkeiten» beruhe. «Ich glaube, es ist an der Zeit, die europäische Beistandsklausel zum Leben zu erwecken», sagte sie.

epa11726659 European Commission President Ursula von der Leyen is taking part in the Global Citizen Now summit at the Getulio Vargas Foundation in Rio de Janeiro, Brazil, 17 November 2024. Ursula von  ...
Ursula von der Leyen will die europäische Beistandsklausel zum Leben erwecken.Bild: keystone

Für eine stärkere Beschäftigung mit der EU-Beistandsklausel hatte sich in München zuvor auch schon Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochen. Er erklärte, man müsse «ausbuchstabieren», wie man die Verpflichtung aus Artikel 42 europäisch organisieren wolle.

Ohne Verteidigung keine Unabhängigkeit

Von der Leyen sagte nun, neben der militärischen Aufrüstung und der Beschleunigung von Entscheidungsprozessen in der EU brauche es dafür aus ihrer Sicht auch eine neue europäische Sicherheitsstrategie. «Ich glaube, wir müssen dringend neu austarieren, wie wir all unsere politischen Instrumente einsetzen – Handel, Finanzen, Normen, Daten, kritische Infrastrukturen, Technologieplattformen, Informationen», sagte sie.

Man müsse sicherstellen, dass Europa jederzeit in der Lage sei, sein Territorium, seine Wirtschaft, seine Demokratie und seine Lebensweise zu verteidigen. «Denn das ist letztlich die wahre Bedeutung von Unabhängigkeit», sagte sie.

Angebot an Grossbritannien

Zudem sprach sich von der Leyen für eine engere Zusammenarbeit mit Grossbritannien aus. «In diesen äussert unruhigen Zeiten sollten Europa und insbesondere das Vereinigte Königreich enger zusammenrücken – bei der Sicherheit, der Wirtschaft oder der Verteidigung unserer Demokratien», sagte sie. Zehn Jahre nach dem Brexit sei man mit Blick auf die Zukunft so sehr aufeinander angewiesen wie eh und je.

Debatte um Beistandsklausel im Grönland-Konflikt

Über die Bedeutung von Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags war zuletzt wieder im Zuge des von US-Präsident Donald Trump angezettelten Konflikts um Grönland diskutiert worden. Die EU stellte dabei im Januar klar, dass Deutschland und die anderen EU-Staaten im Fall eines gewaltsamen Konflikts auf Antrag Dänemarks hin Beistand leisten müssten.

In dem Absatz heisst es konkret:

«Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung (...).»

Er ist damit noch schärfer formuliert als Artikel 5 der Nato. Nach diesem liegt es im Ermessensspielraum der Bündnisstaaten, wie sie im Fall eines Angriffs den Alliierten zu Hilfe kommen. Den Nato-Bündnisfall könnte Dänemark zudem ohnehin nicht ausrufen, weil dazu auch die USA zustimmen müssten.

Die EU-Beistandsklausel wurde bislang erst einmal nach den Terroranschlägen von Paris im Jahr 2015 aktiviert. Deutschland beteiligte sich danach deutlich aktiver am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien. So wurden unter anderem Tornado-Jets für Aufklärungsflüge bereitgestellt. (hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
24 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Alice36
14.02.2026 13:11registriert Juni 2017
Man müsse sicherstellen, dass Europa jederzeit in der Lage sei, sein Territorium, seine Wirtschaft, seine Demokratie und seine Lebensweise zu verteidigen. «Denn das ist letztlich die wahre Bedeutung von Unabhängigkeit», sagte sie.

Recht hat sie, dazu gehört aber auch das man sich im klaren wird wie man mit Ländern und Politikern wie Ungarns Orban umgeht. Das lähmende Prinzip der Einstimmigkeit hat auch schon bei der UNO nicht funktioniert. Es muss Möglichkeiten geben Querschläger zu sanktionieren oder sie ganz loszuwerden und das ASAP.
241
Melden
Zum Kommentar
avatar
Hans Jürg
14.02.2026 12:36registriert Januar 2015
Von der Leyen hat zwar die richtigen Worte gesprochen, ist aber die falsche Person, um Europa stark zu machen. Ihre Haupt-Priorität ist es leider, niemandem auf die Füsse zu treten, lieb zu sein und vor allem mit jedem und jeder gut Freund zu sein, um ja im Amt zu bleiben. Sie sagt viel und macht nichts.

Aber als Nicht-EU Bürger sollte ich sie nicht kritisieren. Wir sind ja noch schlimmer. Die CH hält sich immer aus allem raus und motzt dann darüber, dass wir nichts zu sagen hätten. Also nehme ich meine Kritik zurück und wische besser erst vor der eigenen Türe.
244
Melden
Zum Kommentar
24
Beschiss, Lügen und keinen Schritt weiter: Der grosse Frust nach den Epstein-Files
Das war's. Die Epstein-Files sind vollumfänglich veröffentlicht. Dies kommunizierte das US-Justizdepartement (DOJ) offiziell in einem Schreiben am letzten Samstag. Das DOJ habe sämtliche Auflagen des Epstein Files Transparency Act (EFTA) erfüllt.
Zur Story