Bilanz des 1. Mai: Friedlich in den meisten Städten – Krawalle in Zürich
Zum Tag der Arbeit haben mehrere tausend Menschen in zahlreichen Schweizer Städten für die Rechte der Arbeitnehmenden und gegen die SVP-Zuwanderungsinitiative demonstriert. Abgesehen von einer unbewilligten Nachdemonstration in Zürich verliefen die Feierlichkeiten grösstenteils friedlich.
In der Stadt Zürich nahmen am Freitagnachmittag mehrere hundert Menschen an einer unbewilligten Nachdemo im Kreis 4 teil. Zum ersten Mal seit langem liess sie die Polizei gewähren, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete.
Am Rand kam es zu einem Angriff auf einen Motorradpolizisten, woraufhin mehrere Beamte einschritten und den Angreifer stoppten. Die Polizei setzte einen Wasserwerfer und vereinzelt Tränengas sowie Gummischrot ein. Die Teilnehmenden aus dem linksautonomen Umfeld zündeten Pyros und Petarden. Ausserdem setzten einige Personen einen Einkaufswagen mit Inhalt in Brand.
Zuvor war es unter anderem zu Provokationen einiger junger Männer gegenüber Zivilpolizisten gekommen. Auch die Verhaftung nach dem Angriff auf den Motorradpolizisten sorgte für Aufregung bei Passanten und Demonstrierenden. Gemäss aktuellem Kenntnisstand der Polizei wurden zwei Polizisten leicht verletzt.
Verhaftungen und Wegweisungen in Zürich
Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nahmen die Stadt- und die Kantonspolizei Zürich acht Personen fest, wie die Stadtpolizei am Abend mitteilte. Dies hauptsächlich wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte. Rund ein Dutzend Personen seien zudem weggewiesen worden, bei «einigen» Personen sei Demomaterial sichergestellt worden.
Die grosse Kundgebung hingegen verlief weitgehend friedlich. Mehrere tausend Menschen nahmen daran teil, die Organisatoren zählten deren 15'000. Allerdings kam es zu vereinzelten Sachbeschädigungen. Aus einer grossen Gruppierung von linksextremen Organisationen lösten sich Vermummte an der Bahnhofstrasse. Sie versprayten Wände und Schaufenster, zündeten Böller und Pyros.
Die Polizei sicherte die Route unter anderem mit einem Wasserwerfer. Aus dem «revolutionären Block» flogen Gegenstände in Richtung der Polizisten, und die Menge skandierte Anti-Polizei-Parolen. Am Umzug waren viele Palästina-Fahnen, solche mit kommunistischen Motiven, Vertretungen von linken Parteien, verschiedene Gewerkschaften, aber auch kurdische und tamilische Gruppierungen zu sehen.
Die Zürcher Innenstadt blieb über längere Zeit blockiert, der Verkehr stand still. Die Demonstrierenden riefen Parolen für Palästina und für die internationale Solidarität.
Basler Demo-Spitze biegt ab
In Basel wiederum nahmen Angaben der Kantonspolizei zufolge rund 2500 Menschen an der 1.-Mai-Demonstration teil. Sie verlief demnach ohne «grössere Zwischenfälle», wobei ein Teil der Demonstrierenden nach der Mittleren Brücke einen unbewilligten Umweg nahm. Kurz darauf flogen aus der Menge mit Farbe gefüllte Gegenstände auf das Hotel Trois Rois. Sie hinterliessen Flecken auf der Fassade, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort beobachtete.
Die Spitze zog weiter zum Universitätsspital Basel, wo eine Rede gehalten wurde. Die Demonstrierenden kritisierten die Arbeitsverhältnisse für Pflegende, und es hiess, Spitäler würden wie Unternehmen geführt. Auch kritisierten sie den Nationalrat, der die Pflegeinitiative «abgeschmettert» habe.
Der Demonstrationszug hatte sich pünktlich um 11 Uhr vom Messeplatz aus in Bewegung gesetzt. Dabei wurden verschiedentlich antikapitalistische und antiimperialistische Parolen skandiert und Lieder gesungen. Zudem bezeugten die Demonstrierenden ihre Solidarität mit den Palästinensern. «Wir sind alle Kinder Gazas» hiess es etwa auf Französisch.
