Schweiz
SP

Daniel Jositsch kämpft an SP-Delegiertenversammlung um Ständeratssitz

Daniel Jositsch, SP-ZH, links, diskutiert mit Jacqueline Badran, Nationalraetin SP-ZH, vor Beginn der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 8. September 2025 im Staenderat in Bern. (KEY ...
Noch sitzt Daniel Jositsch in seinem Ständeratstuhl. Doch Jacqueline Badran könnte ihn ihm bald strittig machen.Bild: KEYSTONE

SP Zürich sägt Jositsch ab und nominiert ihn nicht für den Ständerat

Am Donnerstagabend hat die SP Kanton Zürich zu einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung geladen. Einziges Traktandum: Wird Daniel Jositsch ein viertes Mal als SP-Ständerat antreten dürfen?
28.05.2026, 22:0028.05.2026, 22:35

Daniel Jositsch wird nicht mehr für den Ständerat des Kantons Zürich nominiert. Das hat die Delegiertenversammlung der SP des Kantons Zürich entschieden.

Daniel Jositsch trug die Niederlage gegen aussen hin mit Fassung und bedankte sich bei seiner Partei für die «Klärung». Ob er nun als unabhängiger Kandidat antreten werde, liess Jositsch offen.

«Ich werde sicher die Legislatur zu Ende bringen», sagt Jositsch gegenüber watson. «Ob ich das allerdings weiterhin als SP-Ständerat tun werde, muss ich mir noch überlegen».

Ein schwerer Gang: Hier weiss Jositsch bereits, dass ihm seine Genossen und Genossinnen das Vertrauen entzogen haben.
Ein schwerer Gang: Hier weiss Jositsch bereits, dass ihm seine Genossen und Genossinnen das Vertrauen entzogen haben.Bild: watson

236’775 Stimmen: Mit diesem Resultat wurde Jositsch bei den letzten Parlamentswahlen 2023 als Ständerat für den Kanton Zürich wiedergewählt. Als einziger Kandidat im ersten Wahlgang: Für einen bürgerlichen Kanton ein Glanzresultat.

Bei den eigenen Leuten fiel das Verdikt weniger triumphal aus. An der Delegiertenversammlung in Zürich-Schwamendingen am Donnerstagabend erhielt Jositsch von 203 Delegiertenstimmen nur noch 94 Stimmen.

Daniel Jositsch wartet auf seinen Auftritt, in dem er für eine weitere Amtszeit als Ständerat werben wird.
Daniel Jositsch wartet auf seinen Auftritt, in dem er für eine weitere Amtszeit als Ständerat werben wird.Bild: watson

«Ich bin weiterhin mit voller Überzeugung Mitglied und Amtsträger der SP.» So stand es in der Motivationsrede, mit der sich Jositsch bei den Delegierten um eine Nominierung für eine erneute Kandidatur warb. Jositsch hatte selbst angeregt, zur Klärung dieser Frage eigens eine Delegiertenversammlung einzuberufen.

An dieser sagte er: «In einer Partei muss es möglich sein, dass man ab und zu anderer Meinung ist.» Das möge in der SVP nicht üblich sein, in der SP habe er aber immer das Gefühl gehabt, diese Möglichkeiten zu haben, sagte Jositsch.

«Ich bin der Meinung, dass die SP als zweitgrösste Partei der Schweiz eine gewisse Breite braucht.»
Daniel Jositsch

Daniel Jositsch stellte an der Delegiertenversammlung die Grundsatzfrage. Er könne Kritik aushalten und werde das weiterhin tun. Die Frage ist, ob die SP ihn auch noch aushalten könne und wolle:

«Wollt ihr, dass es weiterhin einen sozialliberalen Flügel gibt in der SP?»
Daniel Jositsch

Vor der Versammlung hatte Jacqueline Badran Jositsch unter Druck gesetzt: Sollte er von den Delegierten nicht mehr nominiert werden, stünde sie bereit, sagte sie gegenüber dem Zürcher Lokalmedium Tsüri.

Szene aus der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der SP Kanton Zürich. Die Delegierten richteten darüber, ob Daniel Jositsch nochmals als Ständerat kandidieren darf.
Szene aus der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der SP Kanton Zürich. Die Delegierten richteten darüber, ob Daniel Jositsch nochmals als Ständerat kandidieren darf.Bild: watson

Ansonsten mochte sich vor der Versammlung niemand für oder gegen Jositsch aussprechen. Gegenüber watson sagen zwei in der Partei bestens vernetzte Personen:

«Es wird eine 50:50-Entscheidung»

Jositsch, Strafrechtsprofessor und Oberstleutnant in der Schweizer Armee, gilt einigen in der SP als zu weit rechts in seiner Politik. Immer wieder weicht er von der Parteilinie ab und vertritt bürgerliche Positionen. Insbesondere in der Juso hat sich Jositsch alles andere als beliebt gemacht, als er im Februar deren Erbschaftssteuer-Initiative öffentlich bekämpfte.

