Buckelwal Timmy: Das Wetter könnte seine Freilassung erzwingen
Dem auf einer Barge vor der dänischen Küste ausharrenden Buckelwal könnte demnächst das Freisetzen bevorstehen. In den späten Nachmittagsstunden werde der Wal möglicherweise entlassen, sagte Jens Schwarck, Mitglied der privaten Initiative und beim Transport mit dabei, der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist aber noch in Abstimmung.» Aktuell werde versucht, den Sender am Tier anzubringen. «Es wird ausserdem vorbereitet, dass das Netz relativ schnell entfernt werden kann für den Fall, dass der Wal aus der Barge entlassen werden muss, weil er sich nicht wohlfühlt oder weil es zu gefährlich für ihn ist.»
Aktuell befindet sich der Schlepper mit der angehängten Barge noch ein Stück vor dem nördlichen Ende Dänemarks und damit noch in der Ostsee. Am nördlichsten Punkt Dänemarks, nahe der Stadt Skagen, fliessen Kattegat und Skagerrak zusammen, weshalb auch vom Eingang zur Nordsee gesprochen wird. Plan der Initiative war eigentlich, das Tier erst in der Nordsee an einer geeigneten Stelle abzusetzen.
Wetter machte einen Strich durch den Plan
Der Lastkahn mit dem mehrfach an deutschen Küsten gestrandeten Buckelwal hatte am Morgen nach tagelanger Reise fast die Nordsee erreicht. Etwa 11 Seemeilen (rund 20 Kilometer) vom nördlichsten Punkt Dänemarks entfernt drehte das Schiff dann aber zunächst ab, wie beim Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zu beobachten war. Grund seien die schwierigen Wetterbedingungen, sagte Martin Bocklage, Kapitän des Begleitschiffs «Robin Hood», dem Sender NDR. Bei dem hohen Wellengang sei das Verletzungsrisiko für den Wal in der Barge gross, hiess es aus dem Team der Initiative.
Am Dienstag war der wochenlang an der Ostseeküste im Flachwasser liegende Wal in den Lastkahn bugsiert worden. In dem mit Wasser gefüllten Stahlbecken, der vom Schlepper «Fortuna B» gezogen wird, war das zwölf Meter lange, geschwächte Tier in Richtung Nordsee geschippert worden.
In Dänemark rettet man gestrandete Wale nicht
Sollte das Tier nach der Aktion abermals stranden, würden ihm die dänischen Behörden wohl nicht helfen. Das dänische Umweltministerium teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere prinzipiell nicht rette. Strandungen seien «ein natürlich vorkommendes Phänomen» und Wale sollten generell «nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört» werden.
Die private Initiative zum Transport des wochenlang gestrandeten Buckelwals hat einen Plan B für den Fall ins Spiel gebracht, dass das Tier doch zu schwach sein sollte, um demnächst freigelassen zu werden. Es gebe Auffangstationen zum Aufpäppeln von Walen, hatte die Rechtsanwältin der privaten Rettungsinitiative, Constanze von der Meden, gesagt. Doch wäre das ein realistischer Plan?
Zwar gebe es in Europa verschiedene Auffangstationen für Kleinwale, erklärte die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Aber: «Auffangstationen, die Kapazitäten für die Aufnahme eines Wals dieser Grösse, geschweige denn Erfahrungen mit dem »Aufpäppeln« von Buckelwalen hat, sind uns weder in Europa noch weltweit bekannt.» Allgemein würden Grosswale nicht unter menschliche Obhut gebracht.
Nach der langen Liegezeit sei fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen könne, hatte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt. Auch die Frage nach der Nahrungsaufnahme stelle sich wegen der in seinem Maul gefundenen Netzteile. Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen.
WDC sei generell der Ansicht, dass Wale und Delfine ein Recht auf Freiheit hätten, hiess es von der Organisation weiter. Aber: «Wir unterstützen Auffangstationen für wildlebende Wale und Delfine, die in freier Natur allein nicht mehr überlebensfähig sind, ausdrücklich nicht.» Die Erfahrung zeige, dass eine anschliessende Auswilderung in den meisten bekannten Fällen nicht möglich sei - den Tieren werde ein Leben in Gefangenschaft auferlegt. «In Gefangenschaft leiden Wale und Delfine erwiesenermassen psychisch wie physisch.» Ohnehin sei davon auszugehen, dass der geschwächte Buckelwal auch in einer Auffangstation keine langfristigen Überlebenschancen hätte.
WDC bereite derzeit grosse Sorge, wie die Zuständigkeit für den Buckelwal ausserhalb der deutschen Hoheitsgewässer geregelt sei, hiess es weiter. «Wer entscheidet nun, ob der Transport weiterhin zulässig ist?» Zu den relevanten Organisationen, die in internationalen Gewässern involviert werden könnten, gehöre die Internationale Walfangkommission (IWC) - und die habe sich bereits gegen den Transport ausgesprochen. «Die Missachtung ihrer Empfehlungen kann politisch und rechtlich problematisch sein.»
Auch die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten verpflichte Staaten, Gefährdungen zu minimieren - und gelte auch für Grosswale im europäischen Raum, wie WDC betont. Letztlich greife auch die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU, die absichtliche Störungen vor allem geschwächter Tiere verbiete und Meeressäuger unter strengen Schutz stelle. (sda/dpa)
