International
Naher Osten

Keine Flüge bis Mittwoch: Schweizer nach Raketenalarm in Dubai gestrandet

Raketenalarm in Dubai: Schweizer Touristen sitzen fest und wissen nicht, wie es weitergeht

Mitten in der Nacht erhalten Menschen in Dubai einen Raketenalarm. Mehrere Schweizer Touristen erzählen gegenüber watson, wie sie die Nacht ausgeharrt haben – und wie es nun weitergeht.
01.03.2026, 15:0001.03.2026, 15:22

Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat seit Samstag auch Dubai erreicht. Weil in der Region der Luftverkehr weitgehend zum Erliegen kam und tausende Flüge gestrichen wurden, sitzen auch Schweizer Reisende in den Vereinigten Arabischen Emiraten fest.

Gleichzeitig mussten die Emirate ihren Luftraum gegen iranische Angriffe verteidigen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden seit Samstag 165 iranische ballistische Raketen und 541 Drohnen in Richtung des Landes registriert – der Grossteil davon sei abgefangen worden. Trümmer hätten jedoch vereinzelt zivile Infrastruktur beschädigt. Betroffen waren unter anderem zwei Fünfsterne-Hotels in Dubai.

Was das für Touristen bedeutet, zeigen die Berichte von Schweizer Feriengästen in Dubai. Sie erzählen gegenüber watson von Raketenalarm mitten in der Nacht, überfüllten Hotelkellern, lauten Knallgeräuschen und der bangen Frage, wann sie nach Hause kommen.

«Noch nie so viel Angst»

Eine Frau, die anonym bleiben möchte und in einem Hotel am Palm-Jumeirah-Strand untergebracht ist, sagt zu watson: «Ein Raketenalarm auf meinem Smartphone hat mich um 00.30 Uhr aus dem Schlaf gerissen.» Zuerst hätten sie und ihr Partner sich im Badezimmer versteckt, doch nachdem laute Knallgeräusche zu hören waren, seien sie in die Hotellobby gegangen.

«Ich hatte so viel Angst wie noch nie in meinem Leben», sagt sie über diesen Moment.

Raketenalarm Dubai
Raketenalarm um 00:30 Uhr: So wurden die Touristen in Dubai informiert.Bild: zVg

Danach seien die Gäste in den Keller des Hotels gebracht worden. «Der war komplett überfüllt.» Nach einigen Stunden habe das Hotel zusätzlich das Restaurant geöffnet, damit die Menschen mehr Platz hätten. «Ich habe dann auf dem Boden an der Wand im Restaurant geschlafen, möglichst weit weg vom Fenster.»

Ähnlich schildert es auch das Paar, das im Fairmont Hotel in Dubai untergebracht ist – in welchem am Samstag eine Explosion gemeldet wurde. «Gestern Nacht ging der Alarm los und wir haben uns alle im Untergeschoss des Hotels versammelt und dort die Nacht verbracht.»

Auch tagsüber sei die Lage angespannt geblieben. «Heute hat man vereinzelt die Knalle der Abwehrraketen gehört.» Die Empfehlung laute derzeit, bis auf Weiteres im Hotel beziehungsweise drinnen zu bleiben.

«Panik ist keine Lösung»

Auch die Schweizerin Marijana steckt mit einer Kollegin in Dubai fest. Die beiden verbringen ihre Ferien im Riu Dubai, rund 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, in der Nähe des Flughafens.

watson-Leserin in Dubai
Wartet auf neue Informationen: Schweizer Touristin Marijana.bild: zvg

Auch sie hatte sich nach dem Raketenalarm in die Hotel-Lobby begeben. «Viele waren nervös, es hatte auch viele Familien mit kleinen Kindern.» Später sei jemand vom Militär gekommen und habe erklärt, die Gäste könnten wieder auf ihre Zimmer zurück.

Seitdem herrsche eine Mischung aus Alarmbereitschaft und Unsicherheit. «Heute Morgen gab es eine schwarze Rauchwolke, aber wir wissen nicht, was genau passiert ist», sagt Marijana. «Man hört oft die Kampfflieger durchfliegen und laute Knallgeräusche.»

Rauchwolke dubai
Diese Rauchwolke hat Marijana am Sonntagmorgen von ihrem Hotel aus gesehen. Bild: zVg

Gleichzeitig kritisiert sie die Kommunikation vor Ort. In Kombination mit Fake News in den sozialen Medien sei es schwierig, die Situation einzuordnen. «Wir bekommen praktisch nichts mit, es wird nichts kommuniziert. Der Betrieb läuft aber weiter und alle sagen, es sei sicher.» Panik sei für sie deshalb keine Lösung. «Ich glaube, das Falsche wäre jetzt, in Panik zu geraten.» Eine Kollegin habe ihr geraten, sofort an den Flughafen zu gehen. «Aber dort herrschte wirklich Chaos – und das wollen wir nicht.»

«Im Moment kann niemand helfen»

Wann die Schweizer Touristen wieder nach Hause können, ist zurzeit unklar. Nach Angaben der Plattform Flightradar24 wurden an sieben grossen Flughäfen mehr als 3400 Flüge gestrichen, besonders betroffen sind die regionalen Drehkreuze Dubai, Abu Dhabi und Doha. In Dubai wurden nach den Angriffen zudem Teile des Flughafens beschädigt. Laut Reuters wurden vier Menschen verletzt – auch an einem Terminal kam es zu Schäden.

ADDS CAUSE OF BLACK SMOKE IN THE BACKGROUND.- A plume of smoke caused by an Iranian strike is seen in the background as Emirates planes are parked at Dubai International Airport after its closure in D ...
Eine Rauchwolke ist am Sonntag im Hintergrund des Flughafens in Dubai zu sehen.Bild: keystone

Eine organisierte Ausreise habe das EDA derzeit jedoch nicht geplant, wie das Amt watson am Samstagabend mitteilte. Ausreisewillige sollen sich bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern über Möglichkeiten informieren und die Anweisungen der lokalen Behörden beachten. In dringenden Fällen sei die Helpline des EDA rund um die Uhr erreichbar.

Vor Ort bleibt vielen deshalb nur das Warten. «Ich glaube, im Moment kann uns gerade noch niemand weiterhelfen», sagt die Schweizerin Marijana. Sie wollte eigentlich am Mittwoch zurück in die Schweiz fliegen. Doch seit Sonntag ist klar: Bis und mit am 4. März setzt die Swiss alle Flüge nach Dubai aus.

Bis auf Weiteres gilt für alle in Dubai: im Hotel bleiben, Ruhe bewahren, auf neue Informationen warten.

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