Hochspannung in Schwamendingen: Darf Daniel Jositsch für eine vierte Amtszeit im Ständerat kandidieren?
Hochspannung in Schwamendingen: Darf Daniel Jositsch für eine vierte Amtszeit im Ständerat kandidieren?Bild: watson

Darauf wurde auch an der Delegiertenversammlung verschiedentlich hingewiesen: «Bei Daniel Jositsch sind es keine Ausreisser, wenn er sich gegen die Parteilinie stellt. Es ist ein Muster», sagte eine Delegierte. Eine andere befand, sie schäme sich ihrem Umfeld erklären zu müssen, in der gleichen Partei wie Jositsch zu sein.

Dass er das Klima-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte als Aktivismus bezeichnet hat, kritisierte Agnes Weber, Ex-Nationalrätin:

«Dass das Parlament sich weigert, dieses Urteil umzusetzen, ist ein Tiefpunkt helvetischer Politik – und mittendrin Daniel Jositsch»
Agnes Weber, Ex-Nationalrätin

Ein weiterer Aspekt, mit dem Jositsch bei vielen Genossen und Genossinnen aneckte in der Vergangenheit: Der 61-Jährige gilt als ambitioniert und eitel.

Besonders zu beobachten war das bei den beiden Bundesratswahlen 2022 und 2023, als die SP mit Simonetta Sommaruga und Alain Berset gleich zwei Sitze in der Landesregierung verteidigen musste.

Beide Male schaffte es Jositsch nicht auf das offizielle Ticket – was er sicht- und hörbar als Schmach empfand. Das reine Frauenticket für Sommarugas Nachfolge bezeichnete Jositsch als diskriminierend. Bei der Ersatzwahl von Berset erhielt er viele Stimmen aus dem bürgerlichen Lager und verzichtete darauf, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen.

Darauf wird die SP-Gemeinderätin Lara Can ihn nicht wählen:

«Er hatte unzählige Chancen, die SP, die Partei der Gleichstellung, höher zu gewichten als seine eigenen Ambitionen. Er hat sie alle verstreichen lassen.»

Würde Jositsch irgendetwas anders machen? Gegenüber watson verneint er das. «Klar hätte ich es mir einfacher machen können, wenn ich alles so gemacht hätte, wie es Parteimainstream ist. Aber das wollte ich nicht. Dafür bin ich nicht nach Bern gegangen.»

Dann verabschiedet sich Daniel Jositsch, Noch-Ständerat der SP Kanton Zürich. Es ist kurz vor halb elf. «Ich will mit meiner Frau noch etwas Abendessen». Zu der Uhrzeit werde das wohl auf einen Döner oder einen Big Mac hinauslaufen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
84 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Lisbon
28.05.2026 22:19registriert Januar 2019
"Eine andere Deligierte befand, sie schäme sich ihrem Umfeld erklären zu müssen, in der gleichen Partei wie Jositsch zu sein."
Kaum ein Satz zeigt die Probleme der SP so gut auf. Schämen sollte höchstens sie sich.
16735
Melden
Zum Kommentar
avatar
Papisco
28.05.2026 22:07registriert Juni 2020
Autsch! Ich freue mich auf den vielleicht bald parteilosen Zürcher Ständerat Daniel Jositsch!
15635
Melden
Zum Kommentar
avatar
Digitalflaneur
28.05.2026 22:08registriert März 2024
Schade. Daniel Jositsch ist für mich der SP Politiker, den ich immer wieder gerne wählte.
Vielleicht sollte er eine kandidatur als Regierungsrat in Betracht ziehen!
13937
Melden
Zum Kommentar
84
Warum läuft es bei der Umsetzung von Klimarecht so harzig?
Tausende Gerichtsfälle weltweit: Der Rechtsbereich muss sich je länger, je mehr mit dem Klima befassen. Laura Mai, Professorin für Klimarecht in spe, sagt, warum das keine Forschung für die Linke ist.
Die Klimaseniorinnen wurden in der Schweiz als Beispiel dafür bekannt, wie die CO-Emissionen vor Gericht landen können. Nun hat die Universität Bern die erste Professur für Klimarecht und Gesellschaft in der Schweiz geschaffen. Finanziert wird die Stiftungsprofessur von der Bloom Foundation, die sich der Förderung einer artenreichen und regenerativen Welt verschrieben hat. Ernannt wurde Laura Mai. Wir haben sie gefragt, ob das Recht vom Klimaproblem überfordert sei und wer von dieser Professur profitieren wird.
Zur Story