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Die Zahlen der Polizeistatistik zu Delikten in den eigenen vier Wänden dürften viel tiefer ausfallen als die Realität: Nur 20 Prozent der Fälle werden angezeigt.  
Die Zahlen der Polizeistatistik zu Delikten in den eigenen vier Wänden dürften viel tiefer ausfallen als die Realität: Nur 20 Prozent der Fälle werden angezeigt.  
bild: Shutterstock
Wenn die Statistik nicht alles sagt

9381 Menschen wurden letztes Jahr in der Schweiz Opfer von häuslicher Gewalt – doch das ist nur die halbe Wahrheit

Die Polizeibehörden haben letztes Jahr mehr Fälle von häuslicher Gewalt registriert. Die Opfer sind vorwiegend Frauen. Das Traurigste aber ist: Die Realität sieht noch schlimmer aus. 
25.11.2014, 20:3226.11.2014, 16:03

Seit 2009 publiziert das Bundesamt für Statistik die Fälle von häuslicher Gewalt separat. Zuvor gingen die Zahlen in der allgemeinen Kriminalstatistik unter; versteckten sich also irgendwo unter Strafbeständen wie «Körperverletzung», «Tätlichkeiten» oder «Drohung». 

Im letzten Jahr wurden 16'495 Fälle häuslicher Gewalt gemeldet. Nach einem Rückgang in den Jahren 2009 bis 2011 stieg die Zahl der Delikte seit 2012 wieder an. Straftaten wie Tätlichkeiten, Drohung, Beschimpfung und einfache Körperverletzung führen die Statistik an. 

Trotz der leichten Zunahme hält Irene Huber vom eidgenössischen Büro für Gleichstellung von Mann und Frau (EBG) fest: «Ein eindeutiger Trend lässt sich in den letzten fünf Jahren noch nicht ablesen.»

Polizeilich registrierte Gewalttaten

daten: bfs/grafik: watson

Hohe Dunkelziffer

Die neuen Zahlen bringen zwar etwas Licht ins Dunkel der abgeschirmten vier Wände. Die Statistik sei allerdings mit Vorsicht zu geniessen, warnt Huber: «Es ist wichtig zu beachten, dass es sich bei den vorliegenden Zahlen ausschliesslich um polizeilich registrierte häusliche Gewalt handelt», sagt sie, «es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen».

Viel mehr Sorgen als die Zunahme bereitet den Fachleuten die Höhe der Dunkelziffer: «Wir wissen aus Opferbefragungen, dass lediglich rund 20 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt der Polizei bekannt werden. Es handelt sich folglich nur um die Spitze des Eisbergs», sagt Huber. 

Geschädigte Personen nach Geschlecht

daten: bfs/grafik: watson
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2013 wurden 9381 Personen Opfer von häuslicher Gewalt. In 74,8 Prozent der Fälle handelte es sich dabei um Frauen oder Mädchen. 

Auch diese Zahl dürfte in Realität viel höher sein: «Befragungen besagen, dass jede fünfte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von sexueller oder physischer Gewalt in den eigenen vier Wänden wird», ergänzt Irene Huber.

Mehrere Taten – nur ein registrierter Vorfall

Hinzu komme, dass mehrere Taten in der gleichen Opfer-Täter-Beziehung in der Statistik oftmals nur als ein Delikt erscheine. Die Zahlen der polizeilich registrierten Vorfälle dürfte also nur einen kleinen Teil der Realität abbilden. 

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Gut die Hälfte der häuslichen Gewaltstraftaten ereignen sich zudem in einer aktuellen Partnerschaft, 29 Prozent in einer früheren. Die Hürde den eigenen Partner anzuzeigen, ist gross. In 11 Prozent der Fälle waren Kinder die Gewaltopfer ihrer Eltern. 

Geschädigte Personen nach Staatszugehörigkeit

daten: bfs/grafik: watson

Ausländerinnen sind häuslicher Gewalt überproportional ausgesetzt, in einer bestehenden Partnerschaft viereinhalb Mal häufiger als Schweizerinnen. 

Nachbarn alarmieren oft Polizei

Auch hier sagt die Polizeistatistik nur die halbe Wahrheit: «In vielen Fällen sind es die Nachbarn der betroffenen Personen, welche die Polizei alarmieren – in Einfamilienhäusern passiert das seltener als in Mehrfamilienhäusern», sagt Huber. 

Mit anderen Worten: In Einfamilienhaus-Quartieren wird häusliche Gewalt seltener registriert und angezeigt, doch die Dunkelziffer dürfte auch hier hoch sein.

Nichtsdestotrotz weise aber die ausländische Bevölkerung eine Reihe von Risikofaktoren auf, die häusliche Gewalt begünstigen können, sagt Huber: «Sie heiraten oft jung, haben früh Kinder, sind häufiger sozial isoliert und leben öfter in ökonomisch eingeschränkten Verhältnissen oder kommen aus einem Kulturkreis, der eine grössere Gewaltakzeptanz aufweist.»

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