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IM HINBLICK AUF DEN SCHULJAHRESBEGINN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL VOM UNTERRICHT AN GYMNASIALEN MATURITAETSCHULEN ZUR VERFUEGUNG --- Class 2A pictured taking an exam during natural science project work with teacher Thomas Ortega (not in the picture) at the gymnasium of the Cantonal School Glarus, Switzerland, on May 8, 2018. The Cantonal School Glarus was founded in 1956 and consists of a gymnasium and a specialized upper secondary school (Fachmittelschule FMS). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Haben schlechte Leistungen an den Hochschulen einen Zusammenhang mit der Qualität eines Gymnasiums? Bild: KEYSTONE

CVP-Nationalrätin will Ranking für Gymis – Kritiker befürchten amerikanische Zustände

Die Politik streitet sich darüber, ob die Qualität an Schweizer Gymnasien verglichen werden soll. Kantonsvertreter warnen vor einer Ranking-Kultur wie in den USA.

Roger Braun / ch media



Vor gut zehn Jahren brach die ETH Zürich ein Tabu. Sie gab bekannt, welche Gymnasien die erfolgreichsten ETH-Studenten hervorgebracht hatten. Top war die Kantonsschule Rychenberg in Winterthur. Ein Flop war das Gymnasium Immensee im Kanton Schwyz.

Lehrer, Rektoren und Erziehungsdirektoren reagierten empört: Die Untersuchung sei verzerrt, vergleiche Birnen mit Äpfeln, schimpften sie. Die Reaktion verfehlte ihre Wirkung nicht. Es war bis heute der letzte nationale Vergleich der Gymnasien.

«Die Daten könnten wichtige Hinweise darauf geben, was an den Gymnasienverbessert werden kann.»

Andrea Gmür, CVP-Nationalrätin

Nun nimmt der Nationalrat einen neuen Anlauf, die Qualität der Schweizer Gymnasien zu beleuchten. In der Herbstsession befürwortete er mit 181 zu 3 Stimmen eine Motion der Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür. Sie fordert, dass der Bund künftig den Studienerfolg der Abgänger unterschiedlicher Gymnasien veröffentlicht.

Die Daten liegen beim Bund vor, sind allerdings ausschliesslich für einzelne Kantone abrufbar. Gmür versteht nicht, wieso man dieses Potenzial nicht nutzt: «Die Daten könnten wichtige Hinweise darauf geben, was an den Gymnasien verbessert werden kann.»

Plötzlich geballter Widerstand

So weit, so gut. Bis zur Sitzung der Bildungskommission des Ständerats diese Woche. Mit 7 zu 0 Stimmen bei einer Enthaltung lehnen die Kantonsvertreter die Motion von Gmür überraschend ab. «Wir wollen keine Ranking-Kultur wie in den USA», begründet Kommissionspräsident Ruedi Noser das klare Nein. Der Erfolg eines Gymnasiums messe sich nicht nur an der Studierfähigkeit, sondern auch an der Persönlichkeitsentwicklung, sagt der Zürcher FDP-Ständerat. «Wenn sich die Gymnasien nur noch am Ranking orientieren, kommen musische Fächer wie Musik oder Zeichnen unter die Räder.» Noser warnt auch davor, einen Studienabbruch mit mangelhafter Qualität an Gymnasien zu verbinden. Zu verschieden seien die Motive für einen Abbruch.

«Wir wollen keine Ranking-Kultur wie in den USA.»

Ruedi Noser, FDP-Nationalrat

Für Gmür gibt es hingegen keinen Zweifel an einem Zusammenhang zwischen der Qualität eines Gymnasiums und dem Studienerfolg an einer Hochschule. Um den Stellenwert der musischen Fächer macht sie sich keine Sorgen, wenn der Studienerfolg der Gymnasien künftig veröffentlicht wird. «Denn auch musische Fächer tragen ihren Teil bei, dass ein Student ein Studium erfolgreich durchläuft.» Gmür sieht den wahren Grund des Widerstands woanders: «Die Kantone und Gymnasien wollen vor allem darum keine Transparenz, weil sie sich fürchten, schlecht abzuschneiden.»

