Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«O'zapft» wird trotzdem – friedlicher Start der Nicht-Wiesn



epa08675845 A general view on empty Theresienwiese, where annual beer festival Oktoberfest usually takes place in Munich, Germany, 17 September 2020. The annual Oktoberfest 2020 had to be cancelled due to the worldwide coronavirus pandemic.  EPA/LUKAS BARTH-TUTTAS

Start zur Nicht-Wiesn. Bild: keystone

Das Oktoberfest fällt aus – gefeiert wurde am Samstag in München trotzdem. Um 12.00 Uhr – dem Zeitpunkt, zu dem traditionellerweise das erste Fass vom Oberbürgermeister angestochen wird – blieb es am Samstag auf der Theresienwiese bis auf wenige Besucher in Tracht ruhig. Dafür wurde in zahlreichen Gaststätte gefeiert. Unter anderem stach der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), seinerzeit Anzapfkönig, im Schillerbräu im Bahnhofsviertel an – mit zwei Schlägen – und noch «einer Handvoll weiterer», wie er sagte.

Anders als bei seinen hochsouveränen Auftritten zum Wiesnstart sass der Zapfhahn nicht richtig, am Boden bildete sich schon eine Bierpfütze. Er habe nach den ersten beiden Schlägen vorsichtshalber noch sechs nachgesetzt, sagte Ude.

Christian Ude, Honorary Citizen of the City of Munich and former Mayor of Munich, taps the first barrel at the tapping in the Schillerbräu with a mouth and nose protector in Munich, Germany, Saturday, Sept.19, 2020. Despite the cancellation of the Wiesn due to Corona, events and actions take place in the state capital. (Felix Hörhager/dpa via AP)

Es ist o'zapft. Bild: keystone

Das Fass fasste nur 20 Liter – der sogenannte Hirschen auf der Wiesn ist mehr als zehnmal so gross und hat mehr als 200 Liter. Dafür sei es «frisch durchgeschüttelt» gewesen, wie Ude sagte. Es war kurz vor dem Anzapfen aufgestellt worden – bei der echten Wiesn passiert dies tags zuvor, das Fass wird dann nicht mehr bewegt. Zuletzt hatte Ude als OB 2013 auf dem Oktoberfest angezapft – mit zwei Schlägen. Er war der erste OB in der Wiesn-Geschichte, der das geschafft hatte.

Bei der sogenannten WirtshausWiesn wollen die Wiesn- und die Innenstadtwirte ein Stück Wiesnstimmung schaffen. Es gibt das originale Wiesnbier, Hendl, Haxn, Brezn und teils auch Blasmusik live. Beim seit Wochen laufenden sogenannten Sommer in der Stadt sind zahlreiche Oktoberfest-Fahrgeschäfte im Stadtgebiet verteilt.

Die Münchner Gastronomen knüpfen mit der «WirtshausWiesn» an das allererste Oktoberfest im Jahr 1810 an. Damals wurde zwar auf der Theresienwiese eine königliche Hochzeit mit Pferderennen gefeiert. Gegessen, getrunken und gesungen wurde in den umliegenden Wirtshäusern.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der sonst das erste Fass angestochen hätte, feierte am Samstag nicht. Er werde etwas wehmütig an den Anstich denken, habe aber keine Alternativen geplant. Alle, die trotzdem feiern wollten, bat er um Einhaltung der Corona-Regeln.

Auf der Theresienwiese selbst ertönten um 12.00 Uhr vereinzelte «O'zapft is»-Rufe. Dort hatten sich einige Grüppchen – oft in Tracht – versammelt. Zudem gab es eine Demonstration von Umweltschützern. Auf der Wiesn galt ein Alkoholverbot, mit dem die Stadt wilde Ersatzfeiern verhindern wollte. Dies gelang bis zum Mittag auch gut. Der Polizei zufolge, die einem Sprecher zufolge mit 60 Personen zur Kontrolle im Einsatz war, blieb alles ruhig.

Unter anderem picknickte eine Gruppe von Wiesnbedienungen in Tracht mit Cola-Mix und alkoholfreiem Radler unterhalb der Bavaria. Die WirtshausWiesn sahen sie kritisch. «Das ist ein Schmarrn» sagte Nicolai Schmidt, der normalerweise in einem der Festzelte gearbeitet hätte.

Das Netzwerk Klimaherbst nutzte an Samstag den frei gewordenen Platz auf der Wiesn. Unter dem Motto «Einzug der Klimaheld*innen» demonstrierte es mit mehr als 100 Menschen. Zum bunten Tross gehörten unter anderem eine elektrische Kutsche, auf der junge Frauen in Tracht tanzten, ein Esel, Bäume in Bollerwagen, als Kühe verkleidete Menschen und Kinder auf Fahrrädern. Veranstalter der Kundgebung war das Netzwerk Klimaherbst, das dazu unter dem Motto «Einzug der Klimaheld*innen» aufgerufen hatte.

Auf dem Festgelände schrieben die Demonstrierenden – begleitet von Festmusik – ihre Ideen von mehr Tierschutz über Klimagerechtigkeit bis zu einer sozialeren und ökologischeren Zukunft mit Kreide auf den Asphalt. Die Teilnehmer trugen grossenteils Mund-Nasen-Schutz und achteten auf Abstände.

Parallel zu den Veranstaltungen lief mitten auf der Theresienwiese, beinahe am Fuss der Bavaria, der Betrieb in der Münchner Corona-Teststation weiter. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Deutscher Staatsanwalt rechtfertigt Kinder schlagen mit Bibelzitat und erntet Shitstorm

«Füdlitätsch» und «en Chlapf um d'Ohre»: Früher galten diese körperlichen Züchtigungsmassnahmen noch als normal in der Kindererziehung.

Dass dies heute nicht mehr so ist, musste gerade ein deutscher Staatsanwalt in Oldenburg feststellen. Bei einem Berufungsprozess gegen einen Mann, der seine Kinder jahrelang geschlagen hatte, setzte sich der Staatsanwalt dafür ein, den Vater nur milde zu bestrafen.

Begründet hat er dies mit der Bibel und einer angeblichen päpstlichen Segnung von Gewalt an …

Artikel lesen
Link zum Artikel