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Der türkische Präsident greift durch
Der türkische Präsident greift durchBild: Burhan Ozbilici/AP/KEYSTONE

Ein türkischer Student muss wegen Erdogan-Beleidigung 14 Monate ins Gefängnis

Erdogan geht hart gegen seine Kritiker vor: Ein Student muss nun 14 Monate in Haft, weil er den Staatschef als «Dikator» bezeichnet hat. Drei weitere wurden wegen Twitter-Beleidigungen festgenommen.
13.03.2015, 22:31
Ein Artikel von
Spiegel Online

Istanbul - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt sich nichts gefallen: Der Student Aykutalp Avsar muss 14 Monate ins Gefängnis, weil er den Präsidenten einen «Diktator» genannt hat. In Istanbul und Fethiye am Mittelmeer wurden zudem drei Menschen festgenommen - sie sollen Erdogan im Kurznachrichtendienst Twitter beleidigt haben.

Avsar wurde laut Angaben der Zeitung «Hürriyet» gestern im zentralanatolischen Kayseri festgenommen. Der Grund: Der angehende Ingenieur hatte Erdogan während der regierungsfeindlichen Gezi-Unruhen im Jahr 2013 als «Dikator» bezeichnet. Daraufhin wurde der junge Türke verurteilt und schliesslich verhaftet. Avsars Anwalt will gegen das Urteil Beschwerde einlegen.

Zudem hat die türkische Polizei drei Menschen in ihren Wohnungen festgenommen. Sie haben angeblich Erdogan und weitere ranghohe Politiker auf Twitter beleidigt. In den kommenden Tagen sollen sie vor Gericht erscheinen.

Nicht der erste Fall

Jetzt auf

Die türkischen Behörden gehen in letzter Zeit häufig gegen angebliche Beleidigungen Erdogans vor. Studenten, Journalisten und sogar eine Schönheitskönigin wurden bereits mit rechtlichen Schritten, die zum Zeit auf Antrag von Erdogans Anwälten erfolgten, konfrontiert. Auch gegen Kinder gehen die Behörden vor: Im zentralanatolischen Konya wurde vergangene Woche ein Strafprozess gegen einen 16-jährigen Schüler eröffnet. Zuvor wurde ein 13-Jähriger verhört, ein 17-Jähriger erhielt eine Bewährungsstrafe.

Erdogan selbst ist der Meinung, die türkische Jugend bestehe weder aus «den Vandalen, die Sie bei Gezi gesehen haben», noch aus «Provokateuren in Röcken, die die Strassen in Brand setzen». Er griff dabei in einer Rede die Akteure der Gezi-Protestbewegung an und nahm Bezug auf eine Kundgebung in Istanbul, bei der kürzlich Männer in Röcken auf die Strasse gingen. Sie demonstrierten gegen die in der Türkei weit verbreitete Gewalt gegen Frauen.

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