Joung Gustav und Junge Tat: Influencer bewegt sich viel weiter rechts als bekannt
Die Geschichte sorgte für Aufregung in der Schweiz: Die beiden grossen Detailhändler Migros und Coop schmissen ein Vitaminwasser des bekannten Schweizer Influencers Joung Gustav aus dem Sortiment, nachdem sich dieser auf Social Media politisch geäussert hatte. Coop sprach von fehlender Nachfrage beim Getränk, die Migros ebenfalls, zudem waren Gustavs asylkritische Aussagen für den Detailhändler «nicht mit dem eigenen Wertekanon vereinbar».
Der Influencer, dem auf Tiktok und Instagram ein Millionenpublikum folgt, kritisierte die Detailhändler im Nachhinein scharf. Sowohl die Art und Weise des Rauswurfs als auch die Debattenkultur in der Schweizer Social-Media-Szene und der Werbebranche stiessen ihm sauer auf. Bezüglich letzterem erklärte er, dass man als Influencer nur linke Positionen äussern könne und bei abweichenden Meinungen schnell gecancelt werde.
Nun zeigt sich: Gustav verbreitet online auch weit radikalere Positionen als seine Meinung zur Asylpolitik in der Schweiz. Der Sonntagsblick hat die Online-Aktivitäten des Influencers über die vergangenen Monate zurückverfolgt. Dabei zeigte sich, dass Gustav über sein Zweitprofil «gustavredet», wo er auch das asylkritische Video postete, unter anderem Videos über den «Grossen Austausch» mit seinen Followerinnen und Followern geteilt hatte.
Auch postete Gustav, der bürgerlich Philip Stephan heisst, mehrfach Inhalte, die sich um die «weisse Schuldkultur» in Europa und den USA drehen, die sich immer weiter ausbreiten soll. Dabei handelt es sich um die Ansicht, dass weisse Menschen generell Verantwortung für historisches und gegenwärtiges rassistisches Unrecht, wie den Kolonialismus oder die Sklaverei, tragen. Dass diese Schuldkultur immer weiter um sich greife, wird auch vor allem in extrem rechten Kreisen propagiert.
Darüber hinaus äusserte sich der Influencer jüngst auch ausgesprochen positiv über die rechtsextreme Schweizer Jugendorganisation «Junge Tat». In einem kürzlich aufgezeichneten Livestream antwortete Gustav laut dem «Sonntagsblick» auf eine User-Frage nach seiner Meinung zur Jungen Tat. Er sagte:
Er schränkte ein, dass er sich noch genauer mit der Gruppe beschäftigen müsse, aber «nach dem, was ich sehe, kämpfen sie fürs Land, für Remigration von illegalen Migranten, dafür, dass man vor allem als Mann stark sein und kämpfen können soll».
Die Junge Tat ist eine rechtsextreme Vereinigung, die in den vergangenen Jahren in der Schweiz bekannt wurde und deutlich gewachsen ist. Die Gruppe machte mehrfach mit kontroversen, teils rassistischen Aktionen auf sich aufmerksam. 2024 wurden mehrere Mitglieder wegen Rassendiskriminierung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch verurteilt. Gegen zwei Anführer der Gruppe läuft in Zürich aktuell weiterhin ein Strafverfahren. (con)
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