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Diese Gemeinden haben sich in den letzten 16 Jahren am LGBT-freundlichsten entwickelt

Wir haben die Abstimmungsresultate zur «Ehe für alle» ausgewertet. Das Fazit: Ein «Ja» gabs dort, wo Grünliberale, nur wenige SVPler und eher junge Leute wohnen.
27.09.2021, 16:4727.09.2021, 17:46

Das Ja zur «Ehe für alle» war am Sonntag überdeutlich. Spannender ist aber der Blick ins Detail, wenn man das gestrige Resultat mit früheren LGBT-Abstimmungen vergleicht. So etwa mit der Einführung der eingetragenen Partnerschaft im Jahr 2005 oder dem Verbot von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung im letzten Jahr.

So stimmte deine Gemeinde bei der «Ehe für alle» ab

Schauen wir uns die Basics an: Die Schweiz-Karte war gestern strahlend blau, einige Gemeinden waren jedoch rot bis dunkelrot gefärbt. Die deutlichste Nein-Gemeinde war Riemenstalden SZ mit 24,1 Prozent – der Ort ist aber so klein, dass ein Ergebnis von 22 zu 7 Stimmen bereits für ein so deutliches Resultat ausreichte. Die stimmenmässig «stärksten» Nein-Gemeinden waren Frutigen BE (60,8 % Nein) und Adelboden BE (69,9 % Nein), wo es je rund 630 mehr ablehnende als annehmende Stimmzettel gab.

Das deutlichste Ja lag geografisch nicht weit entfernt: In Oberems VS stimmten 85,7 Prozent (!) der Bevölkerung für die «Ehe für alle». Die Kleingemeinde hatte schweizweit den höchsten Ja-Anteil: Das Resultat war 42:7 Stimmen.

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Ja, ja, ja: die LGBT-freundlichsten Gemeinden

Wer in einer Triple-Yes-Gemeinde wohnt und queer ist, kann sich freuen.
Wer in einer Triple-Yes-Gemeinde wohnt und queer ist, kann sich freuen.
Bild: keystone

Wie bereits einführend gesagt, gab es in der jüngeren Geschichte der Schweiz drei LGBT-relevante Abstimmungen:

  • Einführung der eingetragenen Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare (Referendum 2005)
  • Einführung der Diskriminierungs-Strafnorm (aufgrund von sexueller Orientierung, Referendum 2020)
  • Abschaffung der Ehe-Diskriminierung bei gleichgeschlechtlichen Paaren («Ehe für alle», Referendum 2021)

In der folgenden Karte zeigen wir, in welcher Gemeinde es drei Mal ein Ja (dunkelblau) bzw. drei Mal ein Nein (dunkelrot) gab. Gemeinden, die bei der «Ehe für alle» zustimmten – aber zuvor mal eine LGBT-Abstimmung abgelehnt hatten – sind in hellblau gefärbt. Sinngemäss gilt das für die hellrot-gefärbten Gemeinden.

Grösster Meinungswandel

Zwischen der Partnerschaftsgesetz-Abstimmung und der «Ehe für alle» sind 16 Jahre vergangen. Sinngemäss ging es in beiden Vorlagen um eine Abschaffung einer Diskriminierung für homosexuelle Paare. Vergleicht man die Abstimmungsresultate der Gemeinden, so kann man daraus schliessen, wie stark sich die Meinung in der lokalen Bevölkerung gewandelt hat.

Die Karte ist deutlich blau gefärbt: In praktisch jeder Gemeinde wurde in der Bevölkerung das Gleichstellungslager grösser. In einigen ziemlich deutlich: Die jurassische Gemeinde Soubey lehnte 2005 das Partnerschaftsgesetz deutlich ab, heuer gabs ein ebenso deutliches «Ja» zur «Ehe für alle».

Meinungswandel in Zahlen

«Ehe für alle»-Gegner Anian Liebrand (rechts von der Handykamera) ist nicht von Urmein GR – seine Argumente kamen dort aber gut an.
«Ehe für alle»-Gegner Anian Liebrand (rechts von der Handykamera) ist nicht von Urmein GR – seine Argumente kamen dort aber gut an.
Bild: keystone

Es gab auch den umgekehrten Weg. Wir sehen das an den Gemeinden, die in der folgenden Grafik oben links zu finden sind: Die Ortschaft Urmein GR in der Viamala sagte vor 16 Jahren deutlich «Ja» zum Partnerschaftsgesetz, am Wochenende wurde die «Ehe für alle» hingegen verworfen.

Das Dorf Oberems VS (wir kennen es bereits als deutlichste Ja-Gemeinde bei der «Ehe für alle») galt 2005 bereits als vehementester Gleichstellungsbefürworter. Dort dürften bevölkerungsmässig die meisten Unterstützer von LGBT-Rechten leben.

Zusammenhang mit GLP-Wähleranteil

Das ist das einzige Foto von Otelfingen in unserem System.
Das ist das einzige Foto von Otelfingen in unserem System.
Bild: KEYSTONE

Wir haben die Ja-Stimmen zu «Ehe für alle» auch im Verhältnis zu einigen anderen Statistiken analysiert. Dabei kamen einige klare Zusammenhänge auf: So kann klar gesagt werden, dass in Gemeinden, wo die GLP besonders stark ist, auch viele Leute Ja zur «Ehe für alle» sagten.

Es gibt hier ein paar Ausreisser: Die beiden Berner Dörfer Adelboden und Frutigen lehnten die Ehe-Vorlage ab. Die GLP wird dort aber überdurchschnittlich häufig gewählt.

Zusammenhang mit SVP-Stärke

Hergiswil NW als Ausnahme: Hier sind die SVP und das Ja-zur-«Ehe für alle»-Lager stark.
Hergiswil NW als Ausnahme: Hier sind die SVP und das Ja-zur-«Ehe für alle»-Lager stark.
Bild: KEYSTONE

Der Zusammenhang mit der Parteienstärke lässt sich auch bei der SVP sehen, diesmal jedoch mit umgekehrten Vorzeichen: Dort, wo die SVP besonders häufig gewählt wurde, wurde in der Regel auch mehr Nein bei der «Ehe für alle» gestimmt.

Dort, wo die SVP schwach ist, gab es hingegen eine grössere Zustimmung. Bei den Schweizer Grossstädten überrascht das nicht. Die Korrelation lässt sich auch bei vielen Kleingemeinden erkennen, wo die SVP schwächer ist als im nationalen Durchschnitt.

60+ war kritischer

Sucht man nach «Opfikon», findet man vor allem Bilder von Baustellen: Dort wird viel für Neuzuzüger gebaut.
Sucht man nach «Opfikon», findet man vor allem Bilder von Baustellen: Dort wird viel für Neuzuzüger gebaut.
Bild: KEYSTONE

Deutlich ist auch der Zusammenhang zwischen demografischer Altersstruktur und dem Ja-Anteil bei der «Ehe für alle». In Orten, wo die Generation 60+ einen grossen Anteil ausmacht, wurde die Ehe-Vorlage weniger deutlich angenommen. Das zeigt sich besonders gut bei zwei Extremfällen: In Rossa GR ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung über 60 Jahre alt – dort wurde die «Ehe für alle» deutlich abgelehnt.

In der Zürcher Vorortgemeinde Opfikon ZH leben besonders viele junge Neuzuzügerinnen und junge Familien: Die Bevölkerung hat dort deutlich Ja gestimmt.

(pit)

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