Rund 1000 ziehen durch Bern
In Bern beteiligten sich rund tausend Menschen am Umzug von der Altstadt auf den Bundesplatz. Unter blauem Himmel gab es Risotto und Bratwurst, Bier und Ansprachen. Ebenfalls rund tausend Personen schlossen sich anschliessend einer unbewilligten Nachdemonstration «zum revolutionären 1. Mai» an. Sie folgten einem Aufruf von Linksaussen-Gruppierungen.
Vor allem junge Menschen nahmen an der unbewilligten Kundgebung teil, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Die Polizei hielt sich bei der Besammlung der Demonstrierenden im Rosengarten im Hintergrund. Geplant war ein Umzug durch die Stadt. Die Kundgebung stand unter dem Motto «Klassenkampf statt Vaterland - Kein Krieg auf dem Rücken unserer Arbeit».
In Genf nahmen auf den Aufruf der Gewerkschaften hin knapp 3000 Menschen am 1.-Mai-Demonstrationszug teil. Der Widerstand gegen den G7-Gipfel, der im Juni in Évian im benachbarten Frankreich stattfinden wird, war bei der Demonstration deutlich zu spüren. Thema der Reden war unter anderem die Verteidigung der Arbeitsbedingungen.
In über 50 Städten und Gemeinden gingen Menschen anlässlich des Tages der Arbeit auf die Strasse, wie der Schweizerische Gewerkschaftsbund in einer Mitteilung ausführte. «Jobs und Löhne verteidigen - Nein zur Abschottung» lautete das Motto der diesjährigen Kundgebungen und Feierlichkeiten, die auch im Zeichen der anstehenden Abstimmung zur SVP-Zuwanderungsinitiative (keine 10-Millionen-Schweiz) standen. (sda)
Menge zerstreut sich
Polizei bleibt präsent
Weiterhin grosses Polizeiaufgebot im Kreis 4. Verkehrsbehinderungen und Einschränkungen des ÖVs dauern an.
— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) May 1, 2026
Demonstrierende ziehen sich zurück
Bewegung, aber keine Angriffe
Situation beruhigt sich – aber nur langsam
Brennender Einkaufswagen
Tränengas eingesetzt
Polizei setzt Wasserwerfer ein
Angriff auf Töffpolizist
Die unbewilligte Demo führte kreuz und quer durch den Kreis 4. Die Demonstrierenden zogen dabei auch zweimal durch die Bäckeranlage, auf der sich auch Familien und Kinder befanden. (sda)
Polizei bestätigt Einsatz von Mitteln
Im Rahmen der unbewilligten Nachdemonstration kam es nach Angriffen auf die Polizei zu mehreren Mitteleinsätzen.
— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) May 1, 2026
In einem Video ist zu sehen, wie Aktivisten auf die Einsatzkräfte treffen.
Aufgeheizte Stimmung beim Helvetiaplatz
Menge wird auseinander getrieben
Hie und da fliegen Wasserballons auf die Polizeifahrzeuge, und es gibt Sprechchöre, die sich gegen die Einsatzkräfte richten.
Die ersten Gegenstände fliegen
E-Trottis auf der Strasse
Öffentlicher Verkehr beeinträchtigt
Demonstranten werden zum Helvetiaplatz getrieben
Polizei gegen Demonstranten
Auch die Polizei hat sich in Stellung gebracht
Menschen säumen die Umzugsroute
Unbewilligte Demo beginnt
Zürcher Polizei mahnt
Es wird zu einer unbewilligten Nachdemonstration aufgerufen. Bitte bleibt dieser Demo fern und befolgt die Anweisungen der Einsatzkräfte.
— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) May 1, 2026
Weiter geht's in Zürich
1.-Mai-Demos im Kanton Bern
In Biel warnte SP-Bundesrat Beat Jans am Mittag vor den Folgen des Begehrens, das am 14. Juni zur Abstimmung kommt. Die Initiative gefährde Jobs, Löhne und die Beziehungen zu Europa.
In Bern ist am späten Nachmittag ein Umzug von der Altstadt auf den Bundesplatz geplant. Dort will unter anderem SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen das Wort ergreifen. In Burgdorf ist eine Ansprache des neuen SP-Regierungsrats Reto Müller vorgesehen. 1.-Mai-Feiern sind auch etwa in Thun, Unterseen und Langenthal angekündigt.
In Bern haben Linksaussen-Gruppierungen zudem zum «revolutionären 1. Mai» aufgerufen. Sie wollen am frühen Abend auf die Strasse gehen. (sda)
Offizieller Umzug laut Zürcher Polizei beendet
Der offizielle 1. Mai-Umzug ist beendet. Der Verkehr läuft wieder normal. Wir bleiben noch eine Weile vor Ort. Hier geht es zu unserer Bilanz: https://t.co/Y0lNdgFdMV
— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) May 1, 2026
Zürcher Unia-Co-Chef warnt vor 10-Millionen-Initiative
Bilanz der Basler Polizei
Die Demo sei friedlich verlaufen, schreibt die Kantonspolizei Basel-Stadt. Mehrere Gebäude seien mit Farbe verschmiert worden und es kam zu Sperrungen und Einschränkungen für den Verkehr.
Reden auf dem Sechseläutenplatz
Jans warnt vor SVP-Initiative
Die Initiative schade der Schweiz unmittelbar und verschärfe den Fachkräftemangel, sagte Jans. Unternehmen, Spitäler und Pflegeheime wären besonders betroffen, da sie auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen seien. Bei einem Ja müsste die Schweiz schon «sehr bald» die Personenfreizügigkeit vertragswidrig einschränken und verletzen.
Die Initiative würde zu Verteilkämpfen führen und den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährden, sagte der SP-Bundesrat. «Wo holen die Unternehmen in Zürich, in Basel oder Genf die Leute, wenn nicht in der EU? Vielleicht in Biel?»
Auch für die Löhne sieht der Justizminister Risiken. Zwar sei die Bevölkerung gewachsen, gleichzeitig seien die Reallöhne seit 2002 um fast zwölf Prozent gestiegen. Die Zuwanderung habe wesentlich zum wirtschaftlichen Wachstum beigetragen.
Jans warnte auch vor politischen Konsequenzen. Die Initiative könnte seinen Angaben zufolge die Glaubwürdigkeit der Schweiz schwächen. In einer unsicheren globalen Lage brauche das Land mehr Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn und nicht weniger.
Über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» wird am 14. Juni abgestimmt. (sda)
«Die Stimmung war super!»
Unbewilligte Route in Basel
Statt geradeaus zum Marktplatz zu ziehen, bog der Kopf der Demonstration bei der Ankunft im Grossbasel nach 11 Uhr nach rechts in die Schifflände ab – ein unbewilligter Umweg, wie es aus einem Lautsprecher hiess. Kurz darauf flogen aus der Menge mit Farbe gefüllte Gegenstände auf das Hotel Trois Rois und hinterliessen Flecken auf der Fassade.
Die Spitze zog weiter zum Universitätsspital Basel, wo eine Rede gehalten wurden. Die Demonstrierenden kritisierten die Arbeitsverhältnisse für Pflegende und es hiess, Spitäler würden wie Unternehmen geführt und es werde auf Kosten der Mitarbeitenden gespart. Auch kritisierten sie den Nationalrat, der die Pflegeinitiative «abgeschmettert» habe. (sda)
Polizei mit Gegenständen beworfen
Gewerkschaftsbund: 15'000 Menschen nahmen an Demo teil
Umzug erreicht Sechseläutenplatz
Die Spitze des Demonstrationsumzugs ist auf dem Sechseläutenplatz angekommen. Nach wie vor kommt es zu Einschränkungen im Verkehr (IV und ÖV).
— Stadtpolizei Zürich (@StadtpolizeiZH) May 1, 2026