Wirtschaft will Offenlegung

Unterstützt wird Gmür von der Wirtschaft. «Der Entscheid der Ständeratskommission ist völlig unverständlich», sagt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. Der Wirtschaftsdachverband hatte im Nachgang zur ETH-Studie aus dem Jahr 2008 sämtliche Gymnasien angeschrieben und nach den Folgen gefragt. «Das Ergebnis zeigte deutlich: Die Gymnasien haben nicht nur Verbesserungsmassnahmen diskutiert, sondern viele haben auch solche beschlossen», sagt Minsch. Für ihn steht ausser Frage, dass die Daten an die Öffentlichkeit gehören. «Der Steuerzahler hat das Recht zu wissen, ob die von ihm finanzierten Schulen ihre Qualität bringen oder nicht.»

Minsch wirft den Kantonen eine «unverständliche Blockadepolitik» vor. «Das Verhalten weckt den Verdacht, dass die Schulen etwas zu verbergen haben.» Minsch beklagt eine «Söihäfeli-Söideckeli-Politik». «Offensichtlich wollen sich die guten und schlechten Gymnasien nicht wehtun und decken sich deshalb», sagt er. Für ihn ist das ein grosser Fehler, denn die Qualität des Schulsystems sei entscheidend für den Erfolg der Schweiz. «Es besteht die Gefahr, dass wir uns in der guten Situation sonnen, anstatt uns kritisch zu hinterfragen», sagt er. «Rankings motivieren einen, ständig besser zu werden.»

Die Ständeratskommission sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. «Die Kantone können die Daten bereits heute heranziehen, um ihre Schulen zu verbessern», sagt Noser. «Wer die Daten öffentlich machen will, kann im Kantonsrat einen Vorstoss einreichen.» Gmür entgegnet, es gehe darum, die Daten schweizweit zu vergleichen. «Eine nationale Debatte zu den Voraussetzungen guter Gymnasien kann der Schweiz nur guttun», sagt sie.

Ob es so weit kommt, ist ungewiss. Der Ständerat orientiert sich meist stark an der vorberatenden Kommission. Auch wenn ein Drittel der Kommission bei der Abstimmung abwesend war: Die Wahrscheinlichkeit, dass Gmür im Ständerat aufläuft, ist hoch.

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • regen 02.05.2019 14:42
    Highlight Highlight Neben der fachkompetenz gibt es noch 3 überfachliche kompetenzen: die soziale, methodische und personale kompetenz (vgl. LP21). Ein ranking, wie sich cvp-frau gmür vorstellt, bewertet nur die fachkompetenz. Noser hat recht.....
  • Fairness 02.05.2019 12:52
    Highlight Highlight Und? Was ist an den „amerikanischen Zuständen“ verkehrt? Ich finde Rankings, Leistungund Leistungsförderung gut. Bei uns werden nur die Schwachen gefördert und nach Schweizer Mentalität sind intellgente Schüler blöde Streber. Sogar wenn sie eigentlich Minimalisten sind, weil ihnen alles „geschenkt“ wurde. Komplett verkehrt, unser System. Viele brauchen Ansporn. So kriegen wir ja nie eigene Fachkräfte ;) ...
    • Fairness 02.05.2019 12:58
      Highlight Highlight Eigentlich müsste es ab Schuleintritt Rankings geben, der Ausländeranteil usw. bekannt sein. Wenn in Schulklassen nur noch ein hiesiges Kind sitzt, möchte ich als Elternteil das gerne wissen!
    • loquito 02.05.2019 15:18
      Highlight Highlight Was falsch ist am uS System?
      1. Bildung nur für Reiche
      2. Bildung ist privat und es wird oft nur daraufhin gearbeitet im Ranking aufzusteigen... Bullemielernen gefördert
      3. Es gibt die IvyLeague unis, Super... Die meisten anderen Unis simd nicht zu gebrauchen.
      4. Es wird nur für die Wirtschaft gebildet, Sprachen, Sozialkompetenz etc. kommen in der Grundbildung zu kurz...
      Ich könnte weiterfahren. Habe viele Verwandte und Bekannte in den USA und alle wünschten sich ein System näher am europäisch- schweizerischen...
    • Anam.Cara 03.05.2019 07:25
      Highlight Highlight Fairness, du solltest deinen Nickname ändern. Oder deine Meinung. Weil: Widerspruch...
      Hier können auch Leute eine top-Bildung erreichen, die sich das gar nicht leisten könnten. Das nenne ich fair.
      Und unser System versucht auch leistungsschwächere Schüler auf ein Niveau zu bringen, mit dem sie einen Beruf lernen können. Auch das scheint mir fair.
      Aber keine Sorge, das System kommt dir entgegen. Wenn man für Berufe in der Pflege und in der Landwirtschaft die Matura benötigt, wird es nicht lange dauern, bis auch Kaufleute, Schreiner, Metzger oder Verkäufer Matura brauchen.
      Wie in den USA.
  • Nik G. 02.05.2019 11:00
    Highlight Highlight Wie will man das messen wenn es keine genormten Stundenpläne gibt?
    Klar hat die Wirtschaft interesse daran, dann können sie mit Sponsoring beginnen, Werbung in den Schulen platzieren usw. Wie in den USA....
    Spass! mehr Werbung, mehr Konkurenz!
  • koks 02.05.2019 08:46
    Highlight Highlight Zielführender wäre es mal darüber zu diskutieren, weshalb ca 45% der Mädchen eine Matur machen, aber nur ca 1/3 der Knaben. Sobald in der aktuellen Genderdebatte mal etwas zuungunsten der Männer ist, wirds unter den Teppich gekehrt.
    • Shlomo 02.05.2019 10:34
      Highlight Highlight Das hat absolut nichts mit Genderdebatte zu tun sondern mit der falschen Gewichtung von Schulfächern.
  • therationalist 02.05.2019 08:32
    Highlight Highlight Wenn dank den Rankings einzelne Gymnasien Verbesserungspotenzial erkennen finde ich es gut. Aber das Rankings von Mittelstufen im Allgemeinen nutzlos sind, ist ebenso wahr. Ich habe die Matur von einer der "schlechtesten" Schulen, in Mathe war ich grade so akzeptabel. Für den ETH Abschluss mit sehr gutem Schnitt hat es immer noch gereicht.
  • Anam.Cara 02.05.2019 07:39
    Highlight Highlight Zum Glück haben wir keine echten Probleme...
    Mir geht diese Ranking-Kultur sowas von auf den Wecker. Es gibt für alles eine Rangliste oder einen Wettbewerb. Und das fördert eine Kultur, die mir zutiefst zuwider ist: the winner takes all. Und alle anderen (auch Rang 2) sind dann nur die "loser". Der olympische Gedanke geht komplett verloren.

    Ich fänds ok, wenn die Hochschulen den Gymnasien Rückmeldungen geben (mit einem Vergleichswert - etwa Abweichung vom Durchschitt oder eine anonymisierte Statistik aller Gymis).
    Aber warum öffentlich? Um "public blaming" betreiben zu können?
  • sevenmills 02.05.2019 07:22
    Highlight Highlight Die Matura hat zwei Hauptziele: einerseits die allgemeine Studierfähigkeit und andererseits eine vertiefte Gesellschaftsreife. Mit einem Ranking wird aber nur das erste bewertet, und das finde ich nicht gut.

    Übrigens störe ich mich deswegen auch an den Uni -Rankings: Dort werden Forschung und Innovation massiv überbewertet, die Lehrqualität kommt viel zu kurz. Und geisteswissenschaftlich orientierte Unis haben meist schon wegen dem Punkt „Innovation“ keine Chance.
    • Rellik 02.05.2019 12:20
      Highlight Highlight Intressiert sich eigentlich irgendwer für diese Unirankings ausser Eth 1. Semester?
  • Heimwerkerkönig 02.05.2019 07:00
    Highlight Highlight Die Sau wird nicht vom Wiegen fett.
    Hört doch auf, Schulen zu vergleichen. Systeme, die gewachsen sind, finanziell unterschiedliche Bedingungen haben und Lernende ausbilden, die alle einen anderen Background haben, dürfen nicht verglichen werden. Das Ergebnis sagt nichts aus, bietet dann aber die Grundlagen für bildungspolitische Schnellschüsse.
  • HGS 02.05.2019 06:55
    Highlight Highlight Die gymnasiale Maturitätsquote der Schweiz liegt bei 21.2%, jene im Kanton Genf bei 33.3% und jene im Kanton Glarus bei 12.9%. Die durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Genfer Maturanden ist ohne Zweifel geringer als jene der Glarner Maturandinnen, denn die Genfer sind nicht klüger als die Glarnerinnen... Vergleicht man also die Studienerfolgsquote der Genfer und Glarner, erhält man nicht Aussagen über die Qualität der Gymnasien, sondern v.a. über die unterschiedlichen Maturitätsquoten. Diese Unterschiede kennen wir aber schon, sie allerdings verdienten eine Debatte.
  • meerblau 02.05.2019 06:44
    Highlight Highlight Also entweder ist Bildung Sache der Kantone oder aber der Bund nimmt das Heft in die Hand. Aber man kann nicht den Kantonen die Leitung überlassen und dann quer miteinander den Output vergleichen und daraus qualitative Rankings erstellen.
    Zudem stimme ich den Bildungsdirektoren zu: Gründe für einen Studienabbruch sind vielfältig und nur die Anzahl erfolgreicher Studierenden und die gewählten Disziplinen sagen nichts über die Schule aus. Da wird ja keine Forschung betrieben wie an den Unis oder Hochschulen.
    Eine selten dumme Idee.
  • Tisch 02.05.2019 06:35
    Highlight Highlight Ein Daumen hoch für die differenzierte und gut begründete Meinung von Ständerat Noser. Ob ein Gymnasium eine gute Ausbildung bietet, bemisst sich an so vielen anderen Kriterien als nur an den Studienabbrüchen. ZB absolvieren einige danach erfolgreich eine Lehre. Dann leistete ein Gymnasium eine ebenso gute Arbeit, wie wenn der Gymnasiast danach an die ETH gegangen wäre.
    • Gähn on the rocks änd röll 02.05.2019 07:01
      Highlight Highlight hm. das ist doch kein argument!
      wer sie für den weg übers gymnasium entscheidet, strebt in erster linie ein studium an.
      wer dann dieses abbricht, hatte irgendein problem damit.
      anhand der zahlen erkennt man die gymnasiumsherkunft.
      und?

    • Damo Lokmic 02.05.2019 16:51
      Highlight Highlight Nein. Jemand, der die Uni abbricht, kann entweder veränderte Lebensumstände haben oder generell ein anderes Interesse mit der Zeit entwickeln (Hobbies, Familie, Freunde, Geld, Lebenssituation) - Also alles gute Gründe, kein Ranking einzuführen. Oder willst du mir erklären, dass du während deines ganzen Lebens immer die gleichen Interessen gehabt hast und nie über den Tellerrand hinausgeschaut hast?
    • Gähn on the rocks änd röll 02.05.2019 20:12
      Highlight Highlight haha.
      ich habe 2 komplett verschiedene berufsabschlüsse. weil ich mich bewegt habe.

      gerade wegen deiner genannten gründe könnte man ein ranking durchaus einführen. es geht dabei ja um die erfolgreichsten studenten und nicht um abbrüche.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Matthias Calvin Trüb 02.05.2019 06:15
    Highlight Highlight Vielen Dank liebe Bildungskomission. Solche Rankings sind definitiv für en Ar***. Ich hoffe sezr der Ständerat häot sich an die Empfehlung. Im Gymnasium ist man mitten in der Pubertät und auch nach der Matura (Reifeprüfung) weiss man definitiv noch nicht wo man mit dem Leben hin will. Bildung ist sehr schwer messbar und das machen Rankings definitiv nicjt besser.
    • Gähn on the rocks änd röll 02.05.2019 09:10
      Highlight Highlight Das ist hier nicht relevant.
      ALLE sind in der Pubertät.
      Jeder darf sich verändern und umorientieren!
      Trotzdem kann man Gymnasien beurteilen.

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