DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
«Während Spitzendiplomaten aus aller Welt in Wien über einen Weg aus der Syrien-Krise berieten, beschränkte sich der einzige anwesende Syrer darauf, Häppchen und Getränke zu servieren», schreibt der Postillon unter dieses Bild.<br data-editable="remove">
«Während Spitzendiplomaten aus aller Welt in Wien über einen Weg aus der Syrien-Krise berieten, beschränkte sich der einzige anwesende Syrer darauf, Häppchen und Getränke zu servieren», schreibt der Postillon unter dieses Bild.

«Einziger Syrer auf Syrien-Friedenskonferenz in Wien serviert Häppchen» – Medien aus aller Welt übernehmen Meldung des Satire-Portals «Der Postillon»

05.11.2015, 03:1805.11.2015, 14:23

Lächelnd und mit Tablett in der Hand steht er hinter Spitzendiplomaten aus aller Welt: Ein junger Kellner an den Syrien-Gesprächen im Wiener Hotel Imperial. Schon kurios, schreibt das Spass-Blatt «Der Postillon», dass der einzige Syrer im Raum Häppchen verteile, wo doch über die Zukunft seines Landes diskutiert werde.

Internationale Medien haben die Story nun dummerweise ein bisschen zu ernst genommen – und als wahre Meldung weiterverbreitet. Dabei weiss gar niemand, ob der Kellner auf dem Foto der Syrien-Gespräche in Wien überhaupt ein Syrer ist. Und eigentlich weiss ja auch niemand, ob da überhaupt ein Kellner stand. 

Die ganze Story in Tweets und Bildern:

Der einzige Syrer an den Syrien-Gesprächen sei ein 25-jähriger Kellner gewesen, heisst es in der Meldung. Durch Zufall habe er die Gäste dieses Events bedienen müssen, und dabei Diskussionen mitbekommen, die das Land beträfen, in dem er geboren sei. Zwar sei keiner da gewesen, der Syrien vertreten hätte, aber das könne ja passieren, wenn sonst so viele Leute eingeladen seien.

Das war am 2. November. Noch am gleichen Tag wird die Meldung übernommen. 

Am selben Tag übernehmen auch «24 News», «7N27» und «All4Syria» die Meldung. Auch ausserhalb Syriens wird der Postillon zitiert, zum Beispiel auf der Website lebanondebate.com

Einen Tag später findet die «Syria News» den begrabenen Hund, löscht den Originalpost und entschuldigt sich mehrmals auf Facebook für den Fehler. Man habe zu spät recherchiert, was «Der Postillon» überhaupt für eine Zeitung sei. 

Doch damit ist die Story noch nicht tot. Britische Medien nehmen die Meldung auf – unter anderem die UK-Plattform Liveleak (die auf lebanondebate.com verweist, die Meldung dann wenig später aber wieder löscht).

Liveleak.<br data-editable="remove">
Liveleak.
Bild: screenshot watson

Und ob da überhaupt ein Kellner stand.

Das Agenturbild entspricht nicht ganz dem «Postillon»-Bild. Vielleicht ist da also wirklich ein Kellner am rechten Bildrand aufgetaucht. Oder?<br data-editable="remove">
Das Agenturbild entspricht nicht ganz dem «Postillon»-Bild. Vielleicht ist da also wirklich ein Kellner am rechten Bildrand aufgetaucht. Oder?
Bild: EPA/APA
Die Legende des Agenturbilds: Portrait eines hübschen Kellners, der ein leeres Tablett trägt, auf weissem Hintergrund.<br data-editable="remove">
Die Legende des Agenturbilds: Portrait eines hübschen Kellners, der ein leeres Tablett trägt, auf weissem Hintergrund.
Bild: depositphotos

(dwi)

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

10 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Menel
05.11.2015 07:44registriert Februar 2015
Der Postillon ist und bleibt einfach grossartig 😄
940
Melden
Zum Kommentar
avatar
sheimers
05.11.2015 07:05registriert April 2014
Das nenne ich mal Satire auf höchstem Niveau! Es ist aber erschreckend, wenn andere Medien das nicht merken. Von seriösen Journalisten erwarte ich, dass sie sich erst über ein ihnen unbekanntes Medium informieren, bevor sie daraus zitieren.
670
Melden
Zum Kommentar
avatar
Tsunami90
05.11.2015 06:50registriert November 2014
Das zeigt doch nur wie Medien heute Arbeiten. Ganz nach dem Motto: Drucken und dann erst Fragen stellen. Für mich liegt da der Nachteil der Sozialen Medien. Die Verantwortung den Inhalt zu überprüfen wird dem Endkonsumenten überlassen. Und dessen sind sich wohl die wenigsten bewusst.
602
Melden
Zum Kommentar
10
Radio Zürisee in Rapperswil wird verkauft

Der Privatsender Radio Zürisee in Rapperswil wird verkauft. Die Mehrheitseigner des Mutterhauses Zürichsee Medien AG ziehen sich aus dem Mediengeschäft zurück und konzentrieren sich auf ihre Liegenschaften. Bereits verkauft ist die Zürichsee Werbe AG.

Zur Story