DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Beste Laune im Weissen Haus: Donald Trump empfing gestern Sergej Lawrow und Sergej Kisljak.
Beste Laune im Weissen Haus: Donald Trump empfing gestern Sergej Lawrow und Sergej Kisljak.
Bild: EPA/Russian Foreign Ministry

Das merkwürdige Russland-Treffen im Oval Office – und die zynischen Reaktionen

Seit Dienstagabend herrscht ein Riesenwirbel um Trumps Russland-Connections. Dennoch traf der US-Präsident gestern den russischen Aussenminister und den russischen Botschafter. Später trat noch ein weiterer Überraschungsgast im Weissen Haus auf.
11.05.2017, 03:0411.05.2017, 09:39

Donald Trump empfing gestern im Weissen Haus den russischen Aussenminister Sergej Lawrow und den russischen Botschafter Sergej Kisljak – und es herrschte beste Laune.

Wissen tun wir das allerdings nur dank Fotos der staatlichen russischen Newsagentur. Denn ihr Fotograf war der einzige, der beim Meeting anwesend war.

Richtig, US-Journalisten waren beim Treffen im Weissen Haus, im Machtzentrum der USA, nicht zugelassen. Eine freilich brisante Entscheidung zu einem überaus kritischen Zeitpunkt. Wenige Stunden zuvor feuerte Trump FBI-Direktor James Comey, der die Verbindungen des Präsidenten zu Russland untersuchte. 

Das Treffen sei zustande gekommen, weil Wladimir Putin dies bei einem Telefonat mit Trump anfangs Woche vorgeschlagen hätte, hiess es später am Tag seitens diverser US-Medien.

Ein unangebrachter Scherz

Und der russische Aussenminister verpasste es nicht, noch mehr Öl ins Feuer zu giessen. Lawrow sprach am Mittwochmorgen mit US-Aussenminister Rex Tillerson. Als er nach diesem Treffen ins Oval Office schritt, fragte ihn ein Reporter, ob Comeys Entlassung einen Schatten über das heutige Treffen werfe.

Eine durchaus berechtigte Frage. Lawrow konnte darüber jedoch nur lachen. «Was er wurde gefeuert?», fragte er sarkastisch. «Sie scherzen, sie scherzen!»

Nach der News-Konferenz traf sich Lawrow persönlich mit Trump. Es dauerte nicht lange, bis das russische Aussenministerium ein Foto veröffentlichte, das das erste Handshake zwischen den beiden zeigt. 

Ausgerechnet Kisljak

Beim Treffen im Oval Office ebenfalls anwesend: Sergej Kisljak, der russische Botschafter in Washington. Er ist eine Schlüssel-Figur in den laufenden Untersuchungen zu den Russland-Connections.

Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn wurde gefeuert, nachdem herauskam, dass er sich mehrere Male mit Kisljak getroffen hatte und darüber nicht die Wahrheit gesagt hatte. Der amtierende Justizminister Jeff Sessions traf sich vergangenen Juli und September ebenfalls zweimal mit Kisljak – und verschwieg dies bei seiner Anhörung vor dem Senat. 

Sessions erklärte in der Folge, dass er sich aus sämtlichen Ermittlungen zu Russland zurückziehe. Dennoch empfahl er Trump, FBI-Direktor Comey zu feuern. 

Trump sagte das Treffen mit Kisljak und Lawrow sei «sehr, sehr gut» gewesen. Russland und die USA seien sich einig, dass das schreckliche Töten in Syrien so schnell wie möglich aufhören müsse. 

Auf auf Twitter tauchten Fotos auf, welche von der russischen Newsagentur aufgenommen wurden. Es zeigt die drei Gesprächspartner zufrieden lächelnd. 

Twitter lacht

Kein Wunder, dass die ersten zynischen Kommentare auf Twitter nicht lange auf sich warten liessen: 

Und dann kommt Kissinger ...

Und als ob das Treffen mit Kisljak und Lawrow nicht schon skurril genug gewesen wäre, lud Trump darauf noch einen weiteren Gast ein, der für Stirnrunzeln sorgte.

Manch ein Beobachter fragte sich wohl, ob er im komplett falschen Film sitze, tauchte doch tatsächlich Henry Kissinger im Weissen Haus auf.

Trump lädt ausgerechnet am Tag nachdem er mit Nixon verglichen wurde, dessen ehemaligen Aussenminister Henry Kissinger ins Weisse Haus ein.
Trump lädt ausgerechnet am Tag nachdem er mit Nixon verglichen wurde, dessen ehemaligen Aussenminister Henry Kissinger ins Weisse Haus ein.
Bild: EPA/Polaris POOL

Der 93-Jährige amtete einst als US-Aussenminister. Und zwar genau für jenen Präsidenten mit dem Trump seit Dienstagabend pausenlos verglichen wird: Richard Nixon.

1973 feuerte Nixon den Sonderermittler, der gegen ihn Untersuchungen leitete. In der Folge musste er als Präsident der Vereinigten Staaten zurücktreten. 

Trump würde also gut daran tun, sich so weit wie möglich von Nixon zu distanzieren, machte aber genau das Gegenteil. Mehr Realsatire geht nicht. (cma)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

So sieht der wahre Staatsstreich von Donald Trump aus

Der Historiker Robert Kagan beschreibt in der «Washington Post» ein bedrückendes, aber realistisches Szenario, wie sich die USA in einen faschistischen Staat verwandeln könnten.

Derzeit scheint es Donald Trump und den Republikanern nicht gut zu laufen. Der ehemalige Chefstratege des Ex-Präsidenten, Steve Bannon, der ehemalige Stabschef Mark Meadows und dessen Stellvertreter Dan Scavino sowie der ehemalige Stabschef im Pentagon, Kash Patel, müssen vor dem Untersuchungsausschuss antreten, der die Vorkommnisse des 6. Januars abklärt. Selbstredend hat Trump angekündigt, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um dies zu verhindern.

Gleichzeitig scheint sich im Bundesstaat Arizona …

Artikel lesen
Link zum Artikel