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«O'zapft» wird trotzdem – friedlicher Start der Nicht-Wiesn

19.09.2020, 13:3019.09.2020, 15:37
Start zur Nicht-Wiesn.
Start zur Nicht-Wiesn.
Bild: keystone

Das Oktoberfest fällt aus – gefeiert wurde am Samstag in München trotzdem. Um 12.00 Uhr – dem Zeitpunkt, zu dem traditionellerweise das erste Fass vom Oberbürgermeister angestochen wird – blieb es am Samstag auf der Theresienwiese bis auf wenige Besucher in Tracht ruhig. Dafür wurde in zahlreichen Gaststätte gefeiert. Unter anderem stach der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), seinerzeit Anzapfkönig, im Schillerbräu im Bahnhofsviertel an – mit zwei Schlägen – und noch «einer Handvoll weiterer», wie er sagte.

Anders als bei seinen hochsouveränen Auftritten zum Wiesnstart sass der Zapfhahn nicht richtig, am Boden bildete sich schon eine Bierpfütze. Er habe nach den ersten beiden Schlägen vorsichtshalber noch sechs nachgesetzt, sagte Ude.

Es ist o'zapft.
Es ist o'zapft.
Bild: keystone

Das Fass fasste nur 20 Liter – der sogenannte Hirschen auf der Wiesn ist mehr als zehnmal so gross und hat mehr als 200 Liter. Dafür sei es «frisch durchgeschüttelt» gewesen, wie Ude sagte. Es war kurz vor dem Anzapfen aufgestellt worden – bei der echten Wiesn passiert dies tags zuvor, das Fass wird dann nicht mehr bewegt. Zuletzt hatte Ude als OB 2013 auf dem Oktoberfest angezapft – mit zwei Schlägen. Er war der erste OB in der Wiesn-Geschichte, der das geschafft hatte.

Bei der sogenannten WirtshausWiesn wollen die Wiesn- und die Innenstadtwirte ein Stück Wiesnstimmung schaffen. Es gibt das originale Wiesnbier, Hendl, Haxn, Brezn und teils auch Blasmusik live. Beim seit Wochen laufenden sogenannten Sommer in der Stadt sind zahlreiche Oktoberfest-Fahrgeschäfte im Stadtgebiet verteilt.

Die Münchner Gastronomen knüpfen mit der «WirtshausWiesn» an das allererste Oktoberfest im Jahr 1810 an. Damals wurde zwar auf der Theresienwiese eine königliche Hochzeit mit Pferderennen gefeiert. Gegessen, getrunken und gesungen wurde in den umliegenden Wirtshäusern.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der sonst das erste Fass angestochen hätte, feierte am Samstag nicht. Er werde etwas wehmütig an den Anstich denken, habe aber keine Alternativen geplant. Alle, die trotzdem feiern wollten, bat er um Einhaltung der Corona-Regeln.

Auf der Theresienwiese selbst ertönten um 12.00 Uhr vereinzelte «O'zapft is»-Rufe. Dort hatten sich einige Grüppchen – oft in Tracht – versammelt. Zudem gab es eine Demonstration von Umweltschützern. Auf der Wiesn galt ein Alkoholverbot, mit dem die Stadt wilde Ersatzfeiern verhindern wollte. Dies gelang bis zum Mittag auch gut. Der Polizei zufolge, die einem Sprecher zufolge mit 60 Personen zur Kontrolle im Einsatz war, blieb alles ruhig.

Unter anderem picknickte eine Gruppe von Wiesnbedienungen in Tracht mit Cola-Mix und alkoholfreiem Radler unterhalb der Bavaria. Die WirtshausWiesn sahen sie kritisch. «Das ist ein Schmarrn» sagte Nicolai Schmidt, der normalerweise in einem der Festzelte gearbeitet hätte.

Das Netzwerk Klimaherbst nutzte an Samstag den frei gewordenen Platz auf der Wiesn. Unter dem Motto «Einzug der Klimaheld*innen» demonstrierte es mit mehr als 100 Menschen. Zum bunten Tross gehörten unter anderem eine elektrische Kutsche, auf der junge Frauen in Tracht tanzten, ein Esel, Bäume in Bollerwagen, als Kühe verkleidete Menschen und Kinder auf Fahrrädern. Veranstalter der Kundgebung war das Netzwerk Klimaherbst, das dazu unter dem Motto «Einzug der Klimaheld*innen» aufgerufen hatte.

Auf dem Festgelände schrieben die Demonstrierenden – begleitet von Festmusik – ihre Ideen von mehr Tierschutz über Klimagerechtigkeit bis zu einer sozialeren und ökologischeren Zukunft mit Kreide auf den Asphalt. Die Teilnehmer trugen grossenteils Mund-Nasen-Schutz und achteten auf Abstände.

Parallel zu den Veranstaltungen lief mitten auf der Theresienwiese, beinahe am Fuss der Bavaria, der Betrieb in der Münchner Corona-Teststation weiter. (aeg/sda/dpa)

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