DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Du wirst kaum erraten, wer das Schlagwort «Asylchaos» erfunden hat – die Politiker warens nicht

07.08.2015, 15:4607.08.2015, 16:00

In der aktuellen Kontroverse um die zunehmende Zahl von eritreischen Asylsuchenden und deren Unterbringung in den Kantonen und Gemeinden, fällt öfter der Begriff «Asylchaos». Diesen hat nicht etwa die SVP erfunden, die derzeit mit dem Begriff Wahlkampf betreibt, sondern der «Blick». 

Die allererste Nennung des Begriffs in der Schweizer Mediendatenbank stammt in der Schreibweise «Asyl-Chaos» aus einer Blick-Schlagzeile vom September 1990. Ausser der Boulevard-Zeitung benutzte das Schlagwort allerdings die ganzen 90er-Jahre hindurch fast niemand, in den 10er-Jahren erschien es nicht einmal mehr im «Blick». 

Wiederbelebt hat das «Asylchaos» vor drei Jahren der heutige Präsident der FDP, Philipp Müller. In einem Positionspapier vom Juni 2012 mit dem Titel «Massnahmenpaket Asylchaos stoppen!», verlangte die FDP unter Federführung ihres Migrationsspezialisten Müller eine Einschränkung der Sozialhilfe für junge, männliche Asylbewerber. Diese sollten künftig nur noch eine erweiterte Nothilfe mit Pflicht zur Arbeitsleistung erhalten. Kurz zuvor hatte die Berner Polizistin und SVP-Nationalrätin Nadja Pieren den Begriff in einer Ratsdebatte benutzt. 

2013 und 2014 dümpelte das «Asylchaos» dann im öffentlichen Diskurs mit um die 30 Nennungen pro Jahr dahin. Bis im Mai dieses Jahres. Während das «Asylchaos» im ganzen Jahr 2014 nur 15 Mal den Weg in die Schweizer Medien fand, stand es im Rahmen des beginnenden Wahlkampfes 2015 alleine im Mai 13 Mal in den Zeitungen. Im Juli bereits 55 Mal. Und der Trend zeigt weiter nach oben. 

Dass kein «Asylchaos» besteht, wie folgende Aufstellung der eingereichten Asylgesuche seit 1991 zeigt, tut da nichts zur Sache: 

grafik: watson

Gejagte Flüchtlinge in Calais

1 / 53
Gejagte Flüchtlinge in Calais
quelle: x00234 / pascal rossignol
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

(thi)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Abonniere unseren Newsletter

8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Hackphresse
07.08.2015 16:19registriert Juli 2014
Irgendwie versteh ichs nicht. Wenn die Asylanten herkommen und arbeiten heissts sie nehmen den Schweizern die Jobs weg. Wenn sie kommen und nich arbeiten dürfen heissts sie sind faul. Wenn sie kommen und schwarz arbeiten sind sie kriminell und integrationsunfähig. Zu tun gibts doch genug! Und kommen tun sie sowieso ob legal oder nicht.
Langsam habe ich das gefühl die Schweiz ist faul geworden. 😒
5619
Melden
Zum Kommentar
8
Weiterhin zahlreiche illegale Einreisen im Rheintal

Die St. Galler SVP-Nationalrätin Esther Friedli hat vom Bundesrat Auskunft über Zahlen zur illegalen Einreise im St. Galler Rheintal verlangt. In den ersten fünf Monaten von 2022 reisten an der Ostgrenze über 5000 Personen ein, aber nur 29 stellten einen Asylantrag.

Zur